City BKK Mitglieder finden keine neue Krankenkasse

Sebastian

City BKK: Versicherte finden keine neue Krankenkasse

10.05.2011

Zum ersten Juli 2011 wird die Krankenkasse City BKK geschlossen. Bis dahin müssen sich alle Versicherte eine neue Kasse suchen. Für viele, vor allem ältere und kranke Mitglieder, der Pleitekasse gerät die Suche nach einer neuen Krankenversicherung zur regelrechten Odyssee. Mit zweifelhaften Behauptungen versuchen einzelne Krankenkassen Mitgliedsanfragen abzuwimmeln. Mittlerweile liegen Beschwerden von über elf Krankenkassen vor, die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher ausfallen.

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Die Suche nach einer neuen Krankenkasse sollte sich eigentlich problemlos gestalten. Jedenfalls behauptet das immer die Politik, die die Schließung der Betriebskrankenkasse „City BKK“ begrüßte, weil es „ein Ausdruck des Wettbewerbs im Gesundheitssystem“ sei. Die City BKK musste aufgeben und hatte finanzielle Probleme aus mehreren Gründen. Ein Hauptgrund der drohenden Insolvenz war der hohe Anteil von älteren und chronisch Kranken in der Mitgliederstruktur. Eben jene Versicherte sind bei den Kassen unbeliebt, weil die Ausgaben die Einnahmen meist überragen.

Abenteuerliche Behauptungen um Versicherte abzuschrecken
Den Wettbewerb im gesetzlichen Krankenkassensystem bekommen nun die ehemaligen City-BKK Versicherten zu spüren. Versicherte hätten sich bereits „über elf Krankenkassen beschwert“, erklärte City BKK Sprecher Torsten Nowak. Mit zum Teil abenteuerlichen Behauptungen versuchen einige Kasse Versicherte abzuwimmeln. Das ist "ein absolutes Unding" und müsse sofort "dringend abgestellt werden", mahnte Nowak. Schließlich besteht ein generelles verankertes Recht, bei einer Schließung in eine andere Krankenkasse wechseln zu können. Nowak berichtet dem Tagesspiegel, dass manche Kassen behaupten, „sie seien schon voll“. Andere sagen, die derzeit laufenden Behandlungen könnten nur fortgeführt werden, wenn die Anfragenden in eine Betriebskrankenkasse wechselten. Nur diese würden die Therapiekosten weiterhin tragen. Diese Aussagen sind natürlich allesamt unwahr.

Erste Beschwerden gingen schon ein, als in der letzten Woche bekannt wurde, dass die City BKK zum ersten Juli 2011 schließt. Da aber erst jetzt die offiziellen Anschreiben an die rund 168.000 Kassenmitglieder rausgingen, sei anzunehmen, dass die Beschwerdeanzahl weiter ansteigen werde. Denn gerade die älteren Mitglieder werden von der Schließung nicht aus dem Internet, sondern aufgrund des Anschreibens erfahren.

AOK, Barmer GEK und HEK wimmeln offenbar Anfragen ab
Nach Informationen des Berliner Tagesspiegels sind an der Abwimmel-Strategie große Krankenkassen wie die AOK oder Barmer GEK beteiligt. Bei Anfragen wurden City-BKK Mitglieder auf die stark begrenzten Öffnungszeiten verwiesen, Servicemitarbeiter verlangten übertriebene und zum Teil unnötige Nachweise oder machten gleich zu Beginn deutlich, dass sie in einer Betriebskasse besser aufgehoben wären. Die gesetzliche Verpflichtung, City BKK-Versicherte bei Anfrage aufzunehmen, sei den Mitarbeitern bewusst, betonte ein Sprecher der Barmer. Man würde auf jeden Fall nach den gesetzlichen Vorgaben handeln. Allein in Berlin verfügt die City BKK über rund 92.000 Versicherte.

Auch andere Krankenkassen (wir berichteten) versuchen offenbar mit verschiedenen Methoden Versicherte vom Aufnahmeantrag abzuhalten. Laut einer Berichterstattung der "Financial Times Deutschland" wurden vor allem ältere Versicherte systematisch abgewimmelt. Um dem Ansturm gewappnet zu sein, habe man eigens bei der Hanseatischen Krankenkasse HEK eine Servicehotline speziell für City BKK Mitglieder eingerichtet. Auch hier habe man den Anfragenden mitgeteilt, dass die Aufnahme einer BKK zweckmäßiger sei. Begründet wurde dieser Hinweis damit, dass die HEK aufgrund anderer Rabattverträge mit den Pharmazierherstellern unter Umständen das gewohnte Arzneimittel nicht mehr zur Verfügung stellen könne. Wer zudem Pflegebedürftig sei, der müsse zusätzlich mit einer neuen Prüfung und zum Teil mit einem ungünstigeren Gutachten über zur Pflegestufe rechnen.

Bei der HEK betont ein Sprecher, dass man keine Mitgliedschaften ablehnen würde. Sehr wohl habe jede Krankenkasse eine Beratungspflicht, der man auch bei der HEK nachkomme, wie Torsten Kafka, Vizechef der Kasse, betont. Dazu gehöre es auch, auf „mögliche Nachteile“ aufmerksam zu machen, die bei einem Wechsel in die HEK auftreten könnten. Arzneiumstellungen oder Überprüfungen der Pflegestufe sind allerdings auch ohne Wechsel der Kasse möglich.

Betroffene sollten Anzeige erstatten
Krankenkassen, zu denen City BKK-Mitglieder wechseln wollten, hätten nur "den Aufnahmeantrag rauszuholen und mehr nicht", sagte Nowak. Wer geschilderte Äußerungen am Telefon erlebt, sollte sich den Namen, die einzelnen Äußerungen und die Uhrzeit aufschreiben. Nur so könne nachvollzogen werden, wer, was, wann und wo gesagt hat. "Dann haben wir wenigstens Ross und Reiter." sagte Nowak, der sich bis zur Schließung der City BKK für die Mitglieder engagiert.

Dem Bundesversicherungsamt (BVA) liegen bereits "einzelne Beschwerden" vor, denen man nun nachgehen werde, wie Sprecher Tobias Schmidt gegenüber der Nachrichtenagentur "AFP" sagte. Auch bestätigt man, dass einzelne Versicherte das „Gefühl hätten, nicht angenommen zu werden“. Allerdings sei dies bislang noch kein massenhaft aufgetretenes Phänomen, wie der BVA Sprecher betont. Oft würde es um „Kleinigkeiten“ wie zum Beispiel medizinische Hilfsmittel gehen.

Der Bundesverband der Betriebskassen „BKK“ rät allen Betroffenen, im Notfall eine Anzeige beim Bundesversicherungsamt zu stellen. Der Verband rechne aber damit, dass die „Aufregung nur einige Tage“ anhalten wird. Die Auswahl der Krankenkassen darf in keinem Falle beschnitten werden. Auch bereits bewilligtes Krankentagegeld, Behandlungen oder medizinische Eingriffe müssten die nachfolgenden Kassen bezahlen. Für weitergehende Fragen hat die City BKK eine Hotline eingerichtet: 0800- 255 44 33. (sb)