Chirurgen-Kongress: Pflegemangel stellt eine Gefahr für OP-Erfolge dar

Alfred Domke
Wichtige Nachversorgung: Gefahr für OP-Erfolge durch Pflegemangel
Schon seit Jahren wird von Experten auf den bundesweiten Pflegenotstand in Krankenhäusern hingewiesen. Verändert hat sich offenbar nur wenig. Der Mangel an Pflegekräften ist noch immer weit verbreitet. Das führt dazu, dass viele Patienten schlecht versorgt werden. Dadurch kann es auch nach erfolgreich verlaufenen Operationen zu Komplikationen kommen.

Mangel an Pflegekräften
Zwar haben neue Technologien und gestiegener Qualitäts- und Leistungsstandard die Chirurgie in Deutschland immer sicherer und effizienter gemacht. „Doch die Rahmenbedingungen sind heute schlechter als in der Vergangenheit“, heißt es in einer Mitteilung zum 134. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), der am Dienstag in München startet. Laut den Experten beeinträchtigen zu viel Bürokratie, die veränderte Arbeitszeitgesetzgebung und die Ökonomisierung der Kliniken eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung und das Arzt-Patienten-Verhältnis. Der Mangel an Pflegekräften stellt ebenfalls eine große Gefahr dar. Dadurch könnten Behandlungserfolge gefährdet werden.

In Deutschland werden Patienten nach Operationen aufgrund des Pflegemangels immer schlechter versorgt. Das gefährdet den Behandlungserfolg. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Patienten werden immer schlechter vor- und nachversorgt
DGCH-Präsident Professor Dr. med. Tim Pohlemann erklärte: „Trotz der enormen Fortschritte in der Chirurgie gibt es in Deutschland erhebliche Defizite in der Patientenversorgung.“

Demnach werden Patienten aufgrund des Pflegemangels bei Operationen immer schlechter vor- und nachversorgt und im Zuge des wachsenden ökonomischen Drucks schneller entlassen. „Dadurch wird letztlich der Behandlungserfolg gefährdet“, warnte der Unfallchirurg.

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Und: „Das entscheidet auch über eine höhere oder geringere Komplikationsrate“, erklärte der Präsident des Chirurgenkongresses laut einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa. Je öfter Pfleger einen Patienten sähen, desto eher könnten sie eine negative Entwicklung bemerken.

Auch die Mediziner sind gefragt: „Wir müssen die Patienten-Arzt-Beziehung stärken – breite Verantwortung für unsere Patienten übernehmen und ihnen auch in Zukunft Vertrauen in eine gute und sichere Versorgung vermitteln“, so Pohlemann

System flexibler dem Einzelfall anpassen
Zwar erfordere der demografische Wandel mit immer älteren Patienten eine stärkere Betreuung, doch dem stehe die pauschale Vergütung entgegen.

Denn für jedes Krankheitsbild gibt es eine Fallpauschale – unabhängig davon, wie der Patient behandelt wird und wie aufwendig die Versorgung ist. Laut den Experten müsse das System flexibler dem Einzelfall angepasst werden.

„Unsere Forderung ist, dass wir für jeden Betreuungsbedarf den geeigneten Honorierungsschlüssel bekommen.“

Weniger zu betreuende Patienten pro Pfleger
Der Agenturmeldung zufolge belegten Untersuchungen, dass Deutschland bei der Personalausstattung in Kliniken im internationalen Vergleich abfalle.

„Die Pflege ist der größte Kostenfaktor in einem Krankenhaus.“ Daher werde hier immer weiter gespart. Hierzulande kämen auf einen Pfleger oder eine Schwester acht bis 14 Patienten, in Skandinavien liege das Verhältnis bei 1:3 bis 1:5. (ad)