Darmbakterien im Trinkwasser: 230.000 betroffen

Sebastian

Kolibakterien im Erfurter Trinkwasser

10.07.2012

Erfurt. Etwa 230.000 Einwohner in Erfurt und Umgebung werden dazu aufgerufen, das Leitungswasser abzukochen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden besteht derzeit eine Kontaminierung des Trinkwassers mit Colibakterien die zu Darmerkrankungen führen können. Nach dem es bereits zu Engpässen gekommen ist, haben die Supermarktketten angekündigt, ihre Wasservorräte stark aufzufüllen, um für eine ausreichende Wasserversorgung zu sorgen.

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Grenzwerte mit Darmbakterien überschritten
Wie das Erfurter Gesundheitsamt berichtet, wurden die Grenzwerte für Colibakterien signifikant überschritten. Um die bakterielle Verunreinigung des Trinkwassers zu mindern, hat das Thüringer Wasserunternehmen „Wasser GmbH“ das Zusetzen von Chlor erhöht. „Dadurch werden die gesundheitsgefährdenden Erreger abgetötet“, erklärte eine Sprecherin des Wasserversorgers. Unterdessen warnte das Gesundheitsamtsamt vor dem Verzehr von nicht gekochtem Wasser aus der Wasserleitung. Besonders vorsichtig sollten Menschen in der Stadt Erfurt, in den Kreisen Sömmerda, Gotha, Henschleben, Döllstädt und Wandersleben sein, wie eine Sprecherin der Stadtwerke Erfurt erklärte. Gleiches gelte auch für den Ortsteil Molsdorf in Erfurt.

Am Montag wurden bei Routineuntersuchungen in mehreren Proben ein erhöhter Wert von Darmbakterien gemessen. Allerdings sei „die Belastung eher gering, für Kolibakterien ist jedoch ein Nullwert im Trinkwasser vorgeschrieben“, erklärte die Sprecherin der Stadtwerke. Wer in höherer Konzentration die Bakterien beispielsweise durch Wasser oder Nahrungsmittel aufnimmt, leidet im Anschluss an Bauchschmerzen und Durchfall. Die Ursache für die Kontaminierung ist noch nicht gefunden, allerdings weisen die Coli-Bakterien auf eine fäkale Verunreinigung des Wassers hin. Der Versorger prüft derzeit das Wassernetz, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Denkbar wäre, dass die Keime bereits mit dem Fernwasser angeliefert wurden.

Mindestens fünf Minuten Wasser abkochen
Um keine Magenkrämpfe zu bekommen, sollten Bürger in den betroffenen Regionen das Leistungswasser vor dem Verzehr mindestens fünf Minuten mit sprudelnd heiß abkochen. „Diese Empfehlung gilt nicht nur für heute, sondern mindestens bis Donnerstagabend“, betonte das Gesundheitsamt. Bislang deutet noch nichts daraufhin, dass noch weitere thüringische Regionen außer der Region um Erfurt und Sömmerda betroffen sind, wie die Stadtwerke-Sprecherin sagte.

Infotelefon wurde geschaltet
Damit Bürger sich über den aktuellen Stand informieren und weitere Fragen stellen können, wurde ein Infotelefon eingerichtet. Allerdings war die Hotline des Erfurter Wasserversorger heute völlig überlastet und zeitweise sogar nicht erreichbar. Aus diesem Grund hat auch das Gesundheitsamt ein Bürgertelefon installiert. Die Infohotline ist unter der Telefonnummer 0361-6554220 erreichbar.

Supermärkte rüsten Wasservorräte auf
Weil am Montag zeitweise stilles Wasser in den Supermärkten ausverkauft war, rüstet der Handel nun nach. Eine Sprecherin der „tegut-Kette“ erklärte heute, „wir haben die Meldung auch erst gestern bekommen und bereiten eine Sonderlieferung vor.“ Andere Märkte berichteten gleiches und wollen zusätzliche Wasservorräte anschaffen.

Einige Restaurants haben damit begonnen, keinen Kaffee mehr an die Kunden auszuschenken. "Bei vielen Restaurants sind die Kaffeeautomaten direkt an die Wasserleitung angeschlossen. Ein Vorbrühen ist daher oft nicht möglich", sagte die Sprecherin des Thüringer Hotel- und Gaststättenverbandes, Susanne Ritzmann. „Schließlich werden Gastronomen für die Erkrankungen des Kunden haftbar gemacht, wenn nachweisbar ist, dass die Infektion durch eine Speise unseres Ladens zustande kam“, erklärte auch Regine Keller, Restaurantleiterin aus Erfurt. Daher würden viele der Restaurants lieber keine Speisen und Getränke in der Karte anbieten, die mit Wasser behandelt wurden.

Welche Vorsichtsmaßnahmen Bürger nun treffen müssen
Das Wasser aus dem Wasserhahn muss mindestens fünf Minuten abgekocht sein, wenn das Wasser zum Trinken oder zur Zubereitung von Getränken (auch Schorlen, Tee und Kaffee) verwendet wird. Soll das Wasser zum Zubereiten von Nahrungsmitteln gebraucht werden, gilt selbe Regel, vor allem wenn die Speisen für ältere Menschen, Schwangere, Säuglinge und chronisch Kranke gedacht ist. Auch Obst und Gemüse, dass mit Wasser gesäubert wird, sollte nur mit abgekochtem Wasser gewaschen werden. Geräte, Behältnisse oder Gefäße, die für die Aufbewahrung von Lebensmitteln gedacht sind, sollten auch hier nur mit Wasser gewaschen werden, dass bereits abgekocht ist

Bei medizinischen Handlungen ist darauf zu achten, dass nur abgekochtes Wasser verwendet wird. Das gilt insbesondere bei der Reinigung von Wunden, beim Nasenspülen und der medizinischen Mundpflege.

Körperpflege auch ohne gekochtem Wasser möglich
„Die Körperpflege (Duschen, Baden, Zähneputzen) kann mit nicht abgekochtem Wasser erfolgen, sofern das Wasser nicht getrunken wird bzw. in offene Wunden gelangt. Zu Reinigungszwecken, der Toilettenspülung, der Versorgung von Haustieren und Vieh ist kein Abkochen erforderlich“, so das Gesundheitsamtsamt.

„Bitte sagen Sie auch ihren Freunden und Nachbarn Bescheid, damit diese die Vorsichtsmaßnahmen ebenfalls einhalten können, falls sie noch nichts von den Verunreinigungen des Trinkwassers wissen“, so die abschließende Aufforderung der Gesundheitsbehörden. (sb)