Brustkrebsvorsorge: Statt Hormone viel Bewegung

Sebastian

Eine Hormonbehandlung lässt das Brustkrebsrisiko ansteigen. Statt zusätzlicher Hormone sollten sich Frauen in den Wechseljahren mehr bewegen.

21.01.2011

Bis zu 30 Prozent der Brustkrebsfälle könnten vermieden werden, wenn Patientinnen nach der Menopause keine lang andauernde Hormonersatztherapie unternehmen und stattdessen sich körperlich aktiv bewegen. Pflanzliche Extrakte können laut aktueller Forschungsstudien Beschwerden während der Wechseljahre mindern.

Mehr zum Thema:

Hormonbehandlung zur Linderung von Beschwerden während der Menopause
Die Hormonersatztherapie wird oft Frauen verschrieben, um die emotionalen und körperliche Belastungen der Menopause auszugleichen. Durch die Hormonbehandlung sollen Beschwerden durch eine sich verändernde endogene Hormonproduktion gelindert werden. Die einzigen Indikatoren, die aus medizinischer Sicht zu einer Hormontherapie führen sind postmenopausale Beschwerden wie Hitzewallungen oder eine Unterversorgung der Vaginalschleimhaut.

Mehr Bewegung, weniger Hormone
Wie Epidemiologen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg errechneten, könnten in bis zu 30 Prozent der Fällen eine Brustkrebserkrankung vermieden werden, wenn Frauen viel weniger ersatzweise Hormonpräparate zu sich nehmen und statt dessen sich mehr bewegen. An der Studie nahmen insgesamt 10.000 Frauen teil. Die Experten des Krebsforschungszentrums stellten fest, dass die Hormonersatztherapie der stärkste Risikofaktor für die Entstehung von Brustkrebs ist. In fast 20 Prozent der untersuchten Fällen von invasiven Brustkrebs nach den Wechseljahren lag eine Einnahme von hormonellen Arzneimitteln vor. Bei Patientinnen, die unter einem Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom litten, lag die Erkrankungsrate sogar bei rund 25 Prozent.

Mit Anstieg des Lebensalters bewegen sich Menschen anscheinend immer weniger. Durch die mangelnde Bewegung addiert sich allerdings auch das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Der Risikofaktor erhöht sich auf 38 Prozent, wenn beide Risikofaktoren aufeinander treffen. Gegenüber der „Ärzte-Zeitung“ sagte die Krebsforscherin Professor Jenny Chang-Claude vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dass das Risiko steigt, um so länger die Hormonpräparate eingenommen werden. Bereits eine Einnahmedauer von zwei Jahren zeige einen deutlichen Anstieg des Brustkrebsrisikos. Chang-Claude hatte gemeinsam mit der Dozentin Karen Steindorf und Prof. Dieter Flesch-Janys vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die Krebsforschungsstudie durchgeführt.

Hormonbehandlung kein Lifestyle-Produkt
Angesichts der Ergebnisse warnt das Forscherteam vor einer leichtfertigen Einnahme der Präparate. Nutzen und Risiken einer Hormonbehandlung müssten genau miteinander abgewogen werden. Die Hormonersatztherapie sollte nur bei vorliegenden Symptomen eingenommen werden. Auch sollte möglichst von einer längeren Einnahmedauer Abstand genommen werden. In keinem Fall sollte die Hormonersatztherapie als ein „Lifestyle-Medikamente betrachtet werden" mahnte die Forscherin Chang-Claude.

Erhöhtes Brustkrebsrisiko schon seit längerer Zeit bekannt
Die Erkenntnisse der Studie sind allerdings keineswegs neu. Schon seit längerer Zeit konnten Forschungsarbeiten Nachweise erbringen, dass eine dauerhafte Hormonersatztherapie das Risiko erhöht, an unterschiedlichen Krebsarten zu erkranken. Im Sommer 2003 erregte die „One-Million-Women-Studie“ für weltweites Aufsehen. Die Studie beobachtete über einen längeren Zeitraum rund 1 Million Frauen. Dabei wurde festgestellt, dass Frauen die eine länger anhaltende Hormonbehandlung in Anspruch nahmen, auch häufiger an Brustkrebs litten. Seit dem wird die Therapieform immer wieder kontrovers diskutiert. Befürworter gaben an, die Hormonersatztherapie könne sogar das Risiko von Demenz mindern, da durch die Therapie die Durchblutung angeregt wird. Wissenschaftliche Studien brachten allerdings gänzlich andere Ergebnisse zu Tage und sprachen gar von einem leichten Anstieg des Risikos. Besonders in den Vereinigten Staaten wird die Hormontherapie mittlerweile als Lifestyle-Medikament von den Pharmazierherstellern vermarktet. Den Frauen wird suggeriert, dass durch die Einnahme der Präparate beispielsweise die Haut im Alter straffer bleibt. Obwohl dieser angebliche Effekt bereits wissenschaftlich widerlegt ist, wird weiterhin mit diesem Argument für eine Hormontherapie in den Wechseljahren geworben.

Übergewicht und Alkoholkonsum haben nur einen leichten Einfluss
Um das Brustkrebsrisiko zu senken, empfehlen daher die Krebsforscher sich regelmäßig und aktiv körperlich zu bewegen. Die Studienergebnisse belegten, dass neben der Hormonbehandlung auch eine mangelnde Bewegung das Krebsrisiko ansteigen lässt. Alkoholkonsum und Übergewicht zeigten indes nur einen geringen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Minderung von Übergewicht und Alkoholkonsum zu vernachlässigen sei, wie die DKFZ-Forscherin betonte. Chang-Claude vermutet, dass das Übergewicht bei Frauen in Deutschland eine nicht so erhebliche Rolle spielt, als in den USA. In den Staaten seien die Frauen bedeutend übergewichtiger, als hierzulande. Wer sich viel bewegt, kann also ruhig ein paar Pfunde mehr auf die Waage bringen. Die Hauptsache ist, sich aktiv zu bewegen.

Naturheilkunde in den Wechseljahren
Die Naturheilkunde kennt eine ganze Reihe von pflanzlichen Mitteln, die keine Östrogene enthalten. So haben Forschungen ergeben, dass zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden Extrakte aus dem Extrakt "Cimicifuga" zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Die Wirkung ethanolischer Cimicifuga-Extrakte basiert auf deren Einfluss auf die Nervenbotenstoffe Serotonin und Dopamin. Die Forscherin Dr. med. Dana Seidlová-Wuttke der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe der Universität Göttingen konnte in einem Versuchsaufbau feststellen, dass die pflanzlichen Extrakte Begleiterscheinungen der Wechseljahre mindern. Zudem zeigte sich in einem Experiment, dass Cimicifuga-Extrakte einen positiven Einfluss auf die Knochen ausübt und daher dem gefürchteten Knochenschwund (Osteoporose) entgegenwirkt. (sb)