Bluttest zur Krebs-Früherkennung

Fabian Peters

Biomarker helfen bei der Früherkennung von Krebs

07.09.2011

Je früher das Krankheitsstadium in dem eine Krebserkrankung erkannt wird, umso höher liegen die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung. Daher kommt der Früherkennung bei Krebs eine besonders hohe Bedeutung zu. Hier könnten sogenannte Biomarker in Zukunft dabei helfen, die Krankheit durch einen Bluttests bereits weit früher zu erkennen als bisher, berichten deutsche Forscher in dem Fachmagazin „ Nature Methods“.

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Mit Hilfe eines von dem Bioinformatiker Dr. Andreas Keller an der Universität des Saarlandes entwickelten Biomarkerkonzeptes hatte das Team um Dr. Sebastian Häusler, Dr. Jörg Wischhusen und Professor Johannes Dietl von der Universitäts-Frauenklinik Würzburg bereits im vergangenen Jahr die Grundlage für einen Bluttest entwickelt, der Krebs schon in einem frühen Krankheitsstadium relativ sicher diagnostizieren kann. Die Forscher stellten bei Tumorpatientinnen mit Eierstockkrebs spezielle sogenannten "microRNA" fest, die sich eindeutig gegenüber gesunden Patienten abgrenzen ließen und entsprechend gut für eine Krebsdiagnose mit Hilfe von Bluttests geeignet sei, berichteten die Forscher der Universitäts-Frauenklinik letztes Jahr im „British Journal of Cancer“.

Biomarker zu Abgrenzung verschiedener Krankheitsbilder
Nun haben Wissenschaftler deutschlandweit unter Leitung von Dr. Andreas Keller vom Heidelberger „Biomarker Discovery Center“ im Rahmen einer Nachfolgestudie das Testverfahren auf 14 teilweise sehr schwer zu diagnostizierende Erkrankungen, wie beispielsweise Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse, des Magen-Darm-Traktes oder der Prostata, übertragen. Auch zur Diagnose von Multiple Sklerose und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) nutzten die Forscher den Bluttest auf Basis von Biomarkern. Dieser habe „insgesamt eine hohe Spezifität für die einzelnen Krankheitsbilder gezeigt, die diagnostisch gut voneinander und von gesunden Kontrollgruppen unterschieden werden konnten“, erklärte der Würzburger Experte Dr. Jörg Wischhusen. Laut Aussage des Forschers wies das neuartige Testverfahren bei der Krebsdiagnose eine Sicherheit von mehr als 90 Prozent auf, bei einzelnen Krankheitsbildern lag diese sogar bei 99 Prozent.

Um mögliche natürliche Abgrenzungskriterien für die unterschiedlichen Krankheiten zu ermitteln, haben die Wissenschaftler um Dr. Keller in den Blutproben der Patienten nach Biomarkern gesucht, die sich für eine Diagnose nutzen lassen. Winzige Fragmente der Ribonukleinsäure (RNA) – sogenannte microRNA-Moleküle – die erstmals im Jahr 2001 entdeckt wurden, weisen laut Aussage der Experten bei gesunden und kranken Menschen deutliche Unterschiede auf. Im Rahmen ihrer Studie konnten die Wissenschaftler nun auch nachweisen, dass die winzigen RNA-Fragmente bei jeder untersuchten Krebsart unterschiedlich ausfallen, so dass diese sich anhand ihres "microRNA-Musters" in den Blutproben eindeutig diagnostizieren lassen. Nun bedarf es nur noch eines geeigneten Bluttestverfahrens, um in Zukunft die Krebsdiagnose anhand von Biomarken in die Praxis umzusetzen, berichten die Forscher. Allerdings werde bis zur Marktreife eines entsprechenden Testverfahrens wahrscheinlich noch einige Zeit vergehen, so die Aussage von Dr. Keller und Kollegen.

Biomarker als Basis einer verbesserten Krebsdiagnose
Die Basis für eine deutlich verbesserte Früherkennung von Krebserkrankungen mit Hilfe von Bluttests ist durch die Entschlüsselung entsprechender Biomarker gelegt und angesichts der relativ schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen, die bei einer Krebserkrankung drohen, scheint der Bedarf enorm. Allerdings lässt sich mit der Vermeidung beziehungsweise der Frühdiagnose von Krebserkrankungen oftmals weniger Geld verdienen, als mit der Behandlung, so dass bisher die Frage offen bleibt, wer das neue Verfahren der Krebsdiagnose mit Hilfe von Biomarkern zur Marktreife führen wird. (fp)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de