Comeback des Antibiotikums Trimethoprim

Astrid Goldmayer

Antibiotikum Trimethoprim könnte in bestimmten Region erfolgreich gegen Streptokokken eingesetzt werden

20.03.2014

Das Antibiotikum Trimethoprim könnte zukünftig wieder verstärkt zum Einsatz kommen. Bisher gingen Fachleute davon aus, dass Streptokokken gegen das Mittel resistent sind. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig kamen mit dem Nationalen Referenzzentrum für Streptokokken in Aachen jedoch zu dem Schluss, dass es sich dabei um einen Irrtum handelt. Vor allem in weniger entwickelten Ländern könnte das Antibiotikum aufgrund seiner Wirksamkeit gegen die Bakterien angewendet werden.

Geringe Resistenz von Streptokokken gegen Antibiotikum Trimethoprim
Das Bakterium Streptococcus pyogenes verursacht unter anderem Entzündungen der Haut sowie Scharlach. Zu den Spätfolgen der Infektionen gehören rheumatisches Fieber und Nierenentzündungen. Hierzulande verschreiben Ärzte meist Penicillin gegen Streptokokken. Das Antibiotikum Trimethoprim wird normalerweise nicht verordnet, da man in Fachkreisen der Ansicht war, dass die Bakterien von vornherein eine Resistenz gegen das Mittel aufweisen. Im Rahmen einer Studie, bei der Proben infizierter Patienten aus Deutschland und Indien auf ihre Resistenz gegen Trimethoprim ausgewertet wurden, fanden Dr. Patric Nitsche-Schmitz vom HZI und sein Team heraus, dass das Ausmaß der Resistenzen wesentlich geringer ist als angenommen. „Das zeigt, dass Trimethoprim bei vielen Infektionen mit Streptococcus pyogenes wirksam ist“, erläutert Nitsche-Schmitz. Die falsche Annahme basierte auf früheren Studien, in denen ein „Nährmedium verwendet wurde, das die antimikrobielle Wirkung von Trimethoprim abschwächt“, heißt es in einer Mitteilung des HZI.

Antibiotikum Trimethoprim könnte insbesondere in weniger Entwickelten Länder eingesetzt werden
Die Braunschweiger Wissenschaftler interessierten sich auch für die Fälle, in denen das Antibiotikum nicht wirkte. Dabei entdeckten sie verschiedene Ursachen für die Resistenz. „Im Gen für die Dihydrofolatreduktase können spontan Mutationen stattfinden, so dass Trimethoprim das dadurch veränderte Enzym nicht mehr angreifen kann und wirkungslos wird“, berichtet Nitsche-Schmitz. In vielen der Proben wiesen die Forscher eine Mutation dieses Gens nach. Hinzu kommt, dass Bakterien in der Lage sind, Kopien veränderter Varianten des Dihydrofolatreduktase-Gens untereinander weiterzugeben. Auf diese Weise verbreiten sich Resistenzen sehr schnell. Die Braunschweiger identifizierten zwei dieser Gene als weiteren Grund für die Resistenz. „Wir haben drei Ursachen für die schnelle Verbreitung von Resistenzen gefunden“, berichtet Nitsche-Schmitz.

Das Mittel könnte insbesondere in weniger entwickelten Ländern zum Einsatz kommen, da dort teures Penicillin kaum verfügbar ist. Zudem wirkt es nicht gegen das Bakterium Staphylococcus aureus, das häufig eine Ko-Infektion verursacht. Trimethoprim bekämpft dagegen beide Bakterienarten. „Wichtig ist, wie bei allen Antibiotika, dass Trimethoprim nicht unnötig verschrieben wird und die Patienten es wie verordnet einnehmen“, betont Nitsche-Schmitz. „Es ist wie ein Schwert, das schnell an Schärfe verliert.“ Ihre Studienergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Antimicrobial Agent and Chemotherapy“. (ag)

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Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de