Bundesweite Aktionswoche gegen Alkoholmissbrauch

Fabian Peters
Experten sind besorgt: Deutsche trinken zu viel Alkohol
Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland haben Alkoholprobleme. Etwa 1,3 Millionen von ihnen gelten als alkoholabhängig. Mit einer bundesweiten Aktionswoche wollen Experten auf die gesundheitlichen Risiken durch Alkoholmissbrauch hinweisen. Aber auch auf die Gefahren, die sich für andere ergeben können.

Regelmäßiger Alkoholkonsum gefährdet die Gesundheit
Laut Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) haben in Deutschland rund 9,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren Alkoholprobleme, sie trinken also Alkohol in gesundheitlich bedenklichen Mengen. Etwa 1,3 Millionen von ihnen gelten als alkoholabhängig. Seit langem ist bekannt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für zahlreiche Krankheiten erhöht. So kann er unter anderem zu Leberschädigungen wie Fettleber, Fettstoffwechselstörungen, Osteoporose, Schädigungen des Gehirns oder Herzmuskel- und Krebserkrankungen wie Darmkrebs, Leberkrebs oder Speiseröhrenkrebs führen oder diese begünstigen. Mit einer bundesweiten Aktionswoche wollen Experten auf die Gefahren des Alkoholkonsums aufmerksam machen.

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Aktionswoche soll auf die Probleme der Alkoholsucht aufmerksam machen. (Bild: iko/fotolia.com)

„Konsum von Alkohol überdenken“
Die Präventionskampagne unter dem Motto: „Alkohol? Weniger ist besser!“ findet vom 13. bis 21. Juni statt. Tausende Mitglieder von Selbsthilfegruppen, Fachleute von Beratungsstellen, Fachkliniken und aus der Suchtprävention, Ärzte, Apotheker und Menschen, die in Vereinen und in Kirchen aktiv sind, wenden sich dabei mit zahlreichen Aktionen an die Öffentlichkeit. Seit 2007 wird die Aktionswoche alle zwei Jahre von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen organisiert. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, erklärte ein Sprecher: „Es geht dabei nicht nur um Kinder und Jugendliche und nicht nur um Sucht, sondern es geht darum, dass alle ihren Konsum von Alkohol überdenken.“ Allerdings hatten Experten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) erst kürzlich darauf hingewiesen, dass es vielen Betroffenen gar nicht bewusst ist, dass sie zu viel trinken. Daher sind Angehörige und Freunde angehalten, die Alkoholprobleme anderer zu thematisieren und ihnen Hilfe anzubieten

Mehr familienorientierte Beratungskonzepte gefordert
Zum Auftakt der Aktionswoche berichtet die dpa auch über Zahlen aus verschiedenen Bundesländern. So haben nach Schätzungen der Landesstelle für Suchtfragen in Baden-Württemberg mindestens 40.000 Kinder zumindest einen alkoholkranken Vater oder eine alkoholkranke Mutter. Sie fordern mehr familienorientierte Beratungskonzepte für Menschen mit Alkoholproblemen sowie mehr Geld vom Land für die Suchtberatungsstellen. „Kinder aus alkoholbelasteten Familien brauchen alle erdenkliche Unterstützung“, so der Vorsitzende Hans Joachim Abstein. „Damit können wir den Kreislauf von Suchtentwicklungen am besten durchbrechen.“ Im Jahr 2013 wurden nach Angaben des Statistischen Landesamtes insgesamt 42.803 Menschen in Baden-Württemberg wegen Folgen von Alkoholkonsum im Krankenhaus behandelt. Zehn Jahre zuvor waren es noch 35.133 gewesen. „Es sind keine Einzelfälle, keine Ausreißer“, sagte Harald Müller, Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse, die sich ebenfalls bei der Aktionswoche Alkohol engagiert.

Kinder suchtkranker Eltern werden öfter selbst süchtig
„Wir dürfen Kinder aus suchtbelasteten Familien nicht alleinlassen“, so Ministerin Katrin Altpeter (SPD). „Sie sind besonders gefährdet, später selbst suchtkrank zu werden.“ Nach Angaben der Landesstelle ist das Risiko von Kindern suchtkranker Eltern selbst süchtig zu werden sieben Mal höher als bei gleichaltrigen Kindern aus Familien ohne Suchtproblem. Von der Landesstelle wurde kritisiert, dass die Beratungs- und Behandlungskonzepte zu stark auf den „Problemtrinker“ ausgerichtet seien. Dörte Peter von der Landesstelle Thüringen erklärte, Ziel der aktuellen Kampagne sei es nicht nur, die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit in den Blick zu nehmen, sondern auch die Gefahren für andere. So registrierte allein die Polizei in Thüringen im vergangenen Jahr 770 Unfälle, bei denen der Fahrer getrunken hatte, bevor er sich ans Steuer setzte. 349 dieser Unfälle endeten mit Verletzten.(ad)