Brustimplantat-Skandal: WHO schaltet sich ein

Fabian Peters

WHO Empfehlung zum Skandal um PIP-Brustimplantate

18.01.2012

Seit Wochen werden immer mehr schockierende Einzelheiten zum Skandal um die minderwertigen Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) bekannt. Nun hat sich erstmals auch die Weltgesundheitsorganion (WHO) zu den Risiken geäußert und Frauen, denen ein PIP-Implantat eingesetzt wurde, dazu geraten, bei Anzeichen auf Komplikationen dringend einen Arzt aufzusuchen.

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Weltweit wurden die Brustimplantate aus minderwertigem Silikon rund 300.000 Frauen eingesetzt. Allein in Deutschland tragen derzeit nach Einschätzung der Behörden circa 10.000 Frauen ein entsprechendes PIP-Implantat in ihrer Brust. Die nationalen Gesundheitsbehörden zeigen sich alarmiert und das französische Gesundheitsministerium hatte bereits im Dezember vergangenen Jahres die betroffenen Frauen dazu aufgefordert, sich die Brustimplantate aufgrund der drohenden Gesundheitsrisiken wieder entfernen zu lassen. Nun hat sich auch die Weltgesundheitsorganion eingeschaltet und in einer offiziellen Mitteilung erklärt, dass Frauen, denen PIP-Implantate eingesetzt wurden, dringend einen Arzt aufsuchen sollten, „wenn sie einen Riss vermuten, Schmerzen oder eine Entzündung verspüren oder sonstige Sorge haben.“

Zahlreiche Länder empfehlen eine Entfernung der PIP-Brustimplantate
Der französische Hersteller hatte für die Produktion der Brustimplantate minderwertiges Silikon-Gel eines deutschen Herstellers verwendet, das nicht für medizinische Zwecke geeignet ist. Die Folge waren vermehrte Risse der Silikonkissen im Körper der Frauen und schwerwiegende Entzündungen. Auch ein unter Umständen erhöhtes Krebsrisiko wird derzeit noch diskutiert. Weltweit haben daher laut Aussage der WHO mittlerweile 28 Länder den betroffenen Frauen empfohlen, sich ihre Brustimplantate wieder entfernen zu lasse oder sich zumindest einer medizinischen Untersuchung zu unterziehen.

Beschädigte Brustimplantate sofort entfernen
Rund 85 Prozent der PIP-Brustimplantate wurden von Frankreich aus exportiert und im Ausland eingesetzt. Angesichts der Vielzahl betroffener Frauen, sah sich nun auch die Weltgesundheitsorganion zum Eingreifen gezwungen und hat die oben dargestellte Empfehlung ausgesprochen. Ein sofortiges Entfernen der Implantate ist nach Ansicht der WHO jedoch nicht zwingend erforderlich. Der Zustand der Brustimplantate sollte vorerst im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung überprüft werden und nur im Falle einer Beschädigung beziehungsweise eines Risses ist nach Ansicht der Experten eine umgehende Operation zur Entfernung der Silikonkissen durchzuführen. Langfristig sollten die Betroffenen jedoch in jedem Fall über eine Entfernung der Implantate nachdenken, um sich keinen unnötigen gesundheitlichen Risiken auszusetzen. Denn nicht ohne Grund hat das französische Gesundheitsministerium allen Frauen, die ein PIP-Implantat in ihrem Körper tragen, empfohlen, sich dieses wieder entfernen zu lassen. In Frankreich werden die hierfür erforderlichen Operationen sogar von der Krankenkasse übernommen. (fp)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de