Chemikalie Bisphenol-A auf Kassenbons gefunden

Sebastian

Chemikalie "Bisphenol-A" wurde auf Kassenbons in Supermärkten gefunden. Bisphenol-A steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und den Hormonhaushalt des Menschen negativ zu beeinflussen.

(22.06.2010) Bisphenol-A ist eine sogenannte "Alltagschemikalie" und wird in zahlreiche Verpackungen und Produkten als sog. Weichmacher eingesetzt. Erst kürzlich mahnte das Bundesumweltamt, alternative Stoffe anstatt "Bisphenol-A" zu verwenden. Bislang hat die Industrie nichts dazu bewogen, andere Stoffe zu verwenden, schließlich blieb ein Verbot aus. Bisphenol A (BPA) wirkt ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen und steht im Verdacht die Entwicklung von Kindern negativ zu beeinflussen. Zudem soll die Chemikalie Krebs verursachend sein.

Eine Recherche des TV Senders WDR fand heraus, dass Kassenzettel von den Supermärkten Aldi, Edeka, Lidl, Real und Kaiser’s Tengelmann bis zu 1,5 Prozent Bisphenol A enthalten. Die Chemikalie befindet sich auf der "thermosensiblen" Oberfläche des Kassenbons. Andere Unternehmen wie Rewe verzichten allerdings auf BPA und haben schon vor einem Jahr auf Bisphenol-A freie Kassenzettel umgestellt. Somit zeigt sich, dass der Einsatz dieser Chemikalie völlig unnötig ist. Die Frage ist, warum andere Unternehmen nicht ebenfalls auf Bisphenol-A freie Kassenzettel umsatteln, obwohl die Risiken doch längst bekannt sein sollten.

Mehr zum Thema:

"Kassierer und Verbraucher kommen in direkten Kontakt mit der Chemikalie", so Manfred Krautter von "EcoAid" gegenüber der "Welt". EcoAid ist ein auf Produktsicherheit spezialisierten Unternehmen. Zudem sei der Innenraum mit der Chemikalie sehr wahrscheinlich hoch belastet, da in Supermärkten in nur sehr kurzen Zeitabfolgen Kassenzettel ausgedruckt werden.

Bisphenol A (BPA) lässt sich nicht nur auf Kassenzetteln wieder finden. Die Chemikalie wird auch in Kinderspielzeug, Babyflaschen, Konserven und Plastik-Geschirr verwendet. Länder wie Frankreich und Kanada haben längst reagiert und haben Bisphenol A zu mindestens für den Einsatz bei Kinderspielzeug verboten.

Verschiedene Studien haben bereits heraus gefunden, dass Bisphenol A sehr wohl in den menschlichen Organismus gelangen kann. So fand beispielsweise der BUND heraus, dass über den menschlichen Speichel Bisphenol A in den Körper gelangt. Bei einer Studie nuckelte ein Kind etwa eine Stunde lang an einem Bisphenol A-Nuckel und nahm 10 Mikrogramm der Chemikalie auf.

Doch warum ist die Chemikalie so gefährlich? Bisphenol A wirkt im menschlichen Organismus ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen. Forscher und Umweltschützer vermuten weitreichende Folgen bei der Fortpflanzung der Menschen. So wird unter anderem vermutet, dass Mädchen aufgrund von BPA immer früher Geschlechtsreif werden. Zudem habe die Spermien-Qualität bei Männern in den letzten 50 Jahren rapide abgenommen.

Die europäische Organisation "Women in Europe for a Common Future" verweist zudem darauf, dass Bisphenol A das Hormonsystem schon in minimalen Dosen beeinträchtigen und Krankheiten wie Krebs, Fruchtbarkeits- oder Entwicklungsstörungen auslösen kann. Bisphenol A ist nach wie vor nicht deklarationspflichtig. Verbraucher können demnach nicht erkennen, ob diese Chemikalie in dem Produkt enthalten ist. Es gibt zwar Grenzwerte für den Einsatz dieser Chemikalie, doch die gesetzten Grenzwerte verhindern eben nicht die Auswirkungen dieser Chemikalie auf den Menschen. Vor allem dann nicht, wenn Menschen permanent mit der gefährlichen Chemikalie in Verbindung kommen. (sb)