Brustkrebs: Schon eine geringe Strahlendosis ist effektiv

Alexander Stindt

Sind Nebenwirkungen bei der Brustkrebsbehandlung vermeidbar?

Wenn Frauen an Brustkrebs erkrankt sind, wird häufig eine sogenannte Strahlentherapie zur Behandlung eingesetzt. Solch eine Bestrahlung hat allerdings oftmals starke Nebenwirkungen. Forscher fanden jetzt heraus, dass unangenehme Nebenwirkungen vermieden werden können, wenn gezieltere Bestrahlungen oder niedrigere Strahlendosen verwendet werden, ohne den Behandlungserfolg zu gefährden.

  • Eine gezielte Bestrahlung betroffener Teilbereich der Brust kann effektiv wirken und Nebenwirkungen reduzieren.
  • Auch eine geringere Dosis der Bestrahlung kann Nebenwirkungen vermeiden und trotzdem effektiv wirken.
  • Weniger aggressive Behandlung der Brust reduziert die dauerhafte Entstellungen.

Die Wissenschaftler der Cambridge University und des Institute of Cancer Research in London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine gezielte Behandlung von Brustkrebs, mit einer geringeren Strahlendosis zu weniger Nebenwirkungen für die Patienten führt. Die Mediziner präsentierten die Ergebnisse ihrer Studie auf der diesjährigen European Breast Cancer Conference in Barcelona.

Wenn Brustkrebs bei Frauen festgestellt wird, raten Mediziner häufig zu einer Strahlentherapie. Diese Form der Behandlung kann allerdings zu starken Nebenwirkungen führen. (Bild: Tyler Olson/fotolia.com)

Diese zwei Behandlungsansätze sind erfolgsversprechend

Tausenden Brustkrebspatientinnen könnten die unangenehmen Nebenwirkungen einer Strahlentherapie erspart bleiben, wenn Mediziner eine gezieltere Behandlung mit niedrigeren Strahlendosen verwenden würden. Wenn nur der Tumor bestrahlt wird, und nicht die gesamte Brust der betroffenen Frau, bleibt die Wirksamkeit der Behandlung gegen Krebs erhalten, die Nebenwirkungen werden allerdings reduziert, erläutern die Experten. Es gab noch einen zweiten Ansatz zur Behandlung. Die ganze Brust wurde bestrahlt, allerdings mit einer niedrigeren Strahlendosis. Diese Form der Behandlung war genauso wirksam und reduzierte ebenfalls die Nebenwirkungen.

Welche Nebenwirkungen treten auf?

Die weniger aggressive Behandlung reduzierte nachweislich die auftretende dauerhafte Entstellung der Brüste. Einer der Hauptnebeneffekte der Strahlentherapie ist die allgemeine Veränderung des Brustbildes. Frauen berichten auch über Schmerzen, Verhärtungen des Gewebes, Empfindlichkeit und Flüssigkeitsansammlungen. Jede dieser Nebenwirkungen kann mit der gezielten oder niedrig dosierten Behandlung reduziert werden, erklären die Mediziner. Alleine in England erhalten mehr als 38.000 Frauen jedes Jahr eine Strahlentherapie gegen Brustkrebs. Das Verfahren wird nach chirurgischer Entfernung eines Tumors durchgeführt und soll alle verbleibenden Krebszellen ausmerzen.

1.200 Probanden wurden genau untersucht

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Behandlung mit einer niedrigeren Dosis und einer gezielteren Bestrahlung bei 1.200 Frauen in 41 britischen Krankenhäusern. Diese Frauen wurden für einen Zeitraum von fünf Jahren medizinisch überwacht. Die Experten fanden keinen Unterschied in den Raten von Krebsrezidiven bei den weniger aggressiven Ansätzen und die Patientinnen berichteten von signifikant geringeren Nebenwirkungen.

Strahlentherapie wird in Zukunft hoffentlich zu weniger Nebenwirkungen führen

Die Ergebnisse sind besonders wichtig für Frauen, welchen entweder eine Strahlentherapie der gesamten Brust oder eine Strahlentherapie von bestimmten Teilbereichen der Brust angeboten wird, erläutert Studienautor Dr. Indrani Bhattacharya vom Institute of Cancer Research in einer Pressemitteilung. Eine Strahlentherapie ist niemals angenehm, aber die Ergebnisse können dazu führen, dass weniger Patientinnen unter den traumatischen Nebenwirkungen der Bestrahlung leiden. (as)