Cholera in Haiti durch Blauhelme eingeschleppt

Fabian Peters

UN-Abschlussbericht: Cholera in Haiti durch Blauhelm-Soldaten eingeschleppt

09.05.2011

Als in Haiti im vergangenen Jahr nach der Erdbeben-Katastrophe die Cholera ausbrach, machte die Bevölkerung schnell die Blauhelmsoldaten für das Auftreten der Seuche verantwortlich. Zurecht, wie die im Auftrag der Vereinten Nationen durchgeführten Untersuchungen eines internationalen Expertenteams jetzt bestätigen.

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Seit Oktober 2010 wütet in Haiti die Cholera. Bereits bis zum Jahreswechsel erkrankten den Angaben des haitianischen Gesundheitsministeriums zufolge mehr als 157.000 Menschen an der Infektionskrankheit Cholera, 3.500 Personen verstarben in Folge einer Cholera-Infektion. Insgesamt hat die bis heute anhaltenden Cholera-Epidemie in Haiti fast 5.000 Todesopfer gefordert und rund 300.000 Menschen wurden infiziert. Nun haben Experten der Vereinten Nationen bestätigt, dass die Seuche hätte vermieden werden können, denn die Erreger wurden von den Blauhelmsoldaten der UNO aus Nepal eingeschleppt.

Cholera-Erreger aus Nepal durch Blauhelmsoldaten eingeschleppt
Bei der Suche nach den Ursachen der Cholera-Epidemie auf Haiti im Auftrag der Vereinten Nationen kommen Wissenschaftler aus Bangladesch, Indien, Peru und den USA in ihrem 32-seitigen Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass die Erreger von den Blauhelmsoldaten der MINUSTAH, der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (frz. „Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haïti“) aus Nepal eingeschleppt wurden. Durch die ungünstigen hygienischen Bedingungen vor Ort konnten sich die Erreger rasant ausbreiten und verursachten die bis heute anhaltende Cholera-Epidemie, so die Aussage der Experten.

Undichte Latrinen im Lager der UN Blauhelme als Infektionsursache?
Die erste Cholera-Infektion nach der Erdbebenkatastrophe von Haiti wurde am 17. Oktober 2010 in der Kleinstadt Mirebalais registriert. Von der oberhalb des Flusses Artibonite gelegene Stadt aus breiteten sich die Infektionen vorerst entlang des Flusses bis in das 80 Kilometer weiter nordwestlich gelegene Mündungsgebiet des Artibonite aus. Der Vorwurf der Bevölkerung in der nördlich von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince gelegenen Provinz Artibonite richtet sich dabei von Anfang an gegen die Blauhelmsoldaten der UNO. Diese hätte in ihrem Lager in Mirebalais den Fluss mit Fäkalien verunreinigt und so den Ausbruch der Seuche herbeigeführt. Was sich für internationale Beobachter vorerst unwahrscheinlich anhörte, wurde nun jedoch von den Experten der Vereinten Nationen bestätigt. Der auslösende Cholera-Erreger stamme aus Nepal und wurde von den Soldaten eingeschleppt, teilten die Vereinten Nationen mit. Durch die ungenügende Latrinen-Situation konnten die Erreger mit Fäkalien in das Flusswasser gelangen und so die verheerende Cholera-Epidemie verursachen, erklärten die Wissenschaftler. Von einer direkten Schuld sprachen sie die Vereinten Nationen jedoch frei, da die Errichtung und Unterhaltung der Latrinen von einem lokalen Unternehmen betrieben worden sei.

Cholera-Impfung und Antibiotika für UNO Blauhelme
Um einen durch UN-Soldaten bedingten Ausbruch der Cholera künftig zu vermeiden, empfiehlt das Expertengremium in seinem Abschlussbericht zur Cholera-Epidemie in Haiti, beim Einsatz der UNO Blauhelme fortan verschärft darauf zu achten, dass eine Übertragung der Erreger aus anderen Regionen der Welt ausgeschlossen werden kann. Hierfür sollt Personal aus Cholera-Gebieten vor dem Einsatz geimpft und vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden, erklärten die Experten. Darüber hinaus sollte bei der Errichtung und Unterhaltung der Hygiene-Einrichtung und insbesondere der Latrinen auf eigenes, hierfür ausgebildetes Personal zurückgegriffen werden. Um eine Ausbreitung der Krankheitserreger zu vermeiden, sollten die Fäkalien außerdem vor der Entsorgung chemisch aufbereitet und sämtliche Erreger abgetötet werden. Denn Vorfälle wie in Haiti untergraben nicht nur das Vertrauen der Bevölkerung vor Ort in die Hilfskräfte der UNO, sondern kosten schlimmstenfalls tausende Menschen das Leben. (fp)

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Bild: Dieter Schütz / pixelio.de