Cholera-Epidemie in West- und Zentralafrika

Fabian Peters

45.000 Cholera-Fälle in West- und Zentralafrika

09.09.2011

Nachdem bereits im August eine steigende Zahl von Cholera-Infektionen aus Somalia gemeldet wurde, warnt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften in Genf nun vor einer Cholera-Epidemie in Zentral- und Westafrika.

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Etwa 45.000 Menschen leiden derzeit in Kamerun, Niger, Nigeria und dem Tschad unter Cholera, über 1.250 Betroffene sind in Folge der Infektion bereits verstorben, so die Mitteilung der Hilfsorganisationen. Die Gesundheitszentren seien bereits überlastet und in den kommenden Wochen ist mit einem massiven weiteren Anstieg der Cholera-Erkrankungen zu rechnen, erklärte die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.

Weiterer Anstieg der Cholera-Infektionen befürchtet
Ihren Ursprung hatte die jetzige Cholera-Epidemie bereits im Mai in dem zentralafrikanischen Tschad, erläuterten die Experten des internationalen Roten Kreuz. Den Experten zufolge ist heute jeder zweite Distrikt der Republik betroffen und allein in der vergangenen Woche waren circa 1.400 Cholera-Neuinfektionen zu verzeichnen. Die mit der Regenzeit erwarteten massiven Niederschläge könnten in den kommenden Monaten einen weiteren Anstieg der Cholera-Erkrankungen zur Folge haben, warnte Sophie Chavanel, Katastrophenexpertin des Internationalen Roten Kreuz. Die Gesundheits-, Wasser- und Hygiene-Experten der Hilfsorganisation sind seit dem 25. August im Tschad aktiv. Dabei beschreibt Sophie Chavanel die Situation für die Helfer als „sehr schwierig“. In den Gesundheitszentren, werde zwar alles getan, um den Cholera-Patienten zu helfen, doch die Einrichtungen und das Personal seien schon jetzt an ihrem Leistungslimit. Die Mediziner und Krankenschwestern arbeiten 24 Stunden, um das Leben der Infizierten zu retten, aber in den Zentren seien oft noch nicht einmal ausreichend Betten vorhanden, „die Leute liegen auf dem Boden, und es gibt nur wenig Medizin“, betonte die Katastrophenexpertin Chavanel.

Schwere gesundheitliche Folgen einer Cholera-Infektion
Die Cholera-Bakterien werden laut Aussage der Experten des internationalen Roten Kreuz meist über Fäkalien-verseuchtes Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel übertragen. Die Infektion mit dem Bakterium Vibrio cholerae verursacht eine Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) mit extremen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Aufgrund des massiven Flüssigkeitsverlust droht die Dehydration. Außerdem können weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Lungenentzündungen, Ohrspeicheldrüsen-Entzündungen oder Blutvergiftungen als Folgen der Cholera-Infektion auftreten, so die Aussage der Experten. Vor allem für Kinder im Alter unter fünf Jahren und ältere, ohnehin geschwächte Personen seien Cholera-Infektionen lebensbedrohlich und bedürfen dringend einer medizinischen Behandlung. Dabei ist die Cholera eigentlich relativ „einfach zu behandeln“, erklärte die Katastrophenexpertin Sophie Chavanel. Durch die Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit, Zucker und Salz lässt sich eine potenziell tödliche Austrocknung des Körpers verhindern und der Zustand der Betroffenen stabilisieren, doch oftmals erreichen die Infizierten „nicht mehr rechtzeitig ein Behandlungszentrum und dann sterben sie“, betonte Chavanel.

Einhaltung von Hygienestandards zur Reduzierung des Infektionsrisikos
Ursache für die massive Ausbreitung der Cholera-Infektionskrankheit sind laut Aussage des internationalen Roten Kreuz vor allem die schlechten hygienische Verhältnisse und das unzureichend Gesundheitssystem. Dabei ließe sich durch Einhaltung gewisser Hygienestandards bereits ein Großteil der Infektionen verhindern, so die Aussage von Sophie Chavanel. Den Kern ihrer Tätigkeit sehen die Hilfsorganisationen daher in der Aufklärung über Hygienemaßnahmen in den einzelnen Regionen und Dörfern vor Ort. Dabei spielt die Desinfektion von Trinkwasser stets eine wesentliche Rolle, da sich die meisten Betroffenen über verunreinigtes Wasser infizieren, erläuterten die Experten der Hilfsorganisationen. (fp)