Bundesweite Aktionen für den Atomausstieg geplant

Sebastian

Bundesweite Aktionen für den Atomausstieg in ganz Deutschland geplant

13.03.2011

Im Zusammenhang der dramatischen Ereignisse in Japan rufen zahlreiche Initiativen in Deutschland dazu auf, am kommenden Montag in allen größeren Städten der Republik Mahnwachen abzuhalten, um für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie zu demonstrieren.

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Nach dem schweren Erdbeben in Japan schließen die japanischen Behörden nicht mehr aus, dass es in den beiden Atomreaktoren der Atomanlage Fukushima I und III zu einer Kernschmelze gekommen ist. Der Kabinettschef Yukio Edano ließ am heutigen Sonntag verlautbaren, dass es auch in dem beschädigten Block III zur einer ähnlichen Wasserstoff-Explosion kommen könnte, wie zuvor am Samstag im Block I. Die Behörden schätzen, dass bislang mindestens 160 Menschen radioaktiv verseucht wurden. In einem Radius von derzeit 20 Kilometern mussten alle Einwohner ihre Häuser verlassen und sich in Notunterkünfte begeben. Für ein weiteres benachbartes AKW wurde ebenfalls eine Schutzzone von insgesamt 10 Kilometern eingerichtet. Auch hier werden die Menschen derzeit evakuiert.

Die japanische Regierung spricht nun selbst von einem nie dagewesenen Atomaren Notstand und der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein Atomexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace betonte, im Vergleich zu Tschernobyl sei das Dramatische in Fukushima, dass es gleich mehrere Vorfälle von Kernschmelzen gebe. Zudem liege die japanische Hauptstadt nur rund 250 Kilometer vom atomaren Unglücksort entfernt. In der Umgebung von Fukushima ist die Bevölkerungsdichte 20 Mal höher als 1986 in der Region Tschernobyl. Insgesamt 200.000 Menschen werden derzeit evakuiert. Nach Meinung des Strahlenbiologen Edmund Lengfelder vom Otto-Hug-Strahleninstitut in München könnten die Folgen des atomaren Unfalls in Japan noch schlimmer werden, als vor 25 Jahren in Tschernobyl. Zwar seien die Abläufe recht unterschiedlich, aber Japan ist viel dichter besiedelt, so dass die gesundheitlichen Folgen für die Menschen wesentlich dramatischer sein könnten. "Ich gehe davon aus, dass es schlimmer wird als in Tschernobyl", so der Experte.

Unter dem Motto „Fukushima ist überall – Atomausstieg jetzt!“ rufen nun verschiedene Initiativen wie „Ausgestrahlt“ oder „Greenpeace“ dazu auf, aktiv Mahnwachen abzuhalten. In dem Aufruf heißt es: „In großer Betroffenheit über die Ereignisse in Japan und mit dem festen Willen, gemeinsam dafür zu streiten, dass die Atomkraftwerke in der Bundesrepublik endlich stillgelegt werden, rufen wir dazu auf, am Montag, 14. März, von 18 Uhr bis 18.30 Uhr in möglichst vielen Orten auf zentralen Plätzen zu Mahnwachen zusammenzukommen.“

Bereits für den heutigen Tag werden in größeren Städten spontane Versammlungen und Demonstrationen erwartet. Um genau zu erfahren, an welchen Plätzen und Orten und die Kundgebungen stattfinden, bietet die Website „Ausgestrahlt“ eine umfassende Übersicht. Auf einer Deutschlandkarte sind alle Orte aufgezeichnet. (sb)