Modeartikel von Tierpelzen enthalten Krebsstoffe

Fabian Peters

Chemikalien-Belastung in Pelzprodukten

Zahlreiche Pelzartikel sind mit erheblichen Rückständen von Chemikalien belastet. Das Tragen der Pelzprodukte ist potenziell gesundheitsgefährdend und enthalte Allergie- und Krebsauslösende Stoffe, so das Ergebnis einer aktuellen Produktanalyse.

(06.12.2010) Im Auftrag der internationalen Tierschutzorganisation "VIER PFOTEN" hat das auf Produktsicherheit spezialisierten Unternehmen "EcoAid 15" verschiedene Pelzprodukte auf giftige Rückstände untersucht. Das Ergebnis: die Modeartikel aus Tierpelzen sind oft stark mit giftigen Chemikalien belastet und bei 5 der getesteten Kleidungsstücke wurde sogar der Maximalwert des Industriestandards für die Chemikalie Formaldehyd überschritten. Die Kleidungsstücke seien potenziell gesundheitsgefährdend, erklärte Manfred Krautter Studienleiter des Analyseunternehmens EcoAid. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN kündigte an, Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz zu erstatten.

Während die Hersteller ihre Pelzartikel als „Naturprodukte“ anpreisen, sieht die Realität nach Aussage der aktuellen EcoAid-Untersuchung deutlich anders aus. So habe bereits die Voruntersuchung gezeigt, dass vor allem die Belastung mit den vier besonders gesundheitsgefährdenden Chemikalien Formaldehyd, Nonylphenolethoxylate (NPEO), Chlorparaffine und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bei fast allen Pelzartikeln nachzuweisen war. So wurden im Rahmen der Voruntersuchung bei 14 der 15 Pelzartikel entsprechende Chemikalien festgestellt. Diese 14 Artikel wurden anschließend im Rahmen der Hauptuntersuchung von einem Speziallabor des Bremer Umweltinstituts jeweils einzeln genau analysiert. Dabei ergab sich, dass nur einer der 14 Artikel „mäßig belastet“, die Hälfte der Pelzprodukte hingegen „erheblich belastet und nicht empfehlenswert“ ist. Sechs der der sieben erheblich belasteten Artikel wurden sogar als „stark belastet, potenziell gesundheitsgefährdend und nicht empfehlenswert“ eingestuft.

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Bei dreizehn Pelzartikeln (77 Prozent) wurde der Formaldehyd Grenzwert der EU-Spielzeugrichtlinie für textiles Kinderspielzeug von 30 mg/kg überschritten. In fünf Proben (38 Prozent) wurde sogar der Maximalwert für Erwachsene der Industriestandards Öko-Tex 100 und SG Leder von 75 mg/kg nicht eingehalten, erklärten die Wissenschaftler von EcoAid. Da Formaldehyd giftig, krebserregend und Allergien auslösend ist, seien diese Pelzprodukte weder für Kinder noch für Erwachsene geeignet, erklärten die Experten bei Veröffentlichung ihrer Untersuchungsergebnisse. Zudem haben die Wissenschaftler bei der Untersuchung auf die Belastung mit Nonylphenolethoxylaten, deren Anwendung in der EU verbotenen ist, bei acht Proben NPEO nachweisen können, erklärte EcoAid. Dabei war die Pelzkapuze einer Kinderjacke nach Aussage der EcoAid-Untersuchung mit knapp 3000 Milligramm pro Kilogramm besonders stark belastet. In der EU ist der Verkauf von Chemieprodukten, die mehr als 1000 mg/kg NPEO enthalten, untersagt. In zwei weiteren Proben wurde dieser Grenzwert zu 80 % erreicht. Die Industriestandards für Leder und Pelz (SG Leder) bei denen ein Maximalwert von 100 mg/kg für NPEOs angesetzt wird, seien in 6 der 10 Proben überschritten worden, teilten die Wissenschaftler von EcoAid außerdem mit.

Die Pelzkapuze der Kinderjacke war sowohl mit NPEO als auch mit Formaldehyd am stärksten belastet, wobei das Kinderkleidungsstück den Studienautoren zufolge nicht einmal als Chemieprodukt hätte verkauft werden dürfen. Die Pelzkapuze habe 450 mg/kg Formaldehyd enthalten, wobei der EU-Grenzwert bei textilem Kinderspielzeug höchstens 30 Milligramm pro Kilogramm zulasse Die NPEO-Belastung habe beim dreifachen des erlaubten Grenzwertes für den Verkauf von Chemieprodukten gelegen, erklärten die Wissenschaftler weiter. „Gesundheitsschäden – gerade für sensible Kinder – sind bei solchen Werten nicht auszuschließen“, betonte Manfred Krautter von EcoAid.

Zwar wurden bei der Belastung mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) keine Grenzwerte überschritten, doch da einige PAK als krebserregend gelten und diese in machen Pelzartikeln enthalten seien, ist nach Aussage von EcoAid auch hier Vorsicht geboten. Der Richtwert des Bundesinstituts für Risikobewertung von 0,2 mg/kg krebserregender PAK sollte daher für die Verbraucher als Kennzeichen der Gesundheitsgefährdung dienen. Dieser Richtwert wurde bei einem der getesteten Pelzartikel überschritten. Auch die Belastung der Pelzprodukte mit Chlorparaffinen ist nach Ansicht der Wissenschaftler EcoAid kritisch zu bewerten, da diese sich im Körper anreichern und ebenfalls im Verdacht stehen krebsauslösend zu wirken.

Neben den vier genannten hauptsächlich nachgewiesenen Chemikalien, haben die Wissenschaftler auch zahlreiche weitere potenziell gesundheitsgefährdende Chemikalien feststellen können, die zwar nur in sehr geringen Maßen vorzufinden waren, doch das Gesundheitsrisiko,was von den Pelzen ausgeht, zusätzlich erhöhen. Weil Pelzprodukte wie Schals, Kragen, Ohrwärmer oder Kapuzen aus Pelz meist direkt auf der Haut getragen werden, können die Schadstoffe außerdem leicht in den Körper der Trägerinnen und Träger übergehen, so die Aussage in der aktuellen Untersuchung.

In dem Fazit der für die Tierschutzorganisation "VIER PFOTEN" erarbeiteten Untersuchung kommen die Experten von EcoAid zu dem Schluss, dass „ein großer Teil der in Deutschland verkauften Pelzartikel eine Vielzahl giftiger Chemikalien enthält“, wobei die untersuchten Proben vielfach Schadstoff-Konzentrationen enthielten, die die Gesundheit stark beeinträchtigen können. Außerdem ist die vermehrte Überschreitung der festgelegten Grenzwerte, für die Fachleute inakzeptabel. „Pelz- und Modeindustrie sowie der Einzelhandel müssen dafür sorgen, dass bei der Pelzherstellung möglichst keine gefährlichen Chemikalien eingesetzt werden und potenziell gesundheitsgefährdende Belastungen von Beschäftigten und Verbrauchern ausgeschlossen sind“, erklärte die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN im Rahmen der Veröffentlichung der aktuellen Untersuchungsergebnisse. Vor allem müssen die Hersteller sicher stellen, dass die gesetzlichen Grenzwerte, behördliche Richtwerte und die Höchstwerte von Industrie-Standards eingehalten werden, betonten die Wissenschaftler von EcoAid. Dabei seien auch die Bundesregierung und die EU in der Verantwortung, Grenzwerte für die bisher nicht abgedeckten Bereich zu erarbeiten. Letztendlich empfehlen die Experten von EcoAid und VIER PFOTEN den Verbrauchern nicht nur aus Gründen des Tierschutzes sondern auch aus vorsorglichem Gesundheitsschutz gänzlich auf den Kauf von Pelzprodukten zu verzichten. (fp)