Brustkrebsdiagnosen: Gewebeproben bald vermeidbar?

Bei spürbaren Knoten in der Brust ist häufig eine Biopsie erforderlich, um für Klarheit zu sorgen. In Zukunft hoffen Forscher hier mit Hilfe eines speziellen Ultraschallverfahrens zu einer sicheren Diagnose zu gelangen - ohne invasiven Eingriff. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)
Fabian Peters
Brustkrebs: Neues Diagnoseverfahren soll unnötige Gewebeproben vermeiden
Die Angst vor Brustkrebs begleitet viele Frauen und spürbare Knoten in der Brust sind für sie ein regelrechter Schock. Doch nicht immer muss in solchen Fällen tatsächlich Brustkrebs vorliegen. Klarheit verschaffen sich Mediziner heute in der Regel mittels der Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie). Im Fall einer negative Bewertung ein unnötiger invasiver Eingriff, der sich allerdings bislang nicht vermeiden lässt. Am Universitätsklinikum Heidelberg soll nun getestet werden, ob mit Hilfe eines speziellen Ultraschallverfahrens eine sicher Diagnose ohne Biopsie möglich ist.

In der internationalen Studie unter Federführung der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg wird das spezielle Ultraschallverfahren der sogenannten Elastographie in der Brustkrebs-Diagnostik getestet. Teilnehmen können laut Mitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg Frauen, bei denen eine Biopsie angeraten ist. Die Wissenschaftler hoffen mit der neuen Diagnosemethode künftig die unnötigen Biopsien gänzlich vermeiden zu können.

Bei spürbaren Knoten in der Brust ist häufig eine Biopsie erforderlich, um für Klarheit zu sorgen. In Zukunft hoffen Forscher hier mit Hilfe eines speziellen Ultraschallverfahrens zu einer sicheren Diagnose zu gelangen - ohne invasiven Eingriff. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)
Bei spürbaren Knoten in der Brust ist häufig eine Biopsie erforderlich, um für Klarheit zu sorgen. In Zukunft hoffen Forscher hier mit Hilfe eines speziellen Ultraschallverfahrens zu einer sicheren Diagnose zu gelangen – ohne invasiven Eingriff. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Gutartige Veränderungen von bösartigen unterscheiden
„Häufig werden bei Frauen im Rahmen der Mammographie oder einer Ultraschall-Untersuchung Knoten in der Brust entdeckt, die sich zunächst nicht eindeutig als gut- oder bösartig einstufen lassen“, berichtet das Universitätsklinikum Heidelberg. In diesen Fällen sei die Entnahme einer Gewebeprobe angezeigt. Die neue Studie soll nun testen, „wie gut sich die Gewebeauffälligkeiten mit einem speziellen Ultraschallverfahren, der sogenannten Elastographie, einschätzen lassen“, so das Uniklinikum weiter. Die Mediziner hoffen, in Zukunft gutartige Veränderungen auch ohne Biopsie sicher als solche zu erkennen und damit einem Großteil der Frauen eine unnötige invasive Diagnostik zu ersparen.

Studienteilnehmerinnen gesucht
An der Studie beteiligen sich Forscher aus Heidelberg und fünf weiteren deutschen Brustzentren sowie Kliniken in den USA, Japan, Frankreich, den Niederlanden und Portugal. „Insgesamt sollen 1.000 Frauen in die Studie eingeschlossen werden“, so die Mitteilung des Uniklinikums Heidelberg. Das High-end-Ultraschallgerät werde allen teilnehmenden Zentren für die Dauer der Studie von der Firma Siemens zur Verfügung gestellt. Teilnehmen können Frauen, die sich auf Anraten des behandelnden Arztes zur Abklärung eines unklaren Befundes in den Studienzentren eine Gewebeprobe entnehmen lassen wollen. Die Überweisung erfolgte dabei in der Regel durch den niedergelassenen Frauenarzt.

Zuverlässigkeit des neuen Verfahrens wird erprobt
Bei den teilnehmenden Frauen soll die Elastographie einmalig im Anschluss an die routinemäßige Ultraschall-Untersuchung vor der geplanten Biopsie durchgeführt werden. Die Untersuchung wird laut Aussage der Forscher rund zehn Minuten dauern und verursacht keine Schmerzen oder gesundheitliche Risiken. Anschließend sollen die Ergebnisse der Elastographie und Gewebeuntersuchung verglichen werden, um die Zuverlässigkeit und Aussagekraft des Ultraschallverfahrens zu überprüfen. Alle erhobenen Daten werden streng vertraulich behandelt und sind gegen unbefugten Zugriff gesichert, so die Heidelberger Uniklinik weiter.

Diagnostik soll entscheidend verbessert werden
Für die teilnehmenden Frauen besteht zwar kein persönlicher Gesundheitsnutzen, da bei ihnen die Biopsie auf jeden Fall durchgeführt wird, doch „durch ihre Bereitschaft zur Studienteilnahme tragen die Patientinnen mit dazu bei, die Brustdiagnostik zukünftig für Frauen in einer ähnlichen Situation entscheidend zu verbessern“, betont Studienleiter Privatdozent Dr. Michael Golatta, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Bisher werden bereits ergänzend zur Mammographie häufig im Rahmen der Vorsorge oder der Abklärung Ultraschall-Untersuchung durchgeführt. Anschließend erfolgt eine Einteilung der entdeckten Gewebeveränderungen mittels eines standardisierten Beurteilungssystems.

Bis zu 90 Prozen unnötige Gewebeproben
Demnach sind die Veränderungen in fünf Kategorien zu unterteilen, wobei die Kategorien 1 und 2 gutartige Veränderungen wie Zysten oder Kalkablagerungen beschreiben und die Kategorie 5 klar erkennbare bösartige Tumore bezeichnet, so die Uniklinik Heidelberg. Bei den Kategorien 3 und 4 sei eine Gewebeprobe zur weiteren Abklärung angeraten oder auch dringend empfohlen, weil zum Beispiel in der Kategorie 4a das Risiko, dass die entdeckte Gewebeveränderung bösartig ist, bis zu zehn Prozent beträgt. „Es wäre zu riskant, das nicht weiter zu untersuchen. Gleichzeitig bedeutet es für mindestens 90 Prozent der Frauen in dieser Kategorie eine unnötige Gewebeentnahme“, erläutert Dr. Golatta.

Mit Hilfe der Elastographie könnte hier auch der Verhärtungsgrad von Gewebe erfasst werden, der im Zusammenhang mit der Bösartigkeit einer Gewebeveränderung steht. „Tumorgewebe ist härter und damit auch weniger elastisch als das umgebende gesunde Gewebe“, berichtet das Universitätsklinikum Heidelberg. Um den hohen Prozentsatz unnötiger Biopsien zu reduzieren, „werden wir im Rahmen der multizentrischen Studie die Elastographie in der Brustkrebs-Diagnostik etablieren“, so das Fazit von Studienleiter Golatta. (fp)

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