Crystal die gefährlichste Droge auf dem Markt

Fabian Peters

Synthetische Droge Crystal auch in Deutschland immer stärker verbreitet

15.08.2012

Dem Drogen- und Suchtbericht 2012 der Bundesregierung zufolge, hat der Konsum der Droge Crystal deutschlandweit deutlich zugenommen. Der Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP) zufolge eine besorgniserregende Entwicklung, da Crystal extrem gefährlich ist und schon geringste Mengen süchtig machen könne.

Mehr zum Thema:

Nach Angaben der Expertin ist Crystal die gefährlichste, derzeit auf dem Markt verfügbare Droge. „Crystal wirkt anregend, löst oft ein Euphoriegefühl aus“ und „steigert zum Beispiel den Bewegungs- und Rededrang“, so die Erläuterung im Drogenbericht zu der Wirkung der Droge. Auch werde der Schlaf- und Wachrhythmus erheblich gestört. Dies ist jedoch nur die unmittelbare Wirkung. Darüber hinaus drohen psychisch Abhängigkeit, Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen, Angststörungen, Hautrötungen, Herzrasen sowie Haarausfall und Verlust der Zähne.

Abhängig nach dem ersten Konsum
Nach Einschätzung der Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Psychiater, Christa Roth-Sackenheim, ist Crystal „eigentlich die gefährlichste Droge, die im Moment auf dem Markt ist.“ Bereits einmaliger Konsum könne süchtig machen, wobei geringste Mengen von einem Zehntel Gramm ausreichen, erläuterte die Expertin. Bei Personen, die bereits eine Drogenkarriere durchlebt haben (sogenannte „heavy user“) entstehe die Abhängigkeit vermutlich erst bei etwas größeren Mengen, doch das Risiko bleibe das gleiche. Wie die BVDP-Vorsitzende berichtet, ist „Crystal offenbar in der Lage, sehr schnell in die Hirnchemie einzugreifen“ und so eine Abhängigkeit zu initiieren.

Crystal-Wirkung hält bis zu zwölf Stunden an
Von den Konsumenten wird die synthetische Droge meist geschnupft, gelegentlich auch geraucht oder in Wasser gelöst getrunken. Dem Drogen- und Suchtbericht 2012 zufolge wird Crystal jedoch „zunehmend auch intravenös gebraucht.“ Die Wirkung setzt schnell ein und kann für zwölf Stunden anhalten. „Man fühlt sich sehr gut, hat keine Schmerzen, fühlt sich geliebt, ist euphorisch“, beschreibt Christa Roth-Sackenheim den Effekt des Konsums. Die Betroffenen haben keinen Hunger, zeigen keine Müdigkeit, sind voller Selbstvertrauen und verlieren ihre menschlichen Grundängste, erläuterte die Expertin. Dies geschehe „auch Leuten, die sonst von der Persönlichkeit her ganz anders sind", so die BVDP-Vorsitzende weiter.

Persönlichkeitszerfall durch die synthetische Droge
Das Gefühl der Crystal-Konsumenten hat mit ihrem tatsächlichen Zustand in der Regel jedoch wenig gemein. Nicht selten entstehen bei einer angeborenen Neigung zum Beispiel Wahnvorstellungen in Folge des Crystal-Konsums, erläuterte Roth-Sackenheim. Gleiches gelte auch für Cannabis, wo bei entsprechender Veranlagung ebenfalls Geisteskrankheiten wie Psychosen oder Phobien drohen. Von Crystal werden die Konsumenten jedoch extrem leicht abhängig und auch ohne besondere erbliche Vorbelastung neigen die meisten Betroffenen zu einem dramatischen Persönlichkeitszerfall. Vergleichsweise bleibe die Persönlichkeit bei anderen harten Drogen wie Kokain oder Heroin noch relativ gut erhalten, da Abhängige zum Beispiel weiterhin ihrem Job nachgehen können, erläuterte die BVDP-Vorsitzende.

Crystal-Süchtige sind nur schwer zu therapieren
Crystal-Süchtige zeigen in Folge ihres Drogenkonsums auch einen typischen körperlichen Zerfall verbunden zum Beispiel mit einem erheblichen Gewichtsverlust oder einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte. Die Haut leidet ebenfalls unter dem Konsum, Juckender Hautausschlag ist die Folge. Des Weiteren wird das Herz in Mitleidenschaft gezogen, wodurch schlimmstenfalls ein Herzinfarkt droht. Insgesamt wird die billig herzustellende synthetische Droge von den Experten als potentiell lebensgefährlich eingestuft und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Zumal sich die Therapie laut Aussage von Christa Roth-Sackenheim meist äußerst schwierig gestaltet. „Wenn wir Glück haben und die Leute sind am Anfang ihrer Suchtkarriere, kann man sie in Einzelfällen ambulant behandeln“, erläuterte die BVDP-Vorsitzende und ergänzte, dass in den meisten Fällen jedoch eine intensive Behandlung in einer Klinik erforderlich sei. Auch hier wissen die Therapeuten jedoch häufig nicht wie sie am besten vorgehen sollen, da Wirkung der Suchtsubstanzen des Crystal auf das Gehirn oft unklar bleibt, erläuterte die Expertin. Laut Christa Roth-Sackenheim ist „es eine medizinische Herausforderung, die Leute davon wieder wegzubringen.“ Vor dem Konsum ist dringend zu warnen. (fp)