Cola und Salzstangen bei Durchfall?

Heilpraxisnet

Helfen Cola und Salzstangen bei Durchfall?

05.08.2013

Fasst jeder hat schon einmal de Tipp erhalten auf Cola und Salzstangen zurück zu greifen, wenn er an Durchfall erkrankt ist. Aber ist an dieser Empfehlung auch was dran oder handelt es sich hierbei einfach nur um einen Mythos? Eigentlich handelt es sich ja um eher ungesunde Lebensmittel.

Mal ist es ein Salat, der nicht richtig geputzt wurde, mal ein Brötchen, dass zu lange bei heißen Temperaturen in der Sonne lag. Oft sind es Viren, die uns nach einem Essen heimsuchen und das Mahl dann im Nachhinein doch vermiesen. Durchfall fühlt sich unangenehm an und entzieht dem Körper neben Wasser auch wichtige Nährstoffe. Für viele sind Cola und Salzstangen das Mittel erster Wahl, um den Verlust auszugleichen. Für unsere Zellen sind Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium essentielle Stoffe, die die Funktionen sicher stellen. Zucker hilft dabei die Salze aus dem Darm in den Körper zu transportieren.

Ein Mythos
Tom Ganten, Oberarzt der Gastroenterologie der Uni-Klinik Heidelberg sagt gegenüber "SPIEGEL" jedoch, dass diese Kombination nicht wirklich geeignet ist, um Durchfall zu bekämpfen. Cola enthält neben Zucker auch Koffein, was zumindest für Kinder problematisch und eher Durchfall fördernd sei.

Der Arzt gibt an: „Ferner führt der hohe Zuckergehalt zu einer vermehrter Wasserausscheidung über die Nieren. Unter Umständen verliert man dadurch noch mehr Flüssigkeit und wichtige Elektrolyte wie das Kalium." So kam eine Studie im Internal Journal of Clinical Practice sogar zu dem Ergebnis, dass große Mengen Cola von zwei bis drei Litern am Tag einen Kaliummangel hervorrufen können.

Gleichmäßige Flüssigkeitszufuhr hilft
"Natrium und Kalium werden im Körper eng reguliert", erklärt der Mediziner. "Das gelingt dem Organismus in der Regel selbst bei Durchfall noch, so lange alle Organe richtig arbeiten und die nötigen Substanzen verfügbar sind." Salzbrezeln allerdings enthalten vor allem Natrium und kaum Kalium. "Bei Durchfall gehen beide Elektrolyte verloren und sollten gleichmäßig wieder aufgenommen werden."

Bei schwerem und länger anhaltendem Durchfall kann eine anderen Handhabung sogar schwerwiegende Folgen haben, da Kalium unter anderem für die Stabilisierung der Zellmembran der Herzmuskelzellen zuständig ist und sich an der Steuerung des Herzrhythmus beteiligt. Ein Mangel kann zu Lähmungserscheinungen im Körper bis hin zu Herzrhythmusstörungen führen. Ein Natriummangel äußert sich durch Müdigkeit und Verwirrungszustände. Im Extremfall kann sich sich Wasser im Hirngewebe einlagern und ein Ödem entstehen lassen.

Elektrolythaltige Getränke statt Cola
"Zu Hause kann man sich so ein Getränk auch selbst zubereiten", erklärt Ganten. Dafür wird ein Teelöffel Salz in einen Liter abgekochtes Wasser gemischt werden. Das stellt die Natriumversorgung sicher. Auch in Apotheken lassen geeignete Mittel für die Einnahme finden. Der Saft von vier Orangen stellt die Kaliumzufuhr sicher.

Als letzte Zutat gibt man sieben Teelöffel Traubenzucker (Glukose) hinzu. Der Zucker liefert Energie und erleichtert es dem Körper, die Elektrolyte aus dem Cocktail aufzunehmen. Handelt es sich um eine leichte Durchfallerkrankung beruhigen Tee mit ein bisschen Zucker und Zwieback den Verdauungstrakt. "Viel Trinken ist oberstes Gebot", sagt Ganten. "Mindestens drei Liter am Tag bei Erwachsenen, je nach Schwere der Erkrankung kann auch sehr viel mehr nötig sein."

Um einschätzen zu können, ob die Wasserversorgung im Körper ausreichend ist liefert eine gut durchblutete Nase und feuchte Schleimhäute gute Anhaltspunkte. Tabletten hingegen sind für die Behandlung eher ungeeignet. Sie verschließen den Darm und entziehen dem Durchfall eine seine wichtigsten Funktionen: Er spült Viren, Bakterien und Giftstoffe aus dem Verdauungstrakt. Meist befallen diese den Dickdarm, der dafür zuständig ist, Wasser aufzunehmen.

Trockenes Brot und Äpfeln
Fängt der Magen an sich langsam an zu beruhigen, kann man beginnen trockenes Brot zu essen. Dazu ein wenig Apfel oder gekochte Karotten. "Beides enthält Pektine, die gut vertragen werden und Giftstoffe binden", sagt Ganten. Wer keinen Appetit auf einen festen Apfel habe, könne diesen auch klein raspeln und zu Brei verarbeiten.

"Nicht geeignet bei Durchfall sind dagegen Lebensmittel mit hohem Fettgehalt", so der Gastroenterologe. Sie überfordern das gereizte Verdauungssystem. Milch verhält sich ähnlich. "Viele Menschen vertragen den Milchzucker Laktose nicht, wenn der Darm gereizt ist." Ein Grund hierfür ist, dass das Enzym Laktase, das den Milchzucker im Dünndarm spaltet, bei einer Entzündung nicht in ausreichender Menge vorhanden ist – ähnlich wie bei einer Laktoseintoleranz.

Sollte der Durchfall einhergehen mit einem starken schwäche Gefühl und l nach drei Tagen nicht von alleine verschwunden sein oder befindet sich Blut ist mit im Stuhlgang, sollte man einen Arzt aufsuchen. Das gelte in besonderem Maß für Kinder und alte Menschen, so Ganten. Wenn man die Haut zusammenkneift und die Falten stehen bleiben, dunkel gefärbter Urin oder fehlende Urinausscheidung seien Hinweise auf extremen Flüssigkeitsmangel. "Dann muss direkt ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden." Fazit: Leicht gesüßter Tee, Zwieback und Elektrolytlösungen unterstützen den Körper bei Durchfall besser als Cola und Salzstangen. (fr)

Bild: tokamuwi / pixelio.de