Borreliose-Erreger bei vielen Kindern nachgewiesen

Astrid Goldmayer

Borreliose-Erreger bei vielen Kindern bundesweit nachgewiesen

12.04.2012

Laut Experten könnten rund 40 Prozent der Zecken Borreliose-Erreger in sich tragen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichte jetzt eine Studie, nach der etwa einer von 14 Jugendlichen schon einmal mit den Bakterien infiziert war. Die Erreger der Lyme-Borreliose seien demnach bundesweit unter Kindern verbreitet.

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Einer von 14 Jugendlichen wurde schon einmal mit Borreliose-Erregern infiziert
Rund sieben Prozent der 14- bis 17-Jährigen sind bereits mindestens einmal von einer mit Lyme-Borreliose infizierten Zecke gebissen worden. Das zeigt eine bundesweit repräsentative Studie des RKI. Die Daten für die Auswertung lieferte maßgeblich der große „KiGGS-Survey zur Kinder- und Jugendgesundheit“. „Damit konnten wir erstmals zeigen, dass die Lyme-Borreliose bundesweit endemisch ist“, erklärt Hendrik Wilking, Epidemiologe am RKI, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Anderen Studien zufolge ist aber nur in etwa einem von 100 Fällen mit einem manifesten Ausbruch der Krankheit zu rechnen.

Bei drei Prozent der Drei- bis Sechsjährigen konnten Antikörper gegen Borrelien im Blut festgestellt werden. Zudem seien Kinder in ländlichen Regionen mit 7,1 Prozent stärker betroffen als Stadtkinder mit nur knapp vier Prozent. Nur bei 4,1 Prozent der Mädchen und 5,5 Prozent der Jungen seien Antikörper nachgewiesen worden und bei deutschstämmigen Kindern mit 5,5 Prozent wesentlich häufiger als bei Kindern mit Migrationshintergrund mit 1,9 Prozent. Die Forscher vermuten, dass das unterschiedliche Freizeitverhalten dafür ein Grund sein könnte. Mit dem Alter nimmt der Anteil an Menschen mit erfolgter Ansteckung zu, unter anderem weil die Antikörper bis zu zehn Jahre im Blut überdauern, schreiben die Autoren der Studie. „Was die Autoren jedoch überrascht hat: Mehr noch als Hunde erhöhen Katzen als Haustiere das Risiko für eine Borreliose-Infektion“, berichtet Wilking. Die Zecken könnten beim Schmusen mit den Tieren auf die Kinder überspringen.

Behandlung von Borreliose mit Antibiotika
Schätzungen zufolge sind in Deutschland drei bis 25 Prozent der Bürger von einer infizierten Zecke gebissen worden. Die dabei übertragenen Bakterien verursachen Lyme-Borreliose, die sich durch die typische Wanderröte zeigt. Betroffene haben häufig einen wachsenden roten Fleck mit unregelmäßiger Begrenzung. Eine Impfung ist im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) nicht möglich. Wird eine Borreliose nicht behandelt kann sie im weiteren Verlauf zu Entzündungen der Gelenke, des Herzens, der Nerven oder des Gehirns führen. „Deshalb ist es wichtig, gerade auch die Eltern kleiner Kinder nochmals darauf aufmerksam zu machen, die Kinder abends sorgfältig abzusuchen, eventuell Zecken umgehend zu entfernen und die Wunde zu desinfizieren“, rät Wilking. Mit den vermeintlichen Hausmittel wie Klebstoff oder Öl zum Ersticken der Zecke, sei hier jedoch nicht die gewünschte Wirkung zu erzielen. Auf diese Weise werde nur das Risiko einer Infektion erhöht, da die Tiere ihren Mageninhalt in die Einstichwunde entleeren und dadurch vermehrt Bakterien und Viren in den menschlichen Körper übertragen, erklärt Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin des ersten süddeutschen „Zecken-Kongress“.

Zecken sind widerstandsfähig
Um zu überleben brauchen Zecken eine hohe Luftfeuchtigkeit. Zudem sind ausreichend Wirtstiere für ihre Blutmahlzeit nötig, zu denen Igel, Füchse, Mäuse und andere Waldsäugetiere gehören, sowie bestimmte Temperaturen. Die Tiere können Frost bis zu minus 20 Grad überstehen. Ihre Aktivität nimmt jedoch erst ab fünf bis sechs Grad plus zu.

Zecken-Expertin Christine Klaus vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Jena erläutert, dass der Kontakt mit Menschen für Zecken in der Regel nicht vorteilhaft verlaufe. Aufgrund der mangelnden Luftfeuchtigkeit sterben sie rasch, wenn sie in die beheizte Wohnung des Menschen gelangen.

Wissenschaftler nehmen an, dass sich die Zecken in den der letzten Jahren Richtung Norden ausgebreitet haben. Tschechische Forscher entdeckten die Tiere in 1000 Metern Höhe. Ob dies den Schluss zulässt, dass die Zahl der Zecken insgesamt zugenommen hat, ist jedoch aufgrund fehlender Daten nicht eindeutig zu klären. (ag)