Neuer Bluttest zur schnelleren Krebs-Diagnose

Sebastian

07.04.2014

Die Heilungschancen bei Krebserkrankungen hängen ganz wesentlich von einer frühen Diagnose ab. Allerdings sind bisherige Verfahren, um Krebs festzustellen, aufwendig, teuer und teils auch unzuverlässig. Ein neuer Bluttest lässt nun auf eine schnellere und und preiswertere Diagnose hoffen.

Bluttest erkennt Tumor-Erbgut von Patienten
In Zukunft könnte ein neuer Bluttest Ärzte beim Erkennen und Behandeln von Krebs unterstützen und so Diagnose, Therapiekontrolle und spätere Überwachung verbessern. Bei dem neuen Verfahren, das von US-Medizinern entwickelt wurde, werden winzige Bruchstücke von Tumor-DNA (ctDNA) aufgespürt, die im Blut zirkulieren. Die kostengünstige Methode erkannte beimnicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), der häufigsten Form von Lungenkrebs, das Tumor-Erbgut im Blut aller Patienten im fortgeschrittenen Stadium und bei jedem Zweiten im Frühstadium. Dies berichteten die Wissenschaftler um Maximilian Diehn von der Stanford University (US-Staat Kalifornien) im Fachblatt „Nature Medicine“.

Bisherige Verfahren sind teuer und unzuverlässig
Für die Diagnostik und Therapiekontrolle nutzen Krebsmediziner bislang aufwendige und teils invasive Untersuchungen. Bisher haben Analysen von Blutproben auf Tumor-DNA das Problem, dass sie sehr teuer und unzuverlässig sind, weil sie nur nach häufigen Mutationen suchen. Hintergrund ist dabei, dass absterbende Tumorzellen winzige Bruchstücke des Erbguts in das Blut abgeben. Das nun in den USA entwickelte Verfahren CAPP-Seq (Cancer Personalized Profiling by deep Sequencing) erkennt eine Vielzahl auffälliger Mutationen. „Die riesige Mehrheit der zirkulierenden DNA stammt von normalen Zellen, selbst bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs“, erklärte Koautor Scott Bratman. „Wir brauchten eine umfassende Strategie, um die zirkulierende DNA aus dem Blut zu isolieren und die seltenen krebsbezogenen Mutationen zu erkennen. Um die Empfindlichkeit zu erhöhen, optimierten wir die Techniken zum Extrahieren, Aufbereiten und Analysieren der DNA.“ Sie entnahmen dafür aus Krebsdatenbanken Mutationen, die für NSCLC typisch sind.

Hohe Trefferquote und kaum irrtümliche Krebsbefunde
Das Verfahren spürte in Tests Tumor-DNA bei 100 Prozent der NSCLC-Patienten ab Stadium II und bei 50 Prozent der Patienten im Stadium I auf. Zudem erreichte die Methode nicht nur eine hohe Trefferquote, sondern lieferte auch kaum irrtümliche Krebsbefunde. Des Weiteren gab die Menge der ctDNA Aufschluss über die Größe des Tumors und auch über seine Entwicklung während der Therapie, zum Teil sogar besser als Biopsien. Wie die Wissenschaftler schrieben, könne das Verfahren auch bei anderen Tumorarten etwa von Brust, Prostata oder Darm angewandt werden, wenn man die typischen Mutationsmuster kenne. Es sei dank der geringen Kosten und der hohen Zuverlässigkeit für den klinischen Alltag geeignet, sowohl zur Diagnostik und Therapiekontrolle, als auch zur späteren Überwachung von Patienten.

Deutscher Krebsexperte hält neuen Ansatz „außerordentlich interessant“
Der neue Ansatz wird auch von Professor Christof von Kalle vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, als „außerordentlich interessant“ eingeschätzt. Zum einen vermeide er viele Probleme bisheriger Verfahren und verknüpfe zum anderen ein breites Spektrum tumorassoziierter Mutationen mit einer cleveren Auswertungssoftware. Allerdings gebe es bei der Untersuchung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms im Frühstadium vermutlich noch „Luft nach oben“, denn da lag die Trefferquote lediglich bei 50 Prozent.

Test kommt ohne Entnahme einer Gewebeprobe aus
Auch deutsche Wissenschaftler hatten vor kurzem bekannt gegeben, einen neuen Bluttest zur frühzeitigen Krebsdiagnose gefunden zu haben. Forscher des Universitätsklinikums Tübingen, des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und des Clemenshospital der Universität Münster teilten mit, dass mit Hilfe des neuen Tests bei Mundhöhlenkrebs, Prostatakrebs und Brustkrebs ein frühzeitiger Krebs-Nachweis möglich sei. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „BMC Cancer“ schrieben, nutze der neuartige Bluttest das „Immunsystem und die Aktivität von im Blut zirkulierenden Fresszellen, die Tumorzellen in sich aufnehmen“, um möglicherweise vorliegende Krebserkrankungen zu identifizieren. Es sei ein wichtiger Schritt gelungen auf dem Weg zu einem Test, der Krebserkrankungen sicher und früh identifizieren kann und der dabei ohne die Entnahme einer Gewebeprobe auskommt. (sb)

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