Chirurg graviert bei Operation seine Initialen in die Organe ein

Nina Reese

Britischer Mediziner steht in Birmingham vor Gericht

In Birmingham (UK) wird derzeit ein bislang einzigartiger Fall verhandelt: Ein britischer Chirurg hat bei mindestens zwei Patienten während einer Operation seine Initialen auf deren Organen hinterlassen. Sein Kürzel „SB“ hatte der Mediziner mit einem Argon-Laser in die Leber der Betroffenen eingraviert. Der Fall wurde aufgedeckt, als bei einem der Opfer ein weiterer Eingriff vorgenommen werden musste.

Kollege entdeckt die Initialen bei Folgeeingriff

Die Geschichte klingt unglaublich: Während seine Patienten in Narkose versetzt waren, gravierte ein britischer Mediziner per Laser seine Initialen in deren Organe ein. Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet, hat der 53-jährige Simon Bramhall vor Gericht zugegeben, dass er in zwei Fällen von ihm transplantierte Lebern mit seinem Kürzel „SB“ versehen hat. Der Mediziner wurde entlarvt, als ein Kollege im Rahmen einer Folgeoperation bei einem der Opfer die Buchstaben entdeckte.

Ein 53-jähriger Mediziner hat bei mindestens zwei Lebertransplantationen die Organe der Patienten per Laser „signiert“. (Bild: AntonioDiaz/fotolia.com)

Keine Auswirkungen auf Organfunktion

Der renommierte Leber-, Milz- und Pankreaschirurg hatte laut der Zeitung für die Gravur einen Argon-Laser verwendet, welcher normalerweise eingesetzt wird, um Blutungen während der Operation zu verhindern. In wie vielen Fällen der Mediziner tatsächlich seine Initialen hinterlassen hat, bleibt unklar. Denn die Laser-Markierungen haben keine beeinträchtigenden Auswirkungen auf die Organfunktion und verschwinden normalerweise von selbst wieder, informiert das Blatt.

Angeklagter weist Vorwurf der Körperverletzung zurück

Bei einer Anhörung vor dem Gericht in Birmingham gab Simon Bramhall zu, bei zwei Lebertransplantationen im Februar und August 2013 sein Kürzel in die Organe eingraviert zu haben. Er habe unethisch und kriminell gehandelt, räumte der Beschuldigte ein – doch beim Vorwurf der Körperverletzung plädierte er auf „nicht schuldig“.

Der Mediziner war 2013 von seinem Posten am Birmingham Queen Elizabeth Hospital suspendiert worden, nachdem ein Kollege die Initialen „SB“ bei einer Folgeoperation an der Leber eines der Opfer entdeckt hatte. Laut Staatsanwalt Tony Badenoch handelt es sich um einen noch nie dagewesenen Fall. Die Handlungen hätten Geschick und Konzentration erfordert und wurden in Anwesenheit von Kollegen durchgeführt, so Badenoch laut dem Guardian.

Vertrauen der Patienten missbraucht

Wie Elizabeth Reid von der britischen Staatsanwaltschaft sagte, würden die Handlungen Bramhalls einen Missbrauch des Vertrauens, das die Patienten ihm entgegenbrächten, darstellen. „Es war eine absichtliche Anwendung von ungesetzlicher Gewalt auf einen Patienten während der Narkose. Seine Handlungen, die Lebern dieser Patienten auf eine völlig unnötige Weise zu markieren, waren absichtliche und bewusste Handlungen seinerseits“, so Reid.

Das Gericht sprach den Chirurgen schuldig, das Urteil wird jedoch erst am 12. Januar 2018 gefällt. (nr)