Bundesfinanzminister Schäuble warnt vor illegalen Arzneimitteln

(Bild: Andrzej Tokarski/fotolia.com)
Alfred Domke
Finanzminister warnt: Gefälschte Arzneimittel können Gesundheit gefährden
Bei den Bundesbürgern wird es immer beliebter, Medikamente online zu bestellen. Doch vor allem bei Arzneimitteln aus dem Netz drohen Gefahren. Der Zoll hat im vergangenen Jahr rund vier Millionen gefälschte Tabletten aus dem Verkehr gezogen.

Deutsche bestellen immer mehr Medikamente online
Zwar zeigte eine Umfrage vor kurzem, dass Deutsche beim Schutz vor gefälschten Arzneimitteln auf die Apotheke um die Ecke vertrauen, doch bekannt ist auch, dass immer mehr Deutsche Medikamente online bestellen. Im Netz findet sich fast alles, was schlank, schön oder stark macht. Dort kann man schnell per Mausklick – ganz diskret – bestellen. Allerdings wird schon seit langem gewarnt, dass vor allem bei Online-Bestellungen viele Risiken für Verbraucher drohen: Viele Präparate sind Fälschungen von illegalen Anbietern.

Vor allem Deutsche bestellen Medikamente immer öfter online und lassen dabei jede Vorsicht missen. Und das obwohl der Zoll Millionen gefälschte Arzneien sichergestellt hat. (Bild: Andrzej Tokarski/fotolia.com)
Vor allem Deutsche bestellen Medikamente immer öfter online und lassen dabei jede Vorsicht missen. Und das obwohl der Zoll Millionen gefälschte Arzneien sichergestellt hat. (Bild: Andrzej Tokarski/fotolia.com)

Illegaler Handel mit gefälschten Arzneien boomt
Seien es Potenzmittel, Schlankmacher oder Anabolika: Der illegale Handel mit gefälschten Arzneimitteln boomt. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, sind es im internationalen Vergleich ausgerechnet die Bundesbürger, die nach Erkenntnissen des deutschen Zolls illegale Internet-Angebote besonders intensiv nutzen und jede Vorsicht missen lassen. Laut der Zollstatistik für 2015 zogen Fahnder im vergangenen Jahr deutlich mehr illegale und gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr als in den Vorjahren. Dem Bericht zufolge seien 2015 rund 3,9 Millionen Stück Tabletten sichergestellt worden – annähernd viermal mehr als im Jahr 2014.

Wirkstoffe und Fertigprodukte aus Asien
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte in der dpa-Meldung: „Ich empfehle jedem, Medikamente online nur aus nachweislich seriösen Quellen zu kaufen.“ Experten hatten in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass seriöse Online-Apotheken Medikamente nur gegen Rezept verkaufen, wenn diese verschreibungspflichtig sind. Die vermeintliche Schnäppchenjägerei könne erhebliche Folgen für die Gesundheit haben. Wie der Politiker erläuterte, würden zunehmend größere kriminelle Strukturen und Verteilerbanden aufgedeckt. Gegenüber 2014 sei die Zahl der Personen, gegen die der Zoll ermittelt habe, von 3.100 auf 4.100 gestiegen. Nach Angaben des Zolls kommt der überwiegende Teil der Wirkstoffe und Fertigprodukte aus China, vieles aber auch aus Indien und Thailand.

Besonders beliebt sind Lifestyle-Produkte
Wie es heißt, lockten im illegalen Medikamentenhandel vierstellige Gewinnmargen: Ein lukratives Geschäft. Hier könne demnach mehr Geld gemacht werden als im Handel mit Betäubungsmitteln und Drogen. Lifestyle-Produkte seien besonders beliebt. Den Zoll-Experten zufolge seien die Internetseiten illegaler Online-Apotheken professionell gestaltet, um Seriosität vorzutäuschen. Nach Erkenntnissen der Experten lassen die deutschen Verbraucher ausgerechnet bei Online-Bestellungen von Arzneimitteln jede Vorsicht missen. Einer britischen Studie zufolge liege Deutschland bei der Risikofreudigkeit von Internet-Bestellungen „erstaunlicherweise“ auf Platz eins. Demnach seien 38 Prozent der Deutschen bereit, risikobehaftete Produkte im Internet zu bestellen.

„Sie zu belügen und zu betrügen“
Umso unverständlicher ist das Ergebnis, da ja gerade verschreibungspflichtige Medikamente überwiegend von den Krankenkassen bezahlt würden. Doch auch bei angeblichen Arzneimitteln auf Pflanzenbasis werde bei gefälschten Produkten Verbrauchern häufig etwas vorgegaukelt. Wie es in der Agenturmeldung weiter heißt, seien „Peinlichkeitsbestellungen“ etwa des Potenzmittels Viagra unnötig, weil diese Produkte ohnehin ganz legal bezogen werden könnten. Die Zollexperten kritisieren zudem, dass bei Bestellungen oft nicht mal das Impressum von Online-Apotheken gelesen werde. So seien bei einer von Ermittlern für genehmigte Tests eingerichteten Fake-Adresse einer Internet-Apotheke 1.400 Bestellungen eingegangen. Und das, obwohl im Impressum dieses Online-Angebots ausdrücklich auf Folgendes hingewiesen worden sei: „Diese Apotheke wurde nur geschaffen, Sie zu belügen und zu betrügen…“ (ad)

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