Chronischer Lärm kann zur Depression führen

Sebastian
Verkehrslärm schadet insgesamt weniger als bisher vermutet
Wer ständig lautem Verkehrslärm ausgesetzt ist, könnte ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Herzschwäche haben. Zu diesem Ergebnis ist die Studie „NORAH“ (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health) gekommen, die von der Gemeinnützigen Umwelthaus GmbH in Auftrag gegeben wurde. Auf den Blutdruck habe der Krach hingegen keinen Einfluss – daher seien die gesundheitlichen Risiken insgesamt weniger hoch als bisher vermutet wurde.

Psychische Folgen des Lärms erhielten bisher nur wenig Beachtung
Ob Flugzeuge, Autos oder Züge: Verkehrslärm stellt die bedeutendste Umweltbeeinträchtigung im Wohnumfeld dar und kann zu einer starken Beeinträchtigung des Wohlbefindens führen. Wissenschaftler untersuchten daher fast fünf Jahre lang die gesundheitlichen Folgen von Flug-, Straßen- und Schienenlärm in den Regionen Rhein-Main, Köln-Bonn und Stuttgart und kamen zu interessanten Ergebnissen. Denn sie konnten unter anderem psychische Folgen der Belästigung aufzeigen, denen bislang nur wenig Beachtung geschenkt wurde.

Lärm begünstigt psychische Störungen wie Depressionen. Bild: SENTELLO - fotolia
Lärm begünstigt psychische Störungen wie Depressionen. Bild: SENTELLO – fotolia

Demnach zeigte sich, dass ein erhöhtes Depressions-Risiko vor allem bei den Menschen vorlag, die eine ständige Lärmeinwirkung durch Flugzeuge erleben, so eine aktuelle Pressemitteilung der Gemeinnützigen Umwelthaus GmbH. Die 100%ige Tochter des Landes Hessen und eine von drei Säulen des Forums Flughafen und Region (FFR) hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Fluglärm störender als Krach durch Züge oder Autos
Eine Erhöhung des Blutdrucks durch lang andauernden Fluglärm konnten die Wissenschaftler hingegen nicht nachweisen. Generell habe sich aber gezeigt, dass sich die Menschen im Bereich der untersuchten Flughäfen stark belästigt fühlen – teilweise sogar stärker als in früheren Studien. Zudem konnten die Forscher zeigen, dass Fluglärm als ein größerer Störfaktor wahrgenommen wird als Straßen- oder Schienenlärm. Auch der Einstellung gegenüber dem Lärm-Verursacher spielt offenbar eine Rolle: Denn wer dem Flugverkehr kritisch gegenüber stehe, schlafe schlechter als Luftfahrtbefürworter. Positiv auf den Schlafverlauf habe sich die Einführung des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen im Jahr 2011 ausgewirkt, da die Anwohner seit dem besser durchschlafen könnten.

Doch nicht nur der Fluglärm macht den Menschen zu schaffen. Stattdessen habe die Studie z.B. einen Zusammenhang zwischen dauerhaftem Schienenlärm und dem Auftreten einer Herzschwäche gezeigt. „Verkehrslärm insgesamt stellt ein relevantes Thema dar, so dass auch bei der Straße und Schiene der Lärmschutz eine entsprechende Beachtung bekommen muss“, so Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsmitglied des Frankfurter Forums Flughafen und Region (FFR).

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Kinder lernen bei Fluglärm langsamer lesen
Im Rahmen einer weiteren Teilstudie beschäftigten sich die Wissenschaftler mit der geistigen Entwicklung von Grundschulkindern sowie deren Leseleistungen und ihrer allgemeinen Lebensqualität unter dem Einfluss von Lärm. Es zeigte sich, dass Kinder bei ständiger Lärmbelästigung durch Flugzeuge insgesamt langsamer lesen lernten. Zweitklässler in Grundschulen rund um den Frankfurter Flughafen brauchten demnach beispielsweise mindestens einen Monat länger als Gleichaltrige in anderen Einrichtungen.

Bislang umfangreichste Untersuchung zu den Auswirkungen von Verkehrslärm
Die Forscher hatten in verschiedenen Teilstudien unter anderem die Lebensqualität, den Schlafverlauf, die Häufigkeit von Krankheiten und die Veränderung des Blutdrucks in Lärm-Gebieten untersucht. Es wurde die Belastung durch Flug-, Straßen- und Schienenlärm im Raum Frankfurt für 900 000 Gebäude berechnet, zudem erhoben die Akustiker der NORAH-Studie Lärmdaten von je 2.500 Anwohnern der Flughäfen Köln-Bonn und Stuttgart. Zum Thema „Lebensqualität“ wurden 29.000 Flughafen-Anwohner befragt, als Basis für die Teilstudie zu Krankheitsrisiken dienten Krankenkassendaten von etwa einer Million Menschen im Rhein-Main-Gebiet. 200 bzw. 844 Personen nahmen an der Schlaf- bzw. Blutdruckstudie teil.

Damit sei NORAH international die bislang umfangreichste Studie zu den Auswirkungen von Verkehrslärm auf Gesundheit und Lebensqualität, betont die Gemeinnützige Umwelthaus GmbH. „NORAH ist ein Meilenstein der Lärmwirkungsforschung. Viele Zusammenhänge wurden nie zuvor in der hier realisierten Breite und Tiefe untersucht“, so Johann-Dietrich Wörner. (nr)