Cholesterinsenker: Höherer Schaden als Nutzen

Heilpraxisnet

Experten diskutieren Einsatz von cholesterinsenkenden Statinen

21.08.2014

Knapp jeder dritte Erwachsene hat hierzulande zu viel Cholesterin im Blut, ein Naturstoff, der nur in tierischen Lebensmitteln wie Hühnereiern, Innereien oder Butter vorkommt. Ein erhöhter Cholesterinspiegel ist jedoch gesundheitlich nicht unbedenklich, denn es kann zu Erkrankungen der Gefäße kommen, mit möglichen Folgen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Um den Spiegel zu senken, sind neben einer bewussten, cholesterinarmen Ernährung vor allem Gewichtsreduzierung und Bewegung wichtig. Zudem kommen aber häufig auch cholesterinsenkende Medikamente zum Einsatz, deren Nutzen unter europäischen Herz-Kreislauf-Spezialisten umstritten ist.

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen hat zu viel Cholesterin im Blut
Ein erhöhter Cholesterinspiegel ist kein seltenes Phänomen, stattdessen ist mehr als die Hälfte der Erwachsenen hierzulande davon betroffen. Dabei ist Cholesterin kein per se „gefährlicher“ Stoff, stattdessen handelt es sich um eine fettähnliche Substanz, die lebensnotwendig ist, da sie beispielsweise am Aufbau der Zellmembran sowie an vielen Stoffwechselvorgängen des Gehirns beteiligt ist. Die täglich benötigte Menge an Cholesterin wird zum größten Teil vom Körper selbst hergestellt (vor allem in der Leber), der Rest wird aus tierischen Lebensmitteln aufgenommen, wobei vor allem Hühnereier, Innereien Butter und Schmalz besonders cholesterinreich sind. Dementsprechend sollte bei der täglichen Ernährung die zugeführte Cholesterinmenge nicht ganz aus den Augen gelassen werden, denn Experten empfehlen heute, nicht mehr als 250 bis 300 mg zusätzliches Cholesterin pro Tag aufzunehmen. Der Grund: Ein zu hoher Cholesterinspiegel stellt einen gesundheitlichen Risikofaktor für Erkrankungen der Gefäße dar, mit möglichen Folgen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Cholesterinspiegel senken durch Ernährungsumstellung und mehr Bewegung
Ist der Cholesterin-Spiegel im Blut zu hoch, bestehen eine Reihe von Maßnahmen, die Betroffene ergreifen sollten, um den Wert zu senken. Zentral ist hier vor allem eine bewusste, cholesterinarme Ernährung sowie regelmäßige Bewegung und die Reduzierung von Übergewicht, zudem ist es für die Herzgesundheit immer sinnvoll, mit dem Rauchen aufzuhören. In vielen Fällen werden Betroffenen zusätzlich Medikamente („Statine“) verordnet – doch hier kommt es unter Experten immer wieder zu Kontroversen, in welchen Fällen dies tatsächlich wirkungsvoll ist. In diesem Zusammenhang hatte vor allem eine Ende 2013 von den US-amerikanischen Fachgesellschaften veröffentlichte neuen Behandlungsempfehlungen für Diskussionen unter unter europäischen Herz-Kreislauf-Spezialisten gesorgt: „Die Empfehlungen der US-Leitlinien haben zur Folge, dass viel mehr Menschen einer Risikogruppe zugeordnet und vorbeugend mit Statinen behandelt werden müssten", so der Internist Nikolaus Marx von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Wert setzt sich aus „gutem“ und „schlechtem“ Cholesterin zusammen
Dadurch bekäme „die Statin-Therapie [..] ein sehr hohes Gewicht“, erklärt der Mediziner weiter – allerdings ganz zum Leidwesen vieler Kritiker. Denn Cholesterin sei im Blut nicht gleich Cholesterin, stattdessen setzt sich der Wert aus verschiedenen Komponenten zusammen: Das so genannte „HDL-Cholesterin“ gilt dabei als "gutes" Cholesterin, da es die Gefäße schützt, während das "schlechte" LDL-Cholesterin Arteriosklerose und somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Eine Einschätzung, ob der Cholesterin-Spiegel im Blut also tatsächlich ein gesundheitliches Risiko darstellt, könne demnach ein Blick auf den Gesamt-Cholesterinspiegel bringen: Ist dieser höher als 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl), sei es sinnvoll, auch die LDL und HDL-Werte messen zu lassen. Doch das sei laut Marx nicht alles, denn zur Beurteilung einer Gesundheitsgefahr sei nicht nur das Cholesterin interessant, sondern auch andere Risikofaktoren: „Neben den Cholesterinwerten müssen bei der Beurteilung jedoch unbedingt auch Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Alter, Geschlecht und eine mögliche familiäre Veranlagung berücksichtigt werden.“

Trotz Medikamenteneinnahme müssen Lebensgewohnheiten geändert werden
Ergibt sich durch die Untersuchungen eine erhöhte Gefahr, kommen in der Regel cholesterinsenkende Medikamente zum Einsatz – wobei normalerweise die Formel gilt: Je höher das Gesamtrisiko, desto wirksamer die Arzneien. Dennoch stellen Statine kein „Allheilmittel“ dar und ersetzen nicht die Umstellung der Ernährung und Lebensgewohnheiten. Vielmehr müssen Betroffene trotz der Einnahme vor allem beim Verzehr von Fetten sehr achtsam sein, da „eine Ernährung, die arm an gesättigten Fettsäuren ist, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann“, berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gegenüber der „dpa“. Dies bedeute nicht unbedingt eine generell fettarme Ernährung, „entscheidend ist vielmehr, gesättigte Fette möglichst durch ungesättigte zu ersetzen – also mehr pflanzliche Lebensmittel und Fisch zu essen als Fleisch und fettreiche Milchprodukte."

Statine können zu Muskelbeschwerden und Diabetes führen
Müssen dennoch Medikamente eingesetzt werden, gilt als der Goldstandard die Gabe von „Statinen“, welche in den Fettstoffwechsel eingreifen und dadurch die Produktion von Cholesterin stoppen. Während der Einsatz bei Herz-Kreislauf-Patienten („Sekundärprävention“) überwiegend unkritisch betrachtet wird, führt die medikamentöse Behandlung eigentlich Gesunder zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall jedoch immer wieder zu Diskussionen. Denn in diesem Fall kommt es immer wieder zu Muskelbeschwerden, zudem scheint bei regelmäßiger Einnahme von Statinen auch das Risiko für einen Diabetes erhöht zu sein. Dieses sei jedoch laut dem Bericht einer US-amerikanischen Forschergruppe um Jacek Kubica im "American Journal of Cardiology" von der Dosierung und der genauen Art des Wirkstoffs abhängig – daher müsse möglicherweise zukünftig viel stärker darauf geachtet werden, die Medikamente so gering wie möglich zu dosieren. „Jüngste Studien zeigen, dass Statine, im Vergleich zu Placebos, mit einem erhöhten Risiko für eine neue Diabetes mellitus (DM) einhergehen und dass diese Relation dosisabhängig ist. […] Abschließend lässt sich sagen, dass verschiedene Typen und Dosierungen von Statinen unterschiedliches Potenzial zeigen, das Auftreten einer Diabetes zu fördern“, so die Forscher in ihrem Artikel. (nr)

Bild: Lichtbild Austria / pixelio.de