BPA geht von Konservendosen auf Menschen über

Heilpraxisnet

BPA geht von Konservendosen auf den menschlichen Organismus über

24.11.2011

US-Forscher haben herausgefunden, dass die Chemikalie Bisphenol A (BPA) in deutlich höheren Konzentrationen als bislang angenommen aus Konservendosen auf die enthaltene Nahrung übergeht und beim Essen vom Menschen aufgenommen wird.

Wie die Wissenschaftler um Jenny Carwile von der Harvard School of Public Health (HSPH) in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) berichten, haben sie in einer bisher einzigartigen Studie herausgefunden, dass Personen die an fünf aufeinanderfolgenden Tagen Konservendosen-Suppen zu sich nahmen, einen massiven Anstieg des Bisphenol A-Spiegels im Urin aufwiesen.

Fünf Tage Ernährung aus der Konservendose lässt BPA-Konzentration stark steigen
Im Rahmen ihrer Untersuchung haben die Forscher um Jenny Carwile zwei Gruppen mit 75 freiwilligen Studienteilnehmern gebildet und ihnen über einen Zeitraum von fünf Tagen vegetarische Suppen serviert. Die ein Gruppe erhielt dabei rund 3,4 Kilogramm (12 Unzen) Konservendosen-Suppe am Tag, die Kontrollgruppe wurde mit der gleichen Menge frischer Suppe – ohne jegliche Zutaten aus Konservendosen – versorgt. Nach den ersten zwei Tagen wurde die Gruppe gewechselt, um die Ausgangsbelastungen zwischen den beiden Gruppen einigermaßen zu nivellieren. Wie die US-Forscher der Harvard School of Public Health berichten, wiesen die Studienteilnehmer unmittelbar nach der Dosenernährung einen erheblichen Anstieg des BPA-Gehalts im Urin auf. Insgesamt lag die BPA-Konzentration der Urinproben am vierten und fünften Tag der Studie bei den Probanden mit Konservendosen-Ernährung durchschnittlich bei 20,8 Mikrogramm pro Liter gegenüber 1,1 Mikrogramm bei der Kontrollgruppe. Allerdings wiesen die Forscher auch bei 58 Studienteilnehmern der Kontrollgruppe Bisphenol A im Urin nach. Die Konzentration erreichte jedoch nicht ansatzweise die Belastungen, die bei den Probanden mit Dosenernährung festgestellt wurden.

Hersteller sollten BPA in ihren Produkten vermeiden
Bei den Studienteilnehmern mit Konservendosen-Nahrung lag das Ausmaß des Anstiegs von BPA im Urin nach nur einer Portion Suppe unerwartet hoch, so die Aussage der US-Forscher. Dies könne für „Personen, die regelmäßig Lebensmittel aus Dosen konsumieren“, durchaus bedenklich sein, erklärten Jenni Carwile und Kollegen. Die im Rahmen der aktuellen Studie festgestellten erhöhten BPA-Konzentration unmittelbar nach dem Konservendosen-Essen waren nach Ansicht der Forscher extrem, doch möglicherweise seien dies nur vorübergehende Spitzen gewesen. So seien weitere Forschungsarbeiten notwendig, um die langfristige Auswirkung der von Konservendosen ausgehenden Erhöhungen der BPA-Konzentration im menschlichen Körper zu untersuchen. Die aktuellen Untersuchungen legen jedoch den Schluss nahe, dass „es für die Hersteller sinnvoll sein kann, die Beseitigung von BPA aus den Verkleidungen“ der Dosen zu prüfen, erklärte die Senior-Autorin der Studie, Karin Michels.

Massive Gesundheitsrisiken durch die Chemikalie Bisphenol A
Bisphenol A steht aufgrund der möglichen gesundheitlichen Folgen, seit längerem massiv in der Kritik und ist zum Beispiel in Babyflaschen und Schnullern seit März 2003 vom Gesetzgeber verboten. Seither weisen fast sämtliche Hersteller mit „BPA-free“-Aufklebern darauf hin, dass in ihren Schnullern und Babytrinkflaschen kein Bisphenol A mehr enthalten ist. In zahlreichen anderen Kunststoffprodukten wie Plastiktrinkflaschen, Kinderspielzeugen aber auch den Beschichtungen von Konservendosen wird BPA jedoch weiterhin eingesetzt. Als mögliche Gesundheitsrisiken, die von der Chemikalie ausgehen können, werden dabei ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Brust- und Prostatakrebs, Störungen des Hormonhaushalts und Erkrankungen der Eierstöcke genannt. Auch Entwicklungsbeeinträchtigungen – insbesondere des Gehirns – bei Kleinkindern gelten als mögliche Folge des BPA, ebenso wie Schädigungen des Erbguts, ein erhöhtes Diabetes-Risiko und negative Folgen auf den Schwangerschaftsverlauf. Außerdem zählen Erektionsprobleme und Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit laut Aussage der Experten zu den gesundheitliche Risiken des Bisphenol A. Dass die gefährliche Chemikalie immer noch bei der Produktion von Spielzeugen, Kassenbons, zahlreichen Alltagsgegenständen aber auch Verpackungen, die in Kontakt mir Lebensmitteln kommen, eingesetzt wird, scheint daher besonders kritisch. Auch der Einsatz von BPA bei der Beschichtung von Konservendosen mit Epoxidharzen sollte angesichts der aktuellen Untersuchungsergebnisse dringend eingestellt werden, zumal die Konserven durchaus auch ohne BPA ihren Zweck erfüllen. (fp)

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