COPD-Risiko: Raucherhusten hat oft seinen Ursprung in der Kindheit

Alexander Stindt

Unsere Kindheit wirkt sich stark auf das COPD-Risiko aus

Forscher fanden jetzt heraus, dass drei Viertel aller Fälle von chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) auf Expositionen im Kindesalter zurückgeführt werden können. Das Risiko eine solche Erkrankung zu entwickeln, erhöht sich beispielsweise durch Krankheiten wie Asthma, Bronchitis und Pneumonie. Die Wahrscheinlichkeit wird zusätzlich erhöht, wenn die Eltern Raucher sind.


Die Wissenschaftler der University of Melbourne stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass viele Fälle von chronisch obstruktiver Lungenerkrankung durch verschiedene Expositionen in der Kindheit entstehen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Lancet Respiratory Medicine“.

Verschiedene Faktoren in der Kindheit erhöhen das Risiko im späteren Leben an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung zu leiden. (Bild:pathdoc/fotolia.com)

Was ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung?

Eine sogenannte chronisch obstruktive Lungenerkrankung (auch als Raucherhusten bekannt) bezeichnet eine Gruppe von verschiedenen Lungenerkrankungen, welche Atembeschwerden einschließlich Emphysem und chronischer Bronchitis verursachen. Diese Beschwerden betreffen hauptsächlich Raucher mittleren Alters oder ältere Erwachsene. Rauchen bleibt weiterhin der größte Risikofaktor für COPD. Aber die neuen Ergebnisse legen nahe, dass auch Kinderkrankheiten wie Asthma, Bronchitis, Pneumonie und das Rauchen der Eltern Einfluss auf die Entstehung der Erkrankung haben. COPD wird häufig auch als Raucherhusten bezeichnet.

Ergebnisse könnten die Behandlung von Lungenerkrankungen verbessern

Es könnte ein Zeitfenster in der Kindheit geben, in dem das Risiko einer schlechten Lungenfunktion im späteren Leben reduziert werden kann, mutmaßen die Forscher. Die Mediziner identifizierten verschiedene Wege, wie sich die Lungenfunktion im Laufe des Lebens verändert und im späteren Leben mit unterschiedlichen Risikofaktoren und Krankheitsrisiken assoziiert ist. Diese Erkenntnisse sind besonders wichtig für die Prognose, Prävention und Behandlung von Lungenerkrankungen.

Mediziner untersuchten über 2.400 Probanden

Die von der University of Melbourne durchgeführte Untersuchung umfasste insgesamt 2.438 Teilnehmer, welche an der sogenannten Tasmanian Longitudinal Health Study teilgenommen hatten. Diese überwachte die Probanden von der Kindheit bis zum Alter von 53 Jahren. Damit ist sie eine der größten und am längsten laufenden Studien dieser Art. Die Lungenfunktion wurde im Alter von sieben, 13, 18, 45, 50 und 53 Jahren gemessen, und die Exposition der Teilnehmer gegenüber verschiedenen Risikofaktoren wurde ebenfalls aufgezeichnet.

Verschiedene Wege führen zu COPD

Die Autoren identifizierten sechs verschiedene Wege, welche beschreiben, wie sich die Lungenfunktion mit dem Alter verändert, von ihnen sind drei mit COPD assoziiert. Diese drei Wege umfassten unterdurchschnittliche Lungenfunktion im frühen Leben, eine schnelle Abnahme der Lungenfunktion im späteren Leben und anhaltende niedrige bzw. unterdurchschnittliche Lungenfunktion. Diese drei unterschiedlichen Wege wurden schätzungsweise mit etwa drei Viertel (insgesamt 75,2 Prozent) aller COPD-Erkrankungen im Alter von 53 Jahren in Verbindung gebracht.

Außerdem waren die genannten Erkrankungswege auch mit Asthma im Kindesalter, Bronchitis, Lungenentzündungen, allergischer Rhinitis, Ekzemen, Asthma-Erkrankungen der Eltern und deren Tabakkonsum verbunden, erläutern die Experten. Die Risikofaktoren seien für Kinder wichtige Indikatoren für das COPD-Risiko, welche durch Rauchen und Asthma im Erwachsenenalter noch weiter verschlimmert würden, sagen die Autoren. Dies verstärkte den bereits durch Risikofaktoren in der Kindheit verursachten Schaden und führe möglicherweise zu einem schnelleren Rückgang der Lungenfunktion.

Menschen mit Asthma sollten angemessen behandelt werden

Es ist wichtig, dass Eltern das Rauchen reduzieren und die Immunisierung fördern, um gesunde Lungenfunktionswege zu begünstigen. So kann das COPD-Risiko minimiert werden, insbesondere für Menschen mit geringer Lungenfunktion im Kindesalter oder rauchenden Eltern. Im besten Fall sollten die Eltern das Rauchen aufgeben. Alle Menschen mit Asthma sollten außerdem eine angemessene Behandlung erhalten, da dies für den Erhalt der Lungenfunktion von entscheidender Bedeutung sein kann, erläutern die Wissenschaftler.

COPD wird im Jahr 2030 weltweit die dritthäufigste Todesursache sein

Diese Ergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit der Prävention sowohl bei Expositionen im frühen Leben, welche zu einem schlechteren Lungenwachstum führen können, als auch bei Risikofaktoren für Erwachsene, die zu einem beschleunigten Lungenabfall beitragen, sagt Studienautor Professor Shyamali Dharmage von der University of Melbourne. COPD werde voraussichtlich bis zum Jahr 2030 weltweit die dritthäufigste Todesursache sein. „Es ist wichtig, dass wir die wichtigsten Ursachen identifizieren, damit diese Belastung verringert werden kann“, fügt der Experte hinzu.

Zweite Untersuchung umfasste 2.632 Probanden

Bei einer zweiten Studie wurden 2.632 Teilnehmer von der Geburt bis zum Alter von 24 Jahren medizinisch überwacht und die Lungenfunktion wurde gemessen. Es stellte sich heraus, dass sich bei etwa drei Viertel der Säuglinge mit schlechter Lungenfunktion im Alter von einem bis sechs Monaten eine Verbesserung der Lungenfunktion während der gesamten Kindheit zeigte, was auf ein mögliches Zeitfenster hindeutet, indem die Lungenfunktion erhöht und so das COPD-Risiko im späteren Leben reduziert wird. Die Autoren der Studie sagen, dass diese vorgeschlagenen Interventionen zur Maximierung des Lungenwachstums in der frühen Kindheit das Risiko für COPD im höheren Alter verändern könnten. (as)