Brustkrebs: Viele Patientinnen bräuchten keine Chemotherapie

Alfred Domke

Gentest kann vielen Brustkrebs-Patientinnen unnötige Chemotherapie ersparen

Brustkrebs wird in vielen Fällen mit einer Chemotherapie behandelt. Diese Behandlung bringt nicht nur erhebliche Nebenwirkungen mit sich, sondern ist häufig auch unnötig. Wissenschaftler aus den USA berichten nun, dass einem großen Teil der Brustkrebspatientinnen solche Therapien erspart werden könnten. Sie entwickelten einen Gentest, der schon im Vorhinein zeigen soll, welchen Frauen die Behandlung nützt.


Häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Allein in Deutschland werden jährlich bis zu 70.000 Neuerkrankungen gezählt. Viele Patientinnen müssen sich einer Chemotherapie mit belastenden Nebenwirkungen unterziehen. Doch schon seit langem wird von Gesundheitsexperten darauf hingewiesen, dass diese bei Brustkrebs nicht immer sinnvoll ist. Deutsche Fachleute berichteten vor kurzem über neue Gentests, die unnötige Chemotherapien bei Brustkrebs erübrigen sollen. Allerdings sind längst nicht alle Experten von deren Nutzen überzeugt. Aus den USA gibt es nun Meldungen über einen weiteren Gentest, der Krebspatientinnen eine Chemo ersparen soll.

Forscher aus den USA berichten über einen neuen Gentest, der schon im Vorhinein zeigen soll, welchen Brustkrebspatientinnen eine Chemotherapie nützt. Dadurch könnte die Behandlung, die oft mit heftigen Nebenwirkungen einhergeht, vielen Frauen erspart werden. (Bild: auremar/fotolia.com)

Vielen Brustkrebspatientinnen kann Chemotherapie erspart werden

Eine Chemotherapie geht meist mit heftigen Nebenwirkungen wie Haarausfall, Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen einher.

Wenn der Krebs jedoch im Frühstadium erkannt wird, kann auf die kräftezehrende Behandlung in vielen Fällen verzichtet werden.

Dies zeigt auch eine neue Studie aus den USA. Derzufolge brauchen Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium, die derzeit eine Chemotherapie nach den aktuellen Standards erhalten würden, diese Behandlung nicht.

„Wir können Tausende und Abertausende von Frauen davor bewahren, eine toxische Behandlung zu bekommen, die ihnen wirklich nicht nutzen würde“, sagte Studienautorin Dr. Ingrid A. Mayer vom Vanderbilt University Medical Center gegenüber der „New York Times“ (NYT).

Die Ergebnisse der Studie wurden Anfang Juni bei einem Treffen der „American Society of Clinical Oncology“ in Chicago (USA) vorgestellt und im Fachmagazin „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Hormonblockierendes Medikament

Laut NYT zeigte sich in der Studie, dass Gentests an Tumorproben in der Lage waren, Frauen zu identifizieren, die die Chemotherapie sicher überspringen und nur ein Medikament nehmen konnten, das das Hormon Östrogen blockiert oder den Körper daran hindert, es herzustellen.

Den Experten zufolge sind das hormonblockierende Medikament Tamoxifen und verwandte Arzneimittel für die meisten Frauen ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung geworden, weil sie das Risiko eines erneuten Auftretens neuer Brusttumore und des Todes durch die Krankheit senken.

„Ich denke, das ist ein sehr bedeutender Fortschritt“, sagte Dr. Larry Norton vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York. Er selbst ist kein Autor der Studie, aber das Krankenhaus in dem er arbeitet, war beteiligt.

„Ich werde den Leuten in die Augen sehen und sagen können: „Wir haben ihren Tumor analysiert, sie haben eine wirklich gute Prognose und sie brauchen eigentlich keine Chemotherapie.“ Das ist gut, wenn man das jemandem sagen kann.“

„Die Ergebnisse zeigen, dass wir uns nun bei etwa 70 Prozent der Patientinnen, die aufgrund klinischer Merkmale potenzielle Kandidatinnen für eine Chemotherapie wären, diese sparen können“, sagte Studienleiter Dr. Joseph A. Sparano vom Montefiore Medical Center in New York.

Allerdings fügten Dr. Sparano und Dr. Mayer eine Warnung hinzu: Die Daten zeigten auch, dass einige Frauen, die 50 Jahre oder jünger sind, von einer Chemotherapie profitieren könnten, auch wenn die Ergebnisse der Gentests eine andere Vermutung nahelegen.

Zwar sei nicht klar, warum das so ist, doch diese Frauen bräuchten eine besonders sorgfältige Beratung.

Zudem dürfe trotz aller Risiken, die eine Chemotherapie mit sich bringen kann, auch nicht vergessen werden, dass eine solche Behandlung in vielen Fällen Leben retten kann. (ad)