Charité-Studie: Ältere nutzen die Naturheilkunde

Fabian Peters

Komplementärmedizin findet in der älteren Generation viel Zuspruch

10.04.2014

Ansätze der Komplementärmedizin sind bei Seniorinnen und Senioren in Deutschland äußerst beliebt, so das Ergebnis einer aktuellen, von der „Carstens-Stiftung: Fördergemeinschaft Natur und Medizin“ unterstützten, Querschnittsstudie der Berliner Charité. In der älteren Generation würden viele die Hausmittel noch aus ihrer Kindheit kennen und ihnen daher bis heute vertrauen, berichtet die „Carstens-Stiftung“. Erstmals liefere die aktuelle Erhebung für Deutschland umfassende Daten zum Einsatz der Komplementärmedizin bei Seniorinnen und Senioren.

Den Angaben der Stiftung zufolge, hat „die Komplementärmedizin eine lange Tradition in Deutschland“, bislang sei jedoch nicht umfassend erhoben worden, wie stark und in welcher Form die Komplementärmedizin und Naturheilkunde tatsächlich zu Anwendung kommen. Mit Fördermitteln der „Carstens-Stiftung“ hat die Berliner Charité diese Lücke nun zumindest teilweise geschlossen. Mehr als 800 Erwachsene im Alter ab 70 Jahren aus Berlin und Brandenburg wurden im Rahmen einer Querschnittstudie zu dem Einsatz komplementärmedizinischer Methoden und Mittel befragt. Das Ergebnis zeigt, wie beliebt die Naturheilkunde bei den Seniorinnen und Senioren tatsächlich ist. Allerdings vertrauten sie in den meisten Fällen nicht ausschließlich auf die alternativen Behandlungsmethoden, sondern nutzten diese als Ergänzung zur konventionelle Therapie.

Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneien besonders beliebt
Laut Mitteilung der „Carstens-Stiftung“ haben die Dipl.-Med.–Pädagogin Katharina Schnabel und ihre Kollegen der Charité für die Studie Senioren in unterschiedlichsten Lebensumständen befragt, um ein möglichst breites gesellschaftliches Spektrum abzudecken. So seien neben selbstständig, alleine lebenden Senioren, auch „Nutzer von häuslicher Pflege sowie Bewohner in Pflegeheimen“ kontaktiert worden. „Abgefragt wurde die Nutzung aller natürlichen Produkte und Verfahren, die mit medizinischer Zielsetzung eingenommen wurden, von pflanzlichen Arzneimitteln bis hin zu Tees und Säften“, berichtet die Stiftung weiter. Insgesamt hätten fast zwei Drittel der Senioren (61,3 Prozent) eine Form der Komplementärmedizin genutzt, wobei an erster Stelle Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralien standen (35,5 Prozent nutzen diese). Auch pflanzliche Arzneimittel (33,3 Prozent) und äußerliche Anwendungen (26,8 Prozent) erfreuten sich einer relativ hohen Beliebtheit. Von den Anwendern hätten 58,7 Prozent von einem positiven Effekt der Komplementärmedizin berichtet. Dennoch würden „die meisten Senioren (64,9 Prozent) eine Kombination aus komplementärer und konventioneller Medizin“ bevorzugen, so die Mitteilung der Stiftung.

Drohende Wechselwirkungen mit konventionellen Medikamenten
Die hohe Beliebtheit der komplementärmedizinischen Mittel hat allerdings auch eine Schattenseiten, denn es können theoretisch Wechselwirkungen mit anderen Arzneien auftreten und viele Senioren (58,7 Prozent) informieren ihren Arzt nicht über die selbstständig angewendete Komplementärmedizin. Zudem wisse „mehr als die Hälfte der Anwender (57,9 Prozent) nicht, ob und welche Wechselwirkungen die Mittel mit konventionellen Arzneien verursachen könnten“, berichtet die „Carstens-Stiftung“. Hier sieht Dr. Michael Teut aus dem Forscherteam vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité „ein Problem, denn ein Erwachsener im Alter von 70 Jahren bekommt bereits bis zu fünf verschiedene konventionelle Medikamente vom Arzt verschrieben.“ Dem Mediziner zufolge sind dabei „Wechselwirkungen mit natürlichen Mitteln möglich.“ So würden die aktuellen Studienergebnisse auch zeigen, „wie dringend der Schulterschluss zwischen konventioneller und komplementärer Medizin erfolgen muss.“ Beispielsweise könnte „eine flächendeckende Erstattung komplementärmedizinischer Mittel und Verfahren in der GKV dieses Problem entschärfen“, erläutert die „Carstens-Stiftung“. Denn so würde die Inanspruchnahme der alternativen Mittel in die Statistiken einfließen und wäre für Hausärzte besser einsehbar. (fp)

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