Cyberchonder: „Sich krank googeln“

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sich krank googlen

Ein neues Phänomen existiert im World Wide Web: Die Suche nach der Selbstdiagnose, genannt "Cyberchonder". Bei Anzeichen von Schmerzen oder körperlichen Symptomen suchen viele Menschen im Internet nach möglichen Ursachen. Viele Internetnutzer geben ein Krankheitssymptom in die Suchmaschine ein und suchen sich die vermeintlich entsprechende Krankheit heraus. So kann aus einer Rückenverspannung schnell eine "schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung" werden, weil viele dazu neigen, sich die schwerste Erkrankung herauszusuchen. Die Betroffenen fühlen sich danach subjektiv körperlich viel schlechter, als zuvor.

Laut einer Studie von Microsoft- Forschern, erachten viele Menschen ihren körperlichen Zustand als viel schlechter, als dieser in Realität tatsächlich ist.
Laut einer Studie von Microsoft-Forschern, erachten viele Menschen ihren körperlichen Zustand als viel schlechter, als dieser in Realität tatsächlich ist. Die Angst löst bei vielen Menschen zusätzliche Symptome aus, die sie zuvor eigentlich nicht spürten. Im Rahmen einer Microsoft Langzeitstudie, die spezifische gesundheitsbezogene Suchabfragedaten von insgesamt 515 Menschen untersuchte, kam heraus, dass die Art und Menge der gesuchten Ergebnisse in einem direkten Verhältnis zur "Übertreibung der eigenen Krankheit" stehen. "Unsere Studie zeigt, dass Internet-Suchmaschinen das Potenzial haben, medizinische Bedenken in negativer Hinsicht ausufern zu lassen", schlussfolgert die Studie von Microsoft. Viele Menschen nehmen unreflektiert jede Information an und schenken den angebotenen Ergebnissen zu schnell Glauben. Viele medizinische Internetportale weisen nur ungenügend darauf hin, dass die Ursachen für bestimmte Symptome meistens bei recht harmlosen Verspannungen oder Krankheiten zu finden sind. Gerade schulmedizinische Portale weisen nur in einem geringen Maße auf psychosomatische Ursachen hin. Zu schnell erfährt der Internetnutzer, dass sein Symptom eine folgenschwere Krankheit sein kann. Die Microsoft-Mitarbeiter betonen: „Das Internet hat das Potenzial, die Ängste der Menschen drastisch zu verstärken.“ Wer also schon zuvor in der ständigen Angst lebt an einer unheilbaren Krankheit zu leiden, wird mit Sicherheit webbasierte Inhalte finden, die die Angst verstärken.

Wir weisen darauf hin, dass allein aufgrund eines Symptoms keine abschließende Diagnose gestellt werden kann. Die Vielzahl von Erkrankungen weisen sehr unterschiedlicheauf. Verschiedenehaben auch verschiedene Symptome, die sich vielfältig äußern. Auch die Microsoft-Forscher weisen in ihrer Studie auf diesen Umstand hin: „Das ist schon deshalb äußerst problematisch, weil verschiedene Krankheiten oftmals die selben Symptome haben können."

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Ein medizinisches Internetportal kann niemals den Besuch bei einem Arzt oder Heilpraktiker ersetzen!
Es ist wichtig, die angebotenen Informationen im Internet kritisch zu betrachten. Ein medizinisches Internetportal kann niemals den Besuch bei einem Arzt oder Heilpraktiker ersetzen. Die Informationen sollten höchstens dazu genutzt werden, um beispielsweise mit dem Arzt gemeinsam nach möglichen Ursachen von Beschwerden zu forschen. Betroffene sollten sich bewusst sein, dass eine sogenannte Selbstdiagnose aufgrund medialer Inhalte die vermeintlichen Beschwerden verstärken können. (Sb, 18.09.2009)