Brustkrebs-Vorbeugung durch Brustamputation?

Fabian Peters

Angelina Jolie: Brustkrebs vorbeugen durch prophylaktische Brustamputation?

15.05.2013

Die am Dienstag bekanntgewordene prophylaktische Brustamputation der Schauspielerin Angelina Jolie hat eine intensive Debatte darüber ausgelöst, ob und bei wem eine Entfernung der Brust zur Brustkrebsprävention sinnvoll ist. Die Schauspielerin hatte gestern erstmals öffentlich von ihrer Brustamputation berichtet. In einem Gentest sei bei ihr das Brustkrebs-Risikogen BRCA-1 entdeckt worden. Auch war die Mutter von Angelina Jolie im Alter von 56 Jahren an Eierstockkrebs gestorben, was für ein erhöhtes familiäres Risiko spricht.

Die 37-jährige Jolie berichtet, dass die Ärzte ihr Brustkrebsrisiko auf 87 Prozent und die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Eierstockkrebs auf 50 Prozent geschätzt hätten. Um das Krebsrisiko zu minimieren, habe sie sich daher zu einer Amputation der Brüste entschieden. Obwohl diese Entscheidung ihr sicher schwer fiel, dürften Jolie die deutlich verbesserten chirurgischen Möglichkeiten den Schritt ein wenig erleichtert haben. Denn heute ist eine Brustamputation äußerlich oft kaum wahrnehmbar. Durch die Operation habe sich ihr Brustkrebsrisiko laut Angaben der Ärzte auf rund fünf Prozent reduziert, so die Schauspielerin.

Brustamputation ohne äußerliche Veränderungen
Nach eine Brustamputation ( Mastektomie) können Implantate dazu beitragen, die ursprüngliche Form der Brust weitgehend zu erhalten und dank der verbesserten Eingriffsmöglichkeiten bleiben am Ende lediglich ein paar kleine Narben zurück, erläuterte Angelina Jolie. So werden die Betroffenen in ihrer Erscheinung kaum verändert und müssen anschließend nicht mit einem körperlichen Makel leben. Entsprechend ist die Entscheidung zu einer Brustamputation heute deutlich einfacher zu treffen, als noch vor wenigen Jahrzehnten. Auch sind die Gentests, welche eine Ermittlung der Risikogene ermöglichen, noch nicht so lange verfügbar. Eine präventive Brustamputation kam daher früher kaum in Frage. Die Entfernung der Brust war vielmehr als Behandlungsmaßnahme nach der Brustkrebsdiagnose vorgesehen.

Fragwürdige prophylaktische Brustamputation
Zwar besteht heute durchaus die Option, das genetisch bedingte Brustkrebsrisiko zu überprüfen, doch die anschließende Entscheidung zu einer prophylaktischen Brutamputation, aufgrund eines mittels Gentest abgeschätzten Risikopotenzials, ist weiterhin umstritten. Zumal eine intensive Überwachung der Risikopatienten (halbjährliche Kontrollen) und ein entsprechend frühzeitiges Einschreiten bei tatsächlichem Brustkrebsnachweis, hier durchaus ausreichend erscheinen. So hat auch die American Cancer Society (ACS) darauf hingewiesen, dass eine präventive Mastektomie nur bei sehr wenigen Frauen sinnvoll sei. Zudem werde mit dieser radikalen Maßnahme das Brustkrebsrisiko dennoch nicht gänzlich ausgeschlossen, da Reste des Brustgewebes im Körper zurückbleiben und zur Entwicklung eines Mammakarzinoms beitragen könnten. Die Betroffenen sollten demnach auch weiterhin regelmäßig an Früherkennungsprogrammen teilnehmen.

Gentests zur Abschätzung des Erkrankungsrisikos
Die Gentests sind mittlerweile ein vielfach eingesetztes Diagnoseverfahren, dass auch Hinweise auf bislang nicht ausgebrochene Erkrankungen liefern kann. So wird Frauen mit einem familiär hohen Brustkrebsrisiko (Großmutter, Mutter oder Geschwister an Brustkrebs erkrankt) die Durchführung eines entsprechenden Gentests empfohlen, um das individuelle Erkrankungsrisiko abschätzen zu können. Dies ist bei Angelina Jolie geschehen und die Mediziner kamen zu dem Ergebnis, dass die Schauspielerin mit rund 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs erkranken würde. Vergleichbare Gentests werden auch in Deutschland angeboten. Innerhalb von circa zehn Tagen kann in einem der 15 Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs eine entsprechende Untersuchung durchgeführt werden.

Gute Heilungschancen bei frühzeitiger Erkennung des Brustkrebs
Allerdings handelt es sich selbst bei Nachweis einzelner Risikogene immer um eine Abschätzung des Krebsrisikos. Ob die Patientinnen tatsächlich an Brustkrebs erkranken würden, bleibt offen. So scheinen die vielfach geäußerten Zweifel an der prophylaktischen Brustamputation zumindest teilweise durchaus berechtigt. Insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass die Behandlungsmöglichkeiten bei einer sehr frühzeitigen Diagnose des Brustkrebs durchaus gut stehen. Hier wird von einer rund 90-prozentigen Heilungschance ausgegangen. Um eine frühzeitige Entdeckung des Krebs zu gewährleisten, müssen die Betroffenen zwar regelmäßig an intensivierten Früherkennungsprogrammen teilnehmen, doch bleibt ihnen eine Brustamputation auf diesem Wege möglicherweise erspart. (fp)

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