Bluttest zur verbesserten Alzheimer-Diagnose

Fabian Peters

Forscher der Saar-Universität entwickeln Bluttest für die Diagnose von Alzheimer

30.07.2013

Alzheimer lässt sich in Zukunft möglicherweise mit Hilfe eines Bluttests eindeutig und schnell diagnostizieren. Wissenschaftlern des Instituts für Humangenetik an der Saar-Universität ist es gelungen, die neurodegenerative Erkrankung anhand bestimmter Signaturen im Blut nachzuweisen. Zwar muss sich der Test erst noch in klinischen Studien bewähren, doch besteht Hoffnung auf eine deutliche Verbesserung der Alzheimer-Diagnostik.

„Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. In Deutschland gibt es rund 1,4 Millionen Betroffene. Bis 2050 sollen es rund drei Millionen sein“, berichtet die Universität des Saarlandes in einer aktuellen Pressemitteilung. Bislang sei der Nachweise der Erkrankung schwierig oder zum Teil gar unmöglich. Bei der Alzheimer-Diagnose „handelt es sich meist um ein aufwendiges Unterfangen, bei dem teure Verfahren wie die Computertomografie oder psychologische Tests, die etwa Gedächtnis und Denkvermögen prüfen, zum Einsatz kommen“, so die Mitteilung der Universität. Eine frühzeitige Diagnose sei daher kaum möglich, wäre im Sinne der Patienten jedoch dringend erforderlich, da bislang keine Heilung, sondern lediglich eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs bei Alzheimer möglich ist. Der von dem Forscherteam um Petra Leidinger, Christina Backes und Andreas Keller an der Saar-Universität entwickelte Bluttest, könnte hier eine deutliche Verbesserung mir sich bringen. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in dem Fachmagazin „Genome Biology“ veröffentlicht.

Biomarker dienen zur Diagnose von Alzheimer
Die Wissenschaftler suchten im Rahmen ihrer Studien nach sogenannten Biomarkern, die bei einem Bluttest als verlässliche Hinweise auf Alzheimer dienen können. „Biomarker sind Moleküle, mit denen Wissenschaftler und Ärzte unter anderem Erkrankungen diagnostizieren und den Verlauf einer Krankheit voraussagen können“, erläutern Leidinger, Backes und Keller. Als solche seien auch die sogenannten microRNAs – kleine, im Blut vorkommende Nukleinsäuren – geeignet. Petra Leidinger vom Institut für Humangenetik in Homburg an der Saar erklärte, dass die microRNAs „für die Medizin von großem Interesse (sind), weil ihre Zusammensetzung eine spezifische Signatur ergibt, die einer bestimmten Erkrankung zugeordnet werden kann.“ Um zu bestimmen, ob auch bei Alzheimer spezifische microRNAs im Blut auftreten, haben die Wissenschaftler „die Blutproben von 100 Alzheimer-Patienten getestet“, berichtet Andreas Keller vom Institut für Humangenetik, der auch für Siemens Healthcare als Director Technology Innovation tätig ist.

Präzision des Alzheimer-Bluttests bei mehr als 90 Prozent
Die Suche der Wissenschaftler nach speziellen Biomarkern, die auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen, war durchaus erfolgreich. „Insgesamt haben wir bei zwölf microRNAs eine andere Zusammensetzung als bei den gesunden Personen der Kontrollgruppe gefunden“, berichten Leidinger, Backes und Keller. Ein auf Basis der Biomarker entwickelter Test zeigte laut Angaben der Forscher eine erfreulich hohe Genauigkeit. Die Präzision des Tests habe bei über 90 Prozent gelegen, was für einen Biomarker ein sehr gutes Ergebnis sei. Allerdings bedürfe „noch weiterer Untersuchungen bis es zur klinischen Anwendung kommt“, erläuterte Cord Stähler, Chief Technology Officer bei Siemens Healthcare, in der Pressemitteilung der Universität des Saarlandes.

Abgrenzung gegenüber anderen neurologischen Erkrankungen zum Teil schwierig
a auch andere Hirn-Erkrankungen teilweise ähnliche Symptome wie Alzheimer verursachen, haben die Forscher in einem weiteren Schritt untersucht, „ob es Unterschiede in der microRNA-Signatur zwischen Alzheimer und anderen neurologischen Krankheiten gibt. Zwar ließ sich Alzheimer „auch hier eindeutig von Schizophrenie oder Depression abgrenzen“, doch „bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen, wie etwa Parkinson und der leichten kognitiven Beeinträchtigung waren die Testergebnisse nicht so genau“, erläuterte Leidinger. Zwar seien leichte Abweichungen der Biomarker festgestellt worden, doch zur eindeutigen Unterscheidung zwischen Alzheimer und den neurodegenerativen Erkrankungen reichen diese laut Aussage der Forscher bislang nicht aus. „Dies ließe sich aber verbessern, indem die Wissenschaftler die Molekül-Signaturen weiter verfeinern“, berichtet die Universität des Saarlandes.

Einblicke in die molekularen Mechanismen bei Alzheimer
Den Angaben der Forscher zufolge hat die aktuelle Suche nach den Alzheimer-Biomarkern auch „weitere Einblicke in die molekularen Mechanismen bei Alzheimer“ erlaubt. So seien zwei der "microRNAs" an Prozessen beteiligt, die zur Bildung der Eiweißablagerungen (sogenannte Plaques) im Gehirn von Alzheimer-Patienten führen. Die Plaques gelten als charakteristisches Merkmal für die Erkrankung. An der Studie waren auch Wissenschaftler der Neurologische Klinik am Universitätsklinikum Erlangen, der Inneren Medizin II der Universität Heidelberg, der Charité Berlin und des Scripps Research Institute im kalifornischen La Jollla beteiligt. (fp)