City BKK-Kunden auf Versicherungssuche

Fabian Peters

City BKK-Kunden auf Versicherungssuche: Auswahl der neuen Krankenversicherung gründlich prüfen

24.05.2011

Die Insolvenz der City BKK sorgt weiterhin für Unruhe. Sowohl in der Politik als auch unter den gesetzlichen Krankenversicherungen ist die Unterbringung der knapp 170.000 ehemaligen City BKK-Kunden weiterhin Gesprächsthema. Bis zum Juli haben die Versicherten der insolventen City BKK noch Zeit, um sich eine neue Krankenversicherung zu suchen. Zwar sind die gesetzlichen Krankenkassen prinzipiell dazu verpflichtet, jeden Antragsteller aufzunehmen, doch haben sich in der vergangenen Woche zahlreiche City BKK-Kunden über die Abwimmelungsversuche der Krankenkassen beschwert.

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Dieser unwürdige Umgang mit den Versicherten der City BKK, hat zuletzt auch den neuen Gesundheitsminister Daniel Bahr auf den Plan gerufen und diesen dazu veranlasst, den Vorständen der Krankenkassen mit Sanktionen zu drohen, wenn sich die Krankenkassen weiterhin weigern, die City BKK-Versicherten aufzunehmen. Doch die Pleite der City BKK hat auch einen anderen Aspekt wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Experten gehen davon aus, dass am Ende des Konsolidierungsprozesses im Gesundheitswesen lediglich rund 50 Krankenkassen der heute noch 150 gesetzlichen Krankenversicherungen übrig bleiben werden. Daher sollten sich die City BKK-Kunden gut überlegen, bei welcher Krankenkasse sie künftig versichert sein möchten, um nicht erneut mit der Schließung ihrer Krankenversicherung konfrontiert zu werden.

Fusionswelle unter den Krankenkassen
Generell sind alle gesetzlichen Krankenversicherungen dazu verpflichtet die ehemaligen City BKK-Mitglieder aufzunehmen, sobald ein entsprechender Aufnahmeantrag vorliegt. Doch für die rund 168.000 Versicherten der City BKK kann sich die gründliche Prüfung der zukünftigen Krankenversicherung durchaus auszahlen, da die Krankenkassen äußerst unterschiedliche freiwillige Zusatzleistungen anbieten, nur einige Versicherungen bisher Zusatzbeiträge erheben und vor allem die relativ kleinen Krankenkassen im Zuge der noch bevorstehenden Fusionen von einer anderen Krankenkasse geschluckt werden oder schlimmstenfalls wie die City BKK bankrott gehen könnten. Daher sollte die finanzielle Situation der Krankenkasse, bei der Auswahl der zukünftigen Krankenversicherung nicht vernachlässigt werden, warnen Experten. Denn vor allem den finanzschwachen Versicherungen drohen in Zukunft erhebliche Probleme. Branchenkenner gehen davon aus, dass am Ende der Fusionswelle nur 50 der heute noch 150 gesetzlichen Krankenversicherung Bestand haben werden.

Differenzierungsmerkmal Zusatzbeitrag
Ein wesentliches Differenzierungsmerkmal der gesetzlichen Krankenkassen bilden heute außerdem die erhobenen Zusatzbeiträge. Während bereits 13 Krankenversicherungen einen Zusatzbeitrag erheben, ist der Großteil der gesetzlichen Krankenversicherungen bisher bemüht, die Erhebung von Zusatzbeiträgen zu vermeiden. Dieses Unterscheidungsmerkmal wird nach Einschätzung der Gesundheitsökonomen jedoch voraussichtlich innerhalb der kommenden fünf bis acht Jahren wegfallen, da dann wahrscheinlich alle gesetzlichen Krankenversicherungen einen Zusatzbeitrag von durchschnittlich 70 Euro im Monat verlangen werden. Dabei sind jedoch deutliche Unterschiede in der Höhe der erhobenen Zusatzbeiträge bei den verschiedenen Krankenkassen denkbar. Bisher galt das Risiko von Zusatzbeiträgen vor allem bei den großen Krankenkassen als äußerst gering. Doch vergangene Woche hatte Klaus Brandner, SPD-Politiker und Mitglied im Verwaltungsrat der Vereinigten IKK, gegenüber „Welt Online“ erklärt, dass „wenn es keine finanzielle Hilfe gibt“, auch bei der Vereinigten IKK Zusatzbeiträge unumgänglich werden. Die Vereinigte IKK zählt mit 1,6 Millionen Versicherten zu den größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands.

Finanzielle Situation der Krankenkassen bei der Auswahl berücksichtigen
Da mit der Anzahl der Mitglieder, die Überlebenswahrscheinlichkeit der Krankenkassen steigt, rechnen Branchenkenner damit, dass sich die Fusionswelle unter den gesetzlichen Krankenversicherungen noch eine Weile fortsetzen wird. Um nicht erneut mit der Schließung ihrer Krankenkasse konfrontiert zu werden, sollten die City BKK-Kunden daher bei Neuabschluss einer Krankenversicherung auch darauf achten, wie viele Mitglieder die Kasse ihrer Wahl hat und ob bereits ein Zusatzbeitrag erhoben wird. Denn beide Faktoren bieten relativ gute Anhaltspunkte für mögliche Rückschlüsse auf die finanzielle Stärke der Versicherung. Die derzeit spürbare Verunsicherung der Betroffen bei der Suche nach einer neuen Krankenversicherung, lässt sich mit solchen Hinweisen der Gesundheitsexperten jedoch nicht beheben. Die wenigsten Versicherten haben Interesse daran, bei der Auswahl der Versicherung die Geschäftszahlen der Unternehmen durchzuarbeiten.

Sanktionen gegen Kassenchefs bei Abwimmlungsversuchen
Viele der ehemaligen City BKK-Versicherten wendeten sich daher bereits in den vergangenen Wochen an die Geschäftsstellen ihrer präferierten Krankenkasse und versuchten auf diesem Wege Informationen einzuholen. Doch die Bereitschaft der meisten Krankenkassen, die ehemaligen City BKK-Kunden zu informieren und gegebenenfalls aufzunehmen, war in den ersten Tagen nach Bekanntwerden der City BKK-Insolvenz eher ungenügend. Laut Medienberichten wurden vor allem ältere City BKK-Kunden von den übrigen gesetzlichen Krankenkassen häufig abgewimmelt. Damit sich derartige Vorgänge in Zukunft nicht wiederholen, hat der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) einen neuen Gesetzesentwurf vorgelegt, mit dem die Chefs der Krankenkassen, die Kunden abwimmeln, in Zukunft sanktioniert werden können. Denn die gesetzlichen Krankenkassen sind generell verpflichtet jeden Antragsteller aufzunehmen. (fp)