DAK-Bericht: Komasaufen bei Jugendlichen nimmt zu

Fabian Peters

Das sogenannte Komasaufen bei Jugendlichen in Deutschland nimmt laut einer Studie der Krankenkasse DAK dramatisch zu.

02.12.2010

Die Meldungen über jugendliche Komasäufer nehmen stark zu und zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Heranwachsenden im Umgang mit Alkohol. An „Alkoholgenuss“ im Sinne des Wortes erinnert bei den Saufgelagen der Jugendlichen nichts mehr. Ihr Hauptanliegen so scheint es: in kürzester Zeit einen Vollrausch erreichen und alles andere vergessen.

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Die DAK hat nun basierend auf den Angaben der statistischen Landesämter ihre aktuellen Zahlen zu den Fällen von Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen für Nordrhein-Westfalen und Hessen veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Zahl der Komasäufer unter den Jugendlichen erheblich zugenommen hat, was auch den bundesweiten Trend widerspiegelt. So hat zum Beispiel die Zahl der minderjähriger Komasäufer in NRW mit 6.578 Klinikeinweisung aufgrund von Alkoholmissbrauch ihren bisherigen Höchststand erreicht. Sieben Prozent mehr Jugendliche als noch im vorherigen Jahr mussten demnach wegen des massiven Alkoholkonsums auf der Intensivstation behandelt werden. Allein in der Stadt Köln mussten im Jahr 2009 nach Angaben des städtischen Gesundheitsamtes rund 800 Minderjährige, überwiegend Mädchen, wegen eines Vollrausches ärztliche behandelt werden. Auch in Hessen hat die Zahl der Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, mit 1.690 Fällen ihren bisherigen Höchststand erreicht. Die Zahl der jugendlichen Komasäufer ist hier seit 2008 um rund vier Prozent gestiegen. „Seit 2003 sind die alkoholbedingten Klinik-Einlieferungen stark angestiegen“, betonte Hessens DAK-Landeschef, Michael Hübner und ergänzte: „Die aktuellen Zahlen sind alarmierend.“

Den Zahlen der Statistischen Landesämter zu Folge hat der Zahl der klinisch zu behandelnden Alkoholmissbrauchsfälle bei jungen Menschen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren in den letzten sechs Jahren teilweise um mehr als 70 Prozent zugenommen. Umso wichtiger ist nach Einschätzung der DAK die Prävention. Mit ihrer Kampagne „bunt statt blau“, die direkt an die Schulen geht und dort über die Folgen des Alkoholmissbrauchs aufklärt, hofft die DAK dem stark gestiegenen Alkoholkonsum unter den Jugendlichen ein Stück weit entgegenzuwirken. So sollen im nächsten Jahr allein in Hessen mehr als 570 Schulen angeschrieben und zum Mitmachen aufgefordert werden, erklärte die DAK.

In Köln wurde am Kinderkrankenhaus an der Amsterdamer Straße außerdem das Projekt „Halt Cologne“ ins Leben gerufen, bei dem Jugendliche und deren Eltern in einer Situation angesprochen werden sollen, in der sie geschockt und voller Scham sind. Just bevor die jungen Patienten, welche mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert wurden, das Krankenhaus verlassen, suchen die Ärzte der Kinderklinik das Gespräch mit ihnen und ihren Eltern. Erklären die Erziehungsberechtigten und die Jugendlichen sich einverstanden, ziehen die Ärzte einen Sozialarbeiter der Drogenhilfe hinzu, der noch in der Klinik einen kritischen Diskurs mit den Betroffenen beginnt. Direkt nach einem solch einschneidenden Erlebnis sei der richtige Zeitpunkt, da „dann (…) viele an einem Punkt (sind), an dem sie bereit sind, innezuhalten“, erklärte die Gesundheitsdezernentin der Stadt Köln, Agnes Klein. „Wir haben nun die Möglichkeit, ihnen in dieser Phase professionelle Hilfe zukommen zu lassen“, so die Gesundheitsdezernentin weiter. Auch Thomas Hambüchen von der Drogenhilfe Köln lobte das Projekt, denn „der Zeitpunkt ist ideal, wir nutzen den schwachen Moment aus, damit es später besser wird“ so der Experte. Gemeinsam mit den Jugendlichen erörtern die Sozialarbeiter nicht nur wie es zu dem Totalausfall kommen konnte, sondern auch welche Probleme die Heranwachsenden sonst noch belasten, die beim Alkoholmissbrauch ein Rolle gespielt haben könnten.

Die Angaben der DAK zeichnen insgesamt zwar ein recht düsteres Bild, in Bezug auf den Alkoholmissbrauch der Jugendlichen, doch es gibt auch Hoffnungsschimmer. So ist die Zahl der jugendlichen Komasäufer in Sachsen von 2008 bis 2009 um rund 16 Prozent zurückgegangen. Ein erheblicher Erfolg, der nicht zuletzt auf die intensive Aufklärungsarbeit zurückzuführen ist. Herbert Mrotzeck, DAK-Landeschef in Sachsen betonte angesichts der aktuellen Zahlen: „Der Rückgang beim Alkoholmissbrauch insgesamt ist zwar erfreulich (…), aber es gibt noch keinen Grund zur Entwarnung. Wir dürfen in unserem Engagement und der breiten Aufklärung in Schulen jetzt nicht nachlassen.“ (fp)