Coronaviren fordern neue Todesopfer

Nina Reese

Neu entdecktes Coronavirus grassiert im Osten Saudi-Arabiens

02.04.2013

Der vor einem Jahr entdeckte neuartigen „Coronavirus“ hat nun innerhalb weniger Tage im Osten Saudi-Arabiens fünf Todesopfer gefordert, zudem seien laut des dortigen Gesundheitsministeriums zwei weitere Personen erkrankt, die derzeit auf der Intensivstation behandelt werden würden. Um weitere mutmaßliche Betroffene ausfindig machen zu können, würden nun nach Angaben der Behörden in Riad alle erdenklichen Vorsichts-Maßnahmen ergriffen – wie viele Personen davon betroffen sind, ist jedoch bisher nicht klar.

Virus ähnelt der Atemwegserkrankung SARS
Das so genannte „Coronavirus hCoV-EMC“ (humanes Coronavirus-Erasmus Medical Center) ähnelt dabei der vor zehn Jahren auf der ganzen Welt wütenden Atemwegserkrankung „SARS“ (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom), wobei davon auszugehen ist, dass teilweise eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich ist. Doch anders als bei SARS führt das Coronavirus unter anderem zu schnellem Nierenversagen – seit dem dieses erstmals im Juni 2012 in Saudi-Arabien bei einem 60-jährigen Mann gefunden wurde, starben bislang 23 Infizierte. Erst Ende März war in München ein 73-Jähriger Patient an dem Virus gestorben, der zur Behandlung aus Abu Dhabi nach Deutschland eingeflogen worden war. Auch in der Uniklinik Essen wurde ein Patient aus dem arabischen Raum eingeliefert, wobei die Ärzte zunächst nicht ahnten, dass der Patient sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben könnte und ihn deshalb zunächst vier Wochen ohne besondere Schutzmaßnahmen behandelten – doch die Therapie schlug an und der Patient überlebte.

Weg des Virus in den menschlichen Körper bereits geklärt
Wie der Erreger in den menschlichen Körper gelangt – dass konnte ein internationales Team mittlerweile in Laborversuchen klären: So nutzt das Virus nicht wie der Sars-Erreger einen Rezeptor, sondern stattdessen das Enzym DPP4 (Dipeptidylpeptidase 4), das sich an der Oberfläche vieler Zellen befindet. Die Forschung hofft nun, dass dieses Wissen die Entwicklung von Behandlungsmaßnahmen vorantreibt.

WHO warnt vor Risiken durch Coronaviren
Wie Heilpraxisnet.de bereits berichtete, hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst kürzlich vor der Ausbreitung des Virus gewarnt, denn welch epidemiologisches Potenzial Coronaviren möglicherweise entwickeln könnten, hätte die SARS-Pandemie vor rund zehn Jahren verdeutlicht: Damals waren bei dem bisher einzigen größeren Ausbruch der Infektionskrankheit weltweit rund 8400 Menschen infiziert worden, 900 Erkrankte kamen ums Leben. Daher sei laut der WHO generell eine aufmerksame Beobachtung wichtig, Patienten mit unerklärbaren Lungenentzündungen oder komplizierten Atemwegserkrankungen, bei denen Medikamente keine Wirkung zeigen, sollten dementsprechend auf das Virus hin untersucht werden, denn Coronaviren sind aus Experten-Sicht in den meisten Fällen der Auslöser für Erkältungen.

Gesellschaft für Virologie gibt Entwarnung
Anderer Meinung ist hingegen die Gesellschaft für Virologie, die erst vor einigen Wochen Entwarnung vor dem neuen Coronavirus gegeben hat. Demnach ginge von dem Virus keine unmittelbare Gefahr für die Allgemeinheit aus und eine Epidemie wie damals bei SARS sei dementsprechend nicht zu befürchten, denn da das Virus in erster Linie die tieferen Abschnitte des Atemtrakts befalle, sei für eine Ansteckung ein enger Kontakt notwendig – dementsprechend waren auch die bisher bekannt gewordenen Übertragungen von Mensch zu Mensch nur unter engen Familienmitgliedern erfolgt. Marburger Virolgen hatten zudem im Rahmen einer Untersuchung die guten Behandlungsmöglichkeiten des Corona-Virus nachgewiesen: So könne das Virus zwar die körpereigene Abwehr effektiv ausschalten, wogegen aber nach Ansicht der Forscher der Wirkstoff Interferon wirkungsvoll eingesetzt werden könne. (nr)