Bundgesgesundheitsministerium startet Forschungsprojekte zu Kaiserschnitten

Ein Kaiserschnitt sollte eigentlich nur durchgeführt werden, wenn Gefahr für die Gesundheit von Mutter oder Kind besteht. Es gibt aber anscheinend viel zu viele Geburten durch einen Kaiserschnitt. Aus diesem Grund vergab das Bundesgesundheitsministerium jetzt vier Forschungsprojekte zu diesem Thema. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)
Alexander Stindt
Mediziner sollen Leitfaden für Entscheidungshilfe bei Kaiserschnitten erstellen
Bei einem sogenannten Kaiserschnitt wird der Fötus auf operativem Wege aus der Gebärmutter geholt. Über den insgesamt starken Anstieg von Kaiserschnitten wird schon länger von Experten diskutiert. Jetzt vergab das Bundesministerium für Gesundheit vier Forschungsprojekte zum Thema Kaiserschnitte. Die erzielten Ergebnisse sollen als wissenschaftlich begründete Entscheidungshilfen für Mediziner genutzt werden.

Zu der Entscheidung des Bundesministeriums für Gesundheit, vier Forschungsprojekte zum Thema Kaiserschnitte zu vergeben, berichtet Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in einer Pressemitteilung: Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff. Dieser bringt sowohl für die Mutter als auch für das Kind gesundheitliche Risiken mit sich. Deshalb sollten Kaiserschnitte nur dann vorgenommen werden, wenn sie medizinisch auch wirklich notwendig sind. Die inzwischen hohe Kaiserschnittrate in Deutschland und natürlich auch in vielen anderen Staaten werfe Fragen auf.

Ein Kaiserschnitt sollte eigentlich nur durchgeführt werden, wenn Gefahr für die Gesundheit von Mutter oder Kind besteht. Es gibt aber anscheinend viel zu viele Geburten durch einen Kaiserschnitt. Aus diesem Grund vergab das Bundesgesundheitsministerium jetzt vier Forschungsprojekte zu diesem Thema. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)
Ein Kaiserschnitt sollte eigentlich nur durchgeführt werden, wenn Gefahr für die Gesundheit von Mutter oder Kind besteht. Es gibt aber anscheinend viel zu viele Geburten durch einen Kaiserschnitt. Aus diesem Grund vergab das Bundesgesundheitsministerium jetzt vier Forschungsprojekte zu diesem Thema. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)

Gibt es wirklich eine medizinische Notwendigkeit für all die Kaiserschnitte? Eine Frage die in vielen Fällen vermutlich mit „Nein“ zu beantworten ist. Wichtig sei daher, dass die medizinischen Fachgesellschaften und Experten eine Art Leitfaden erarbeiten, der in Zukunft eine wissenschaftliche Grundlage bei der Entscheidung für einen Kaiserschnitt bietet, so Gröhe. Die vier Forschungsprojekte im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums sollen jetzt dazu beitragen, dass Schwangere besser und umfangreicher über Kaiserschnitte und damit verbundene Gefahren informiert werden. Sowohl schwangere Frauen als auch deren Ärzte, sollten ihre Entscheidung zum Schutz von Mutter und Kind grundsätzlich nur auf Grund einer guten wissenschaftlichen Grundlage treffen, erläutert Gröhe.

Die vier Themenbereiche des Forschungsprojektes:
Die vier Forschungsprojekte hatten insgesamt ein Auftragsvolumen von 150.000 Euro. Sie sollen sich mit den wichtigsten Versorgungsfragen in vier verschiedenen Themenbereichen befassen:

1. Der Beratung von schwangeren Frauen
2. Dem geplanten Zeitpunkt eines Kaiserschnitts
3. Maßnahmen die ergriffen werden können zur Begegnung von Gefahren beim Kaiserschnitt
4. Der Zustand der Frau nach ihrem Kaiserschnitt

Experten wollen sogenannte interdisziplinäre S3-Leitlinie Kaiserschnitte erstellen
Die Auftragnehmer der vier Forschungsprojekte sind das Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Universität Witten-Herdecke und auch das Institut Cochrane Deutschland in Freiburg. Die gewonnenen Ergebnisse der Forschungsprojekte sollen dann in die sogenannte „interdisziplinäre S3-Leitlinie Kaiserschnitte“ einfließen. Diese wird zum jetzigen Zeitpunkt von den dafür zuständigen Fachgesellschaften erarbeitet, erläutern das Bundesgesundheitsministerium in der Pressemitteilung.

Fast jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt
Obwohl es einige kritische Ansichten zu Kaiserschnitten gibt, kommt mittlerweile fast jedes dritte Kind in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Doch Experten wollen wieder zurück zur natürlichen Geburt, Kaiserschnitte sollten die Ausnahme darstellen. Wenn sich also die Frage stellt: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt, sollten sich Frauen möglichst für den natürlichen Weg entscheiden.

Folgen von Komplikationen bei vaginalen Geburten manchmal schwerwiegend
Viele Frauen wählen einen Kaiserschnitt, weil sie Angst vor den Schmerzen einer natürlichen Geburt haben, berichten Mediziner. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, bei denen auf eine natürliche Geburt verzichtet werden sollte. Zum Beispiel wenn Komplikationen beim Geburtsvorgang zu erwarten sind. Die Folgen von massiven Komplikationen bei vaginalen Geburten können für Mutter und vor allem für das Kind schwerwiegend sein. Beim Kaiserschnitt passieren solche Zwischenfälle dagegen sehr selten.

Viele Kaiserschnitte werden als Not-Operation abgerechnet
Die Gründe für einen Kaiserschnitt sind vielfältig: Wenn das Baby in der Beckenlage liegt oder zu groß für das mütterliche Becken ist, sollte durchaus ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, erläutern Experten. Aber anscheinend empfehlen Ärzte zu oft eine Operation, statt eines natürlichen Geburtsvorgangs. Ein weiterer Grund für die Zunahme von Kaiserschnitten könnte vielleicht das Abrechnungssystem von Kliniken sein. Im Jahr 2009 wurde bekannt, dass Krankenhäuser für Not-Kaiserschnitte mehr abrechnen können, als für einen geplanten Kaiserschnitt. Seit dem scheinen Krankenhäuser in Deutschland ihre Kaiserschnitt-Geburten immer häufiger als teure Notfall-OP abzurechnen. (as)

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