Gelber, Roter, Farbloser, Dunkler Urin: Was kann die Urinfarbe über unsere Gesundheit aussagen?

Alfred Domke

Hell oder dunkel: Was die Farbe unseres Urins aussagt

Ein erwachsener Mensch scheidet normalerweise im Durchschnitt etwa eineinhalb bis zwei Liter Urin pro Tag aus. Die Farbe der Ausscheidung variiert: mal ist sie sehr hell, mal eher dunkel. Zwar muss man sich noch keine große Sorgen machen, wenn der Urin eine kräftige gelbe Farbe hat, doch dies kann ein Hinweis darauf sein, dass man nicht viel genug trinkt. Bestimmte Veränderungen der flüssigen Ausscheidungen sollten jedoch zeitnah von einem Urologen abgeklärt werden.


Bei manchen Veränderungen unbedingt zum Arzt

Wohl jeder hat beim Arzt schon mal eine Urinprobe abgeben müssen. Harnuntersuchungen stellen schließlich eine unverzichtbare Methode in der medizinischen Diagnostik dar, um Krankheiten nachzuweisen oder deren Verlauf zu beobachten. Anhand der Beschaffenheit des Urins lassen sich aber auch schon für Laien mögliche gesundheitliche Störungen erkennen. Denn Geruch, Farbe und Menge des Urins geben oft erste Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt. Manche Veränderungen sollten unbedingt bei einem Arzt abgeklärt werden.

Wohl jeder hat schon mal beim Arzt eine Urinprobe abgegeben. Der Harn kann Auskunft über bestimmte Krankheiten geben. Auch Laien können anhand der Farbe des Urins erkennen, wenn etwas nicht stimmt. (Bild: Gerhard Seybert/fotolia.com)

Harn riecht normalerweise unauffällig

Im Normalfall riecht der Harn beim Wasserlassen unauffällig. Übelriechender Urin kann auf verschiedene Krankheiten wie Harnwegsinfekte oder Diabetes hinweisen.

Wenn es fischig „duftet“, sind oft Bakterien der Auslöser, die vor allem bei Frauen zu Scheidenentzündungen führen.

Häufig riecht er aber nur vorübergehend streng, zum Beispiel nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel wie Spargel.

Flüssigkeitszufuhr spielt eine große Rolle

Die Farbe ist oft wesentlich aussagekräftiger. Normalerweise ist Urin klar und leicht gelblich bzw. bernsteinfarben, wobei die Farbe durch im Urin vorkommende Stoffwechselprodukte (Urochrome) entsteht.

Dementsprechend entscheidet auch das Aufkommen der Urochrome über die Ausprägung der Gelbfärbung, die von einem intensiven gelb (hypotoner Urin) bis zu farblos bzw. durchsichtig ganz unterschiedlich ausfallen kann.

Ganz wesentlich ist hier auch die Flüssigkeitszufuhr: „Dunkler Harn ist dann vorhanden, wenn wenig getrunken oder der Harn die Nacht über in der Blase behalten wird“, erklärt Karl Dorfinger, Urologe und Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen, in einem Bericht der Zeitung „Standard“.

Dies kommt daher, dass der Körper versucht, über die Nieren Flüssigkeit zurückzuhalten. „Generell gilt die Faustregel: So viel trinken, dass es dreimal am Tag zu einer ordentlichen Blasenentleerung von jeweils 500 Millilitern Harn kommt“, so der Mediziner.

Mindestens eineinhalb Liter pro Tag ausscheiden

Auch andere Gesundheitsexperten empfehlen, pro Tag mindestens so viel zu trinken, dass 1,5 Liter Urin über die Harnwege ausgeschieden werden. Auf diese Weise werden die Nieren und die ableitenden Harnwege gut gespült. Ideal ist ein möglichst heller Urin.

Wenn man jedoch sehr wenig und sehr dunklen Urin ausscheidet, kann dies möglicherweise auf eine Störung der Nieren oder Leber hindeuten.

Rot eingefärbter Urin kann unter anderem durch verzehrte Nahrungsmittel entstehen: „Das kommt etwa nach dem Genuss von Roten Rüben vor“, erklärt Dorfinger im „Standard“-Artikel.

Auch andere Farbtöne wie neongelb, pink oder grünlich können unter anderem durch eine vermehrte Aufnahme von Vitamin B, beispielsweise nach dem Genuss von Blaubeeren oder durch bestimmte Bakterien entstehen. Meist sind solche Verfärbungen unbedenklich.

Blut im Urin

Wenn der Urin jedoch trüb ist oder Partikel darin schwimmen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Trüber und flockiger Urin zeigt oft einen Harnwegsinfekt an.

Rötliche Harnausscheidungen sprechen für Blut im Urin und damit gegebenenfalls für Nieren- oder Harnleitersteine oder andere, schwerwiegendere Erkrankungen der ableitenden Harnwege.

„Blasenentzündungen sind die häufigste Ursache für Blut im Urin“, erklärt Dr. Reinhold Schaefer, Urologe und Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein in einer Mitteilung.

Aber: „Tritt Blut im Urin auf, ohne dass es Anzeichen für Blasen- oder Nierenentzündungen gibt, sollte das Vorliegen von Blasenkrebs ausgeschlossen werden“, so der Experte.

Orangefarbene bis braune Eintrübung kann unter anderem auf eine Erkrankung der Gallenblase oder der Leber hinweisen.

Auch schaumiger Urin oder auf dem Harn schwimmende Fettaugen können hinweise auf Probleme mit den Nieren sein.

Ärztliche Untersuchung statt Eigendiagnose

Zwar ist es sinnvoll, seine Ausscheidungen zu beobachten, doch Eigendiagnosen sind „immer unter Vorbehalt zu sehen“, so Dr. Schaefer.

Schließlich können „rötliche Verfärbungen und andere Veränderungen auch nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel oder der Einnahme einiger Medikamente auftreten.“

Auch Urin-Selbsttests aus der Apotheke bringen laut Fachleuten meist wenig, da sie aufgrund einer hohen Fehlerquote und falscher Anwendung oft unnötige Sorgen auslösten.

Um sich Sicherheit zu verschaffen und den Ursachen auf den Grund zu gehen, empfiehlt sich daher der Gang zum Urologen.

Dies gilt auch bei Schmerzen, Fieber, Übelkeit und Unwohlsein in Verbindung mit Auffälligkeiten im Urin.

Manche Mediziner empfehlen auch ohne Beschwerden einmal jährlich einen Urin-Test zu machen, um mögliche Auffälligkeiten wie zum Beispiel erhöhte Blutzuckerwerte frühzeitig zu erkennen. (ad)