Blutvergiftung: Gefahr auch für Gesunde

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Welt-Sepsis-Tag: Gesunde können Blutvergiftung erleiden

14.09.2014

Kaum eine Krankheit wird in Deutschland so unterschätzt wie die Sepsis, im Volksmund auch Blutvergiftung genannt. Nicht nur Risikopatienten sind gefährdet, auch vorher völlig Gesunde können erkranken. Darauf wurde zum Welt-Sepsis-Tag 2014 hingewiesen.

Oft reicht schon ein kleiner Alltagsunfall
Nicht nur Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann einen Sepsis treffen, sondern auch vorher völlig Gesunde können einen sogenannte Blutvergiftung erleiden. Darauf hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Berlin anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September hingewiesen. Dabei reicht oft schon ein kleiner Alltagsunfall. „Das kann eine Schnittverletzung bei der Essenszubereitung sein oder eine Verbrennung beim Grillen“, erklärte Prof. Gernot Marx, Sektionssprecher der DIVI im Bereich Systemische Inflammation und Sepsis gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Der größte Risikofaktor allerdings ist eine Lungenentzündung.“

Symptome ähneln denen einer Grippe
Da die Symptome denen einer Grippe ähneln, ist eine Sepsis häufig nicht leicht zu erkennen. Beschwerden, die bei einer Erkrankung auftreten, umfassen unter anderem Fieber, Schüttelfrost, beschleunigter Puls, schnellere Atmung, niedriger Blutdruckund Herzrasen. Meist fühlen sich Erkrankte zudem stark entkräftet und haben einen unruhigen Schlaf. „Wer unter den genannten Symptomen leidet und sich zuvor eine Wunde oder Verletzung zugezogen hat, sollte nicht zögern, sofort in ein Krankenhaus zu fahren oder einen Notarzt zu rufen“, so Prof. Marx.

Bei Verdacht schnell handeln
Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland pro Jahr rund 160.000 Menschen an einer Sepsis, bis zu 60.000 von ihnen sterben daran. Laut Experten haben Betroffene, bei denen die Infektion innerhalb der ersten Stunden erkannt und behandelt wird, eine Überlebenschance von 80 Prozent. Wenn jedoch erst nach sechs Stunden gehandelt wird, liegt die Chance nur noch bei etwa 30 Prozent. Daher sollte bei Verdacht nicht erst der Hausarzt, sondern gleich eine Klinik aufgesucht werden. Tragischerweise besteht jedoch auch in Krankenhäusern ein Infektionsrisiko.

Zwei Drittel der Betroffenen erwerben eine Sepsis im Krankenhaus
So erwerben rund zwei Drittel der Betroffenen eine Sepsis durch eine Infektion im Krankenhaus. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass Patienten, die in eine Klinik kommen, häufig schwer krank sind und durch eine geschwächte Immunabwehr, etwa in Folge von Diabetes oder Krebs, besonders anfällig für Infektionen sind. Neben einer Lungenentzündung oder einer offenen Wunde stellen auch Krankheiten im Bauchraum, wie Blinddarm- oder Gallenblasenentzündungen, Harnwegsinfekte oder ein entzündeter Zahn Risikofaktoren für eine Blutvergiftung dar.

Roter Streifen ist kein eindeutiges Zeichen für Blutvergiftung
Die Annahme, dass eine Blutvergiftung durch einen roten Streifen auf der Haut zu erkennen ist und dass es gefährlich wird, wenn sich dieser dem Herzen nähert, ist weit verbreitet. Allerdings handelt es sich bei dem Streifen keinesfalls um ein eindeutiges Frühwarnzeichen. Experten zufolge tritt er lediglich in etwa einem Prozent aller Sepsis-Fälle auf. Häufig sei dieser rote Streifen lediglich ein Hinweis auf eine Entzündung, aus der aber im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung werden könne. Daher ist auch in diesem Fall ein Arztbesuch ratsam. Wird eine Sepsis diagnostiziert, erhalten Betroffene umgehend Breitband-Antibiotika, zum Teil hoch dosiert.

Risiko-Patienten wird zur Impfung geraten
Prof. Marx rät Menschen über 60 Jahre sowie Risiko-Patienten, sich gegen Pneumokokken-Infektion impfen zu lassen. Bei Pneumokokken handele es sich "um Bakterien, die eine Lungenentzündung und eben auch eine Sepsis auslösen können". Grundsätzlich wichtig ist zudem "eine sorgfältige Hygiene". Jede noch so "kleine Wunde sollte immer gründlich gesäubert und desinfiziert werden, um das Risiko einer eventuellen Infektion zu senken". In Operationssälen erhalten Patienten vor großen chirurgischen Eingriffen sowie nach schweren Verletzungen häufig vorbeugend Antibiotika. Auch auf die Wichtigkeit der Handdesinfektion wird regelmäßig hingewiesen, diese sei in Deutschland nicht ideal. Der Welt-Sepsis-Tag findet seit 2012 jedes Jahr am 13. September statt, um auf die Erkrankung und ihre Gefahren aufmerksam zu machen. (ad)

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de