Chemie-Unfall von Studenten löst Großeinsatz aus

Fabian Peters

Studenten und Professor ins Krankenhaus eingeliefert

20.07.2011

In Hamburg hat der Chemie-Unfall von Studenten an der Technischen Universität (TU) Harburg Reste einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Gefäße des hochgiftigen Lösungsmittels Acetonitril sind während eines Experiments zerbrochen. Durch den Kontakt mit dem Lösungsmittel und das Einatmen der Dämpfe traten bei fünf Studenten und einem Professor erhebliche gesundheitliche Beschwerden auf, so dass eine Krankenhauseinlieferung erforderlich wurde, erklärte ein Sprecher der Rettungskräfte.

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Die Feuerwehr rückte mit 50 Beamten am Dienstagabend auf dem Gelände der TU Harburg Reste an, um das freigesetzte, äußerst giftiges Lösungsmittel unschädlich zu machen. Fünf Stunden zuvor waren bei einem Experiment mehrere Gefäße mit Acetonitril auf den Boden gefallen und zerbrochen, erläuterte Feuerwehr-Sprecher Hendrik Frese gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“. Beim Aufwischen der austretenden Flüssigkeit seien die Studenten und der Professor offenbar in direkten Kontakt mit dem hochgiftigen Lösungsmittel gekommen, wodurch nach einiger Zeit erhebliche gesundheitliche Beschwerden verursacht wurden. Die „fünf Studenten und der Professor, der für das Experiment zuständig war, liegen zur Beobachtung auf der Intensivstation im Krankenhaus“, so die Aussage des Feuerwehrsprechers.

Krankenhauseinlieferungen wegen freigesetztem Lösungsmittel
Gegen Mittag experimentierten die Studenten und der Professor an der TU Harburg Reste mit dem gefährlichen Lösungsmittel, als ihnen mehrere Gefäße zu Boden fielen und das Acetonitril freigesetzt wurde. Die austretende Flüssigkeit wurde offenbar relativ sorglos einfach aufgewischt, so die Erklärung des Feuerwehr-Sprechers. Da die Studenten und ihr Professor anschließend unter massiven gesundheitlichen Beschwerden litten, wendeten sie sich an die Giftnotrufzentrale. Für die Feuerwehr folgte am Dienstagabend ein Großeinsatz an der TU zur Beseitigung des hochgiftigen Acetonitrils. Ausgestattet mit Chemikalienschutzanzügen sicherten die Feuerwehrmänner während der Reinigung und Lüftung bis zwei Uhr Nachts die kontaminierten Räume. Die fünf Studenten und der Professor wurden derweil in der die Intensivstation im Krankenhaus eingeliefert, berichtet der Feuerwehrsprecher Hendrik Frese. Aufgrund der drohenden Langzeitwirkungen bei Kontakt mit dem Lösungsmittel Acetonitril sollen die Patienten noch eine Weile zur Beobachtung in der Klinik bleiben, so die Aussage des Sprechers der Rettungskräfte.

Schwere gesundheitliche Schäden durch Acetonitril
Das Lösungsmittel Acetonitril hat eine ätzende Wirkung und verursacht bei Kontakt ähnliche Vergiftungserscheinungen wie Blausäure. Acetonitril kann seine toxische Wirkung sowohl beim Einatmen der Dämpfe, als auch beim Verschlucken der Flüssigkeit und beim Hautkontakt entfalten. Vor allem das Risiko einer Aufnahme über die Haut (perkutan) wird dabei nach Aussage der Experten relativ häufig unterschätzt. Im Körper wirkt das Lösungsmittel wie ein Blutgift (Hämotoxin). Das Blutbildungssystem wird derart beeinflusst, dass die Transport- und Stoffwechselfunktion beeinträchtigt werden und Schädigung des Blutkreislaufs bis hin zum Kreislaufkollaps folgen können. Wie Blausäure blockiert das Lösungsmittel Acetonitrilin die Sauerstoff-Bindungsstelle in der Atmungskette der Körperzellen, wodurch die Zellatmung und damit die Verwertung von Sauerstoff zur Energiegewinnung zum Erliegen kommt. Als typisches Symptom wird in der Fachliteratur zum Beispiel die hellrote Verfärbung der Haut genannt, da das venöse Blut aufgrund der blockierten Sauerstoffverwertung immer noch relativ viel Sauerstoff enthält und somit hellrot erscheint. Mögliche Anzeichen einer Vergiftung durch das Lösungsmittel Acetonitril können außerdem Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Übelkeit und Erbrechen sein. Bei schwerwiegenden Acetonitril-Vergiftungen wie möglicherweise bei den Studenten und dem Professor drohen darüber hinaus Atemstillstände, Bewusstlosigkeit und schlimmstenfalls ein vollständiger Herzstillstand. (fp)

Bildnachweis: Dieter Schütz / pixelio.de