Bubble Tea: Süßes und ungesundes Kultgetränk

Sebastian

Süßer Perlentee kann die Gesundheit gefährden

23.06.2012

In allen größeren Städten Deutschlands eröffnen beinahe an jeder Ecke neue Bubble Tea Shops. Das Kultgetränk kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehr gut an. Verschiedene Ketten vergeben Lizenzen, weshalb ein regelrechter Boom ausgebrochen ist. Auch die Fastfood-Kette „McDonalds“ ist auf den Zug aufgesprungen und bietet das zuckersüße Getränk in verschiedenen Sorten an. Doch Ernährungsexperten warnen: Der Blasentee enthält viele künstliche Inhaltsstoffe und viel zu viel Zucker. Von einem gesunden Teegetränk kann „hier in keinem Fall gesprochen werden“, so Gesundheitsbehörden.

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Immer mehr Bubble Tea Shops in Deutschland
Der asiatische Blasentee ist seit einigen Monaten auch in Deutschland angekommen. An jeder Ecke schießen neue Bars aus dem Boden. Teilweise stehen Kinder und Jugendliche Schlange, um das begehrte Getränk mit den knallig-bunten Blasen zu ergattern. Doch Bubble Tea ist heute längst kein Tee mehr, sondern ein Zuckergetränk mit oftmals zahlreichen Geschmacks- und Konservierungsstoffen.

Lo Ming ist Verkäuferin des bunten Bubble Tea Geschäfts in der Innenstadt von Hannover. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann den Shop vor vier Monaten eröffnet. Seit dem laufe der Umsatz besser, als anfangs gedacht. Ärgerlich sei nur, dass in der näheren Umgebung gleich drei weitere Bubble Tea Bars entstanden sind. „Das hat sich in den letzten zwei Wochen stark bemerkbar gemacht“, sagt sie. Auf der pinken Tafel können Kunden ihr Getränk auswählen. Diese heißen zum Beispiel „Schwarze Perlen“, „Tropischer Regen“ oder „Liebeszauber“. Hinter den vielversprechenden Namen verbergen sich Getränke aus Sirup, grünem oder schwarzen Tee-Imitaten, Milch oder Joghurt. Dazu kommen bunte stärkehaltige Perlen, die im Inneren einen extrem süßen Fruchtsirup verbergen. Beim Trinken werden die Perlen mit einem dicken Strohhalm eingesogen. Im Mund zerplatzen die kleinen Kugeln. Ming vermutet, dass eben jene Perlen dafür verantwortlich sind, dass viele Kinder und Jugendliche jedes Eis dafür stehen lassen würden, wenn sie stattdessen einen Bubble Tea trinken könnten. „70 Prozent unserer Kunden sind unter 18 Jahre“, sagt die Verkäuferin. Aber auch immer mehr Erwachsene würden den Perlen-Getränken erliegen sein.

Vor 25 Jahren noch ein natürliches Teegetränk
In Taiwan wurde Bubble Tea vor 25 Jahren das erste Mal in einer kleinen Bar ausgeschenkt. Nur wenige Jahre später begann der Siegeszug des Kultgetränks. Damals bestand das Perlen-Getränk aus einem Gemisch aus grünen und schwarzem Tee. Die Blasen wurden aus Stärke der Maispflanze geformt. „In Deutschland gibt es Bubble Tea“ erst seit einem halben Jahr“ sagt Ming. In Hannover gäbe es mittlerweile über 20 knallig-bunte Shops. Als sie und ihr Mann den Laden eröffneten, waren sie mit drei Anbieter fast das Ersten.

Lizenzgebühren von rund 30.000 Euro
In Deutschland wird der Markt von verschiedenen Ketten aufgeteilt. Diese heißen beispielsweise „Mr. Bubble“, „Bobog“ oder „Tea One“. Bobog hat seit der Ersteröffnung in Berlin mittlerweile über 80 Zweigstellen in ganz Deutschland eröffnet und gehört mit zu den Marktführern. Nach eigenen Angaben würde das Unternehmen weiter expandieren. „Ständig werden es mehr“ heißt es in einer Stellungnahme der Firma. Genaue Umsatzzahlen gibt das Unternehmen nicht preis. Auch die Lizenzgebühren und Rezepturen werden stets wie ein Geheimnis gehütet. Laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ koste so eine Franchise-Lizenz zwischen geschätzten 20- bis 30.000 Euro. Dafür verbleibe der Umsatz bei den Geschäften.

Die Konkurrenz schläft nicht: Der Konzernriese in Sachen Fastfood, McDonalds, bietet seit dem 11.Juli diesen Jahres ebenfalls Bubble Tea in seinen rund 780 Filialen an. „Wir denken, dass Bubble Tea vornehmlich junge Erwachsene und Teenager ansprechen wird, sind aber sicher, dass auch ältere Gäste das neuartige Produkt ausprobieren und daran Gefallen finden“, sagte ein Sprecher der Kette. Ming sagt, das seien aber „keine originalen Bubble Teas“. Dennoch werde es dadurch sicher nicht leichter sich weiterhin auf dem Markt zu behaupten.

Marktforscher sehen in dem neuen Kultgetränk keinen langfristigen Erfolg. Zwar werde der „Hype noch kurze Zeit weiter anhalten“, jedoch liege es daran, dass das Getränk „neuartig in seiner Zusammensetzung, Geschmack und Konsistenz“ ist. Auch der Preis sei mit durchschnittlichen drei Euro recht hoch. Einen „Breitentrend“ kann zum Beispiel Marktforscher Thomas Ebenfeld von der Agentur „concept m“ nicht erkennen.

Einige Shops bieten Bio an
Nach anhaltender Kritik seitens der Gesundheitsbehörden setzen einige Bubble Tea Bars auf „Bio“. So arbeite der Lieferant „Boba time“ nur mit gemahlenem Tee und verzichte auf künstliche Zusätze. „Das Angebot ist groß, aber unterschiedlich“, sagt auch Ming. Viele Läden setzen auf genannten Vertrieb, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Die Zutaten seien „geschmackvoller und ohne Chemie“.

Weichmacher und allergene Stoffe
Kürzlich warnte die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen Konsumenten mit Überempfindlichkeiten oder Allergien. Denn die meisten Perlen-Getränke enthalten künstliche Konservierungs- und Farbstoffe. Zudem hegen die Verbraucherschützer den Verdacht, dass auch gesundheitsgefährdende Weichmacher-Stoffe in den Getränkebechern enthalten sind. Oft beinhalten asiatische Becher und Sirupflaschen Phthalsäureester, die in den menschlichen Hormonhaushalt negativ eingreifen. So haben zahlreiche wissenschaftliche Studien ermittelt, dass Weichmacher im Verdacht stehen, Krebs zu begünstigen und Unfruchtbarkeit zu fördern.

Kleinkinder könnten sich verschlucken
Kinder- und Jugendärzte warnten kürzlich vor schweren gesundheitlichen Folgen für Kleinkinder. „Werden die Perlen im Ganzen verschluckt, kann starker Husten einsetzen“, sagt Dr. Jochen Müller. Dann sollten kleine Kinder sofort in ein Krankenhaus verbracht werden, da sich die Kugeln festsetzen könnten. Gelangen sie im Anschluss über die Luftröhre in die Lunge, sei es in einigen Fällen bereits zu einer Lungenentzündung und im schlimmsten Fall zum Lungenkollaps gekommen. Daher sollten Kinder unter fünf Jahren möglichst nur unter Aufsicht oder am Besten überhaupt keinen Bubble Tea trinken, so der Mediziner.

Bubble Tea gehört zu den Dickmachern
Ebenso kritisch ist der hohe Zuckergehalt in den knalligen Getränken. Laut Verbraucherschützern enthalten nur 0,2 Liter rund 500 Kalorien. Das ist in etwa ein Drittel des Tagesbedarfs eines Kindes. Somit enthält Bubble Tea etwa drei mal soviel Kilokalorien wie handelsübliche Cola. Weil aber Getränke kein Sättigungsempfinden produzieren, ist bei häufigen Konsum mit Übergewicht zu rechnen. Somit ist auch das Risiko für weitere Erkrankungen wie Diabetes deutlich erhöht. (sb)