Botulismus: Bei dieser Vergiftung durch grünen Bohnen droht Lebensgefahr

Alfred Domke

Botulismus: Deutsches Ehepaar durch grüne Bohnen vergiftet

Ein deutsches Ehepaar hat sich durch den Verzehr selbst eingelegter grüner Bohnen schwer vergiftet. Die Patienten mussten aufgrund der lebensbedrohlichen Vergiftung Botulismus monatelang auf der Intensivstation verbringen.


Lebensbedrohliche Vergiftung nach dem Verzehr von grünen Bohnen

Im Universitätsklinikum Halle (Saale) musste ein deutsches Ehepaar monatelang behandelt werden, nachdem sie sich durch den Verzehr von selbst eingelegten grünen Bohnen eine schwere Vergiftung zugezogen haben. Laut einem Bericht im medizinischen Fachmagazin „Journal of Medical Case Reports“ hatte das Gemüse bei der 47-jährigen Frau und dem 51-jährigen Mann die lebensbedrohliche Vergiftung Botulismus ausgelöst.

Am Universitätsklinikum Halle (Saale) wurde ein Ehepaar monatelang behandelt, nachdem sie sich durch den Verzehr von selbst eingelegten Bohnen die lebensbedrohliche Vergiftung Botulismus zugezogen hatten. Bild: gitusik-fotolia

Am Universitätsklinikum Halle (Saale) wurde ein Ehepaar monatelang behandelt, nachdem sie sich durch den Verzehr von selbst eingelegten Bohnen die lebensbedrohliche Vergiftung Botulismus zugezogen hatten.

Lähmung der Gliedmaßen und der Atemmuskulatur

Wie die Mediziner um Dr. med. Dorothea Hellmich von der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Halle (Saale), berichten, wurde die Frau im Krankenhaus mit Symptomen wie Schwindel, Diplopie (Doppelbilder sehen), Sprechstörungen (Dysarthrie) und Ptosis (Hängen des Augenlides) aufgenommen.

Die Beschwerden hielten bereits seit rund acht Stunden an. Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zeigten normale Ergebnisse.

Ihre neurologischen Symptome verschlechterten sich jedoch schnell. Die Patientin konnte ihre Augen nicht mehr öffnen, Gliedmaßen und Atemmuskulatur waren gelähmt.

Den Angaben zufolge musste die Patientin rund 24 Stunden nach Aufnahme in der Klinik künstlich beatmet werden.

Der Ehemann der Frau kam einen Tag später mit ähnlichen Symptomen in das Krankenhaus.

Die Erkrankung der Eheleute wurde durch autonome Veränderungen wie Bluthochdruck, Fieber und einen lähmenden Darmverschluss verkompliziert.

Ärzte diagnostizierten Botulismus

Die Ärzte nahmen schnell an, dass hinter den Beschwerden Botulismus stecken könnte, vor allem als der Sohn des Paares mitteilte, dass seine Eltern zwei Tage vor der Krankenhauseinweisung Bohnen unbekannten Alters gegessen hatten.

Er selbst wollte nach eigenen Angaben aufgrund eines seltsamen Geruchs nichts davon essen.

Der Verdacht der Mediziner bestätigte sich. Sie stellten bei der Frau den Giftstoff Botulinumtoxin fest, der vom Bakterium Clostridium botulinum produziert wird.

Hohe Sterblichkeitsrate

Botulismus ist eine lebensbedrohliche Vergiftung, die laut Gesundheitsexperten unter anderem durch den Verzehr von verdorbenem Fleisch oder Fisch verursacht werden kann.

„Lebensmittelvergiftungen durch den Erreger Clostridium (Cl.) botulinum sind relativ selten. In Deutschland werden dem Robert Koch-Institut jährlich rund 20 Fälle gemeldet“, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Die Mediziner des Universitätsklinikums Halle (Saale) schreiben, es seien weniger als zehn Fälle pro Jahr.

„Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate ist der Botulismus trotzdem ein ernst zu nehmendes gesundheitliches und lebensmittelhygienisches Problem“, so das BfR, das in der Vergangenheit darauf hinwies, dass auch bei selbst hergestellten Kräuterölen Gesundheitsrisiken drohen, da „die Herstellungsverfahren im Privathaushalt nicht sicherstellen können, dass die Vermehrung von Clostridium (C.) botulinum und die Bildung von Botulinumtoxin in den Produkten generell unterbunden wird“.

„Botulismus muss in jedem Fall umgehend behandelt werden, da er ansonsten zum Tode führen kann“, schrieb das niedersächsische Landwirtschaftsministerium im vergangenen Jahr in einer Mitteilung, in der vor dem Konsum von Trockenfisch-Produkten gewarnt wurde.

Patienten mussten monatelang behandelt werden

Das Ehepaar in der Universitätsklinikum Halle (Saale) wurde schnell und sehr lange behandelt. Beide mussten mehrere Monate im Krankenhaus bleiben.

Der Mann wurde nach acht Monaten ohne neurologisches Defizit nach Hause entlassen, jedoch mit Beschwerden wie Schwächegefühl und Muskelschmerzen.

Die Frau konnte nach fünfeinhalb Monaten von der mechanischen Beatmung entwöhnt und nach elf Monaten aus dem Rehabilitationskrankenhaus entlassen werden.

„Die durch Botulismus verursachten neurologischen Symptome hatten sich vollständig aufgelöst. Sie fühlte sich jedoch immer noch schwach und blieb bei einer depressiven Anpassungsstörung“, so die Studienautoren. (ad)