Bubble Tea: Warnung vor der Verschluckungsgefahr

Sebastian

Verschluckungsgefahr bei Bubble Tea: Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner plant Warnhinweise aufgrund von Gesundheitsgefahren

03.08.2012

Beinahe an jeder Ecke größerer Städte in Deutschland eröffnen sogenannte „Bubble Tea“ Bars. Seite einigen Monaten werden die fruchtigen Modegetränke aus Fernost jedoch mit heftiger Kritik übersät. Können die Getränke eine Gesundheitsgefahr für die vorzugsweise jungen Konsumenten bedeuten? Die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert daher sichtbare Warnhinweise an den Getränken aufgrund der Verschluckungsgefahr. Der Opposition gehen die Hinweise nicht weit genug. Zusätzlich sollten Hinweise auf Inhaltsstoffe und Kalorien der Bubble Teas angebracht werden.

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Lungenentzündung durch Verschlucken der Perlen
Einen ersten Anstoß der Debatte hatte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) forciert. Die Ärzte warnten in einer Mitteilung vor dem Verschlucken der bunten Kügelchen in den Modegetränken. „Verschlucken Kleinkinder die Kugeln, kann eine Lungenentzündung und im schlimmsten Fall ein Lungenkollaps folgen“, warnten die Mediziner Anfang März diesen Jahres. Der Position schloss sich nunmehr das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an. Eine Prüfung habe ergeben, dass die süßen Kügelchen im Teegetränk „in die Atemwege von Kleinkindern gelangen können“. Weil die Gesundheit von Kindern im hohen Maße gefährdet sein kann, fordert nunmehr das Bundesverbraucherministerium entsprechende Warnhinweise beim Verkauf von Bubble Tea.

Anbieter sollen Warnhinweise anbringen
Um eine zügige Umsetzung in die Wege zu leiten, sollen „Verbände sowie die Lebensmittelüberwachung Anbieter von Bubble Tea dazu auffordern, auf die Gefahren aufmerksam zu machen“, wie ein Sprecher des Ministeriums mitteilte. Dies solle möglichst mit einheitlichen Warnhinweisen geschehen. Weiter teilte der Ministeriumssprecher mit, dass das Bundesrisikoinstitut bei seiner Überprüfung zu dem Ergebnis gelangt sei, dass derlei Warnschilder erforderlich sind, um auf die Gefahren des Verschluckens der Perlen aufmerksam zu machen.

Der Vorsitzende des Ernährungsausschusses des Deutschen Bundestages und FDP-Ernährungsexperte Hans-Michael Goldmann verlangte ebenfalls eine klar erkennbare Kennzeichnung des bunten Tees. "Ich fordere eindeutige Warnhinweise", so der Politiker am Donnerstag in Berlin.

Bunte Kugeln wie Kaugummi
Weil die Kügelchen Konsistenz besitzen, die einem Kaugummi ähneln, könnten vor allem Kleinkinder die Perlen nicht zerbeißen, wie der Vorsitzende des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolfram Hartmann, erklärte. Kleine Kinder, die die Kugeln mit einem dicken Strohhalm aufsaugen, könnten sich sehr leicht daran verschlucken. Gelangen diese über die Bronchien in die Lunge, könnten die Perlen eine Lungenentzündung auslösen.

Lo Ming, Verkäuferin von Bubble Tea in Berlin, befindet die Debatte „übertrieben“. Seit dem sie ihren Laden betreibt, habe sie noch kein Kind erlebt, dass sich ernsthaft verschluckt hätte. In der Tat wurden dem Verbraucherministerium „keine Komplikationen gemeldet, die durch Bubble Tea verursacht wurden“. Weder in Deutschland noch im Ausland gebe es entsprechende Meldungen hierüber, wie der Sprecher ausdrücklich betonte.

Selbe Vorsichtsmaßnahmen wie bei Erdnüssen und Gummibärchen
Dennoch sollten Eltern von Kindern bis zum vierten Lebensjahr die selben Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, die auch für den Verzehr von Erdnüssen, Weintrauben oder Gummibärchen gelten. "Wegen der Gefahr des Verschluckens beziehungsweise des Einatmens sollten Eltern von Kleinkindern hier besonders aufmerksam sein", erklärte der Verbraucherministeriumssprecher.

Umsetzung nicht weitreichend genug
Die Bundestagsfraktion der Grünen halten der Verbraucherministerin Aigner vor, auch beim Thema „Bubble Tea“ erst wieder auf Druck der Opposition ins Handeln zu kommen. Erst vor kurzer Zeit habe die Partei eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestartet. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn (Grüne) sagte, „die angekündigten Warnhinweise sind das eine“, ihre Partei fordere aber darüberhinausgehende und ebenso leicht zugängliche Informationen über den Nährstoff- und Kaloriengehalt. Schließlich würden viele Sorten der Perlentees „doppelt so viel Zucker wie Cola" enthalten und seien demnach wahre Dickmacher. "Die Verbraucher müssen erkennen können, um was für eine Kalorienbombe es sich bei dem Getränk handelt." Auch der Ernährungsexperte der FDP verlangte deutliche Hinweise in Bezug „auf den Koffein- und Zuckergehalt“. Die Stiftung Warentest hatte bei einer Untersuchung ermittelt, dass ein einziger Becher des Teegetränks bis zu 30 Würfelzuckerstücke enthalten kann, wie Goldmann erklärte.

Bubble Tea heute kein Naturgetränk mehr
Vor rund 27 Jahren wurde Bubble Tea erstmals in Taiwan ausgeschenkt. War das Getränk zu damaliger Zeit noch ein Naturprodukt aus schwarzem, grünem oder Olong Tee, ist heutzutage hiervon kaum etwas übrig geblieben. Die Perlen bestanden aus der Stärkemehl der Maniok-Wurzel und wurden mit Ahornsirup 30 Minuten gekocht. Ein weiterer Bestandteil sind die sogenannten „Popping Bobas“. Diese enthalten Fruchtsirups in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, die beim Kauen im Mund zerplatzen und für ein fruchtiges Geschmackserlebnis sorgen.

Als Bubble Tea seinen Siegeszug auch außerhalb von Asien antrat, blieb von der ursprünglichen Mixtur kaum noch etwas übrig. Einem Hersteller zufolge, enthalten die Getränke heute stark gesüßten grünen oder schwarzen Tee, der mit Milch und Fruchtsirup gemixt und wie ein Milchshake zubereitet wird. Hinzugekommen sind vielfach künstliche Farb-, Konservierungs- und Aromastoffe. Der Ernährungsforscher Sven-David Müller erklärte, das Hauptproblem sei der stark gesüßte Sirup. Dieser decke die „Tagesration an Kalorien um ein Drittel“. Von dem ehemaligen Naturgetränk ist „kaum noch etwas übrig geblieben.“ Mit der Bezeichnung „Tea“ würden die Verbraucher in die „Irre geleitet werden“, weil suggeriert werde, es handele sich um ein Teemixgetränk. Zudem hatte die Stiftung ermittelt, dass die Getränke kein natürliches Teegetränk mehr seien, sondern ein „künstlicher Softdrink mit synthetischen Farbstoffen und Aromen“.

Starker Umsatz durch Perlentees
Allein von Januar bis April 2012 haben die Verkäufer des Bubble Teas nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft GfK etwa 4,4 Millionen Euro Umsatz erzielt. Marktforscher gehen allerdings davon aus, dass der Trend nur einige Jahre andauern wird, weil die Geschmacksrichtungen heute „noch relativ neu sind“. Ist die erste Welle vorüber, werde sich die Anzahl der Anbieter wieder stark reduzieren. "Weil der Tee neu ist, ist der Ansturm noch groß", erklären Marktforscher. Ein paar Jahre später ist das neue dann wieder "alt". (sb)