COPD: Jeder Vierte leidet an der Lungenkrankheit

Sebastian

Laut einer Metastudie erkrankt jeder Vierte im Laufe seines Lebens an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD

10.09.2011

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD ist weitaus stärker verbreitet, als bislang angenommen. Laut einer Studie kanadischer Forscher erkrankt heute jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens an der nicht heilbaren Lungenkrankheit. Die Schäden an der Lunge sind oft irreversibel und fortschreitend.

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Jeder vierte Mensch wird im Verlauf seines Lebens an der nicht reversiblen chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) erkranken. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie kanadischer Wissenschaftler der Universitätsklinik in Toronto. Die schwere Krankheit wird vor allem durch Zigarettenhabitus und Umweltschadstoffe ausgelöst. In einer Risikoanalyse fanden die Mediziner heraus, dass das Erkrankungsrisiko 3-fach dem eines Herzinfarktes überwiegt. Damit ist das Risiko in etwa so gleichbedeutend einer Asthma-Erkrankung und Diabetes.

Jeder vierte Mensch verstirbt an einer COPD
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die zumeist durch das Rauchen ausgelöste COPD die viert häufigste Todesursache auf der Welt. Was viele als „Rauchlunge“ verbunden mit einem Raucherhusten verharmlosend bezeichnen, gilt heute als einer der schwersten Krankheiten überhaupt. Fast 22 Prozent der Menschen ab 40 Lebensjahren sind laut Schätzungen der WHO bereits chronisch an der Lunge erkrankt. Bis zum Jahre 2030 kann die COPD zur dritthäufigsten Todesursache nach Schlaganfall und Herzinfarkt avancieren. Unter den häufigsten Klinikeinweisungen ist die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit bereits heute mitführend. „Das bedeutet eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem“, wie ein Sprecher der WHO betonte.

Hauptgrund für die schwere Erkrankung der Lungenflügel ist das Rauchen. In 90 Prozent der Fällen hat sich der vielmals verharmloste Raucherhusten in einen chronischen Dauer-Husten verwandelt. „Obwohl die COPD tödlich, therapeutisch sehr teuer und häufig obendrein auftritt, gab es bislang keine verlässlichen Zahlen darüber, wie hoch das Erkrankungsrisiko in der breiten Bevölkerung ist", wie das Forscherteam in dem Studienbericht schreibt.

Höheres Risiko als Brustkrebs oder Prostatakrebs
Um die Risikoabschätzung zu erheben, werteten die Lungenspezialisten die Patientendaten von 13 Millionen Menschen der kanadischen Provinz Ontario aus. Über einen Zeitraum von 14 Jahren ermittelten sie, wie oft die Menschen an COPD erkrankten. Hierbei wurden nur die Gesundheitsdaten der unter 80jährigen bedacht, da die durchschnittliche Lebenserwartung in Kanada bei etwa 80 Lebensjahren liegt. Ein offensichtliches Ergebnis der Analyse war zudem, dass eine Frau im mittleren Alter (35 Jahre) eine etwa dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit besitzt, statt an Brustkrebs an COPD zu erkranken, wie die Studienautorin Andrea Gershon von der University of Toronto schreiben. Bei Männer liegt die Risikoschätzung für COPD etwa dreifach erhöht gegenüber dem für Prostatakrebs. Als weitere beeinflussende Faktoren spielten Einkommen, sozialer Status und Stadtleben eine Rolle. Wer demnach über ein geringes Einkommen verfügt und zusätzlich in der Stadt wohnt, ist wahrscheinlicher von der schweren Lungenkrankheit betroffen, als andere mit höherem Einkommen und Landleben.

Von den untersuchten 13 Millionen Menschen erkrankten während des veranschlagten Zeitraums 580.000 Menschen an der chronischen Lungenerkrankung. Die Diagnose COPD wurde im Verlauf der vierzehn Jahre bei fast 30 Prozent der Männer und bei Frauen in 25 Prozent der Probanden gestellt. „Um so älter die Probanden, um so höher auch das COPD-Risiko“ lautet eine der Hauptaussagen. Bei den 35 bis 49 Jährigen erkrankten rund 85.000 Frauen und Männer. In der Altersgruppe der 70 bis 79 wurde COPD bei über 180.000 Menschen diagnostiziert. Die Experten errechneten ein COPD Gesamtrisiko für alle Menschen von über 27 Prozent. Demnach erkrankt jeder vierte Menschen im Laufe seines Lebens an COPD.

Kaum Hintergrundwissen in der Bevölkerung
Obwohl die Ergebnisse eine eindeutige Sprache sprechen, „scheint die breite Öffentlichkeit noch immer kaum etwas über COPD und seine gesundheitliche Bedeutung zu wissen", mahnen die Mediziner. Ein Ziel der Studie war, die Menschen wach zu rütteln, um auf die Gefahren von COPD aufmerksam zu machen. Die Öffentlichkeit solle der Lungenkrankheit „mehr Aufmerksamkeit schenken“, damit eine „bessere finanzielle Förderung für die Behandlung und Betreuung der Patienten und ebenso für die Forschung“ zustande kommt, so die Hoffnung der Forscher.

Erste Warnsymptome der chronischen Lungenkrankheit
Die COPD kündigt sich mit dem Husten am Morgen, anhaltenden Raucherhusten und Atemnot an. Legt der Betroffene nicht sofort einen Rauchstopp ein und lässt sich von einem Lungenfacharzt nicht sofort behandeln, kann das Voranschreiten nicht mehr umgekehrt werden. So entstehen nicht reparable Entzündungen und Veränderungen der Lungenbläschen, die zu einer Sauerstoff-Unterversorgung des Organismus führt. Der Betroffene verspürt bereits bei leichten Anstrengungen starke Erschöpfungszustände, Husten mit Auswurf, Atemnot und Schwitzen.

Verschiedene Stadien der von COPD
Zu beachten ist, dass die COPD international gültig in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt wird. Im Schweregrad I besteht bereits der typische Husten mit Auswurf. Da die Beeinträchtigung der Lunge noch nicht massiv sind, bemerken die Betroffenen bis auf den oft auftretenden Husten keinerlei Einschränkungen. Im mittleren Grad der Stufe II verspüren die meisten bereits neben dem Husten auch Beeinträchtigungen bei körperlicher Anstrengung. In der Stufe III leiden die Erkrankten an den genannten Symptomatiken, allerdings in in weitaus höherem Umfang. In der letzten Stufe kommt die chronische respiratorische Insuffizienz hinzu, bei der die Einsekundenkapazität beim Ausatmen um mehr als 50 Prozent reduziert ist. Die Patienten haben dann mit einer Verschlechterungen des Krankheitsverlauf zu kämpfen. In diesem Stadium besteht eine akute Lebensgefahr für den Patienten. Die beste Vorsorge ist der sofortige Rauchstopp und Ausgleichssport. (sb)