Darmkrebs: Früherkennung kann Leben retten

Heilpraxisnet

Experten: Früherkennung kann vor Darmkrebs bewahren

11.03.2015

In Deutschland gehört Darmkrebs zu den drei häufigsten Krebsarten. Jedes Jahr sterben rund 26.000 Bundesbürger daran. Da dieser Krebs, wenn er früh erkannt wird, heilbar ist, sollten die Vorsorgemöglichkeiten wahrgenommen werden. Insbesondere von den Menschen ab 50 Jahren.

Familiäre Vorbelastung in vielen Fällen
Auch wenn die meisten Menschen von der Gefahr wissen, gehen längst nicht alle zur Vorsorge: Bei vielen löst das Thema Darmkrebs eine diffuse Angst aus und wird daher gerne verdrängt. Doch das ist falsch. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, ist Darmkrebs nach Angaben der Felix Burda Stiftung in München der zweithäufigste bösartige Tumor bei Männern und Frauen. Professor Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten zufolge haben rund 18 Prozent der Betroffenen eine familiäre Vorbelastung. Daher empfiehlt es sich besonders in jungen Jahren an der Darmkrebsvorsorge teilzunehmen, wenn in der eigenen Familie ein Verwandter an Darmkrebs erkrankt ist.

Manche Erkrankungen erhöhen das Krebs-Risiko
Zudem haben Menschen, die an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa sowie Morbus Crohn leiden, ein erhöhtes Risiko. Und Patienten mit Diabetes Typ 2 haben ein dreimal höheres Risiko zu erkranken. Auch Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum und Fehlernährung, wie eine sehr fett- und fleischreiche Kost, gelten als Faktoren, die das Darmkrebsrisiko erhöhen. So hat erst kürzlich eine Studie ergeben: Vegetarier bekommen seltener Darmkrebs. Zudem ist das Alter ein wesentlicher Risikofaktor.

Um die Vorsorge kümmern
Deshalb sollte man sich ab dem 50. Lebensjahr am besten um die Vorsorge kümmern. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden jährlich die Kosten für einen Okkultbluttest sowie die Austastung des Mastdarms übernommen. Der Test soll verstecktes Blut im Stuhl aufspüren. „Ist der Test negativ, heißt das allerdings nicht, dass alles in Ordnung ist“, erläutert Raedsch. „Ebenso wenig bedeutet Blut im Stuhl automatisch Krebs.“ Ab dem 55. Lebensjahr wird von den Kassen eine Darmspiegelung als Vorsorge bezahlt. Auch bei Jüngeren werden die Kosten in manchen Verdachtsfällen übernommen. Daher sollten Patienten, bei denen Warnsignale wie beispielsweise sogenannter Bleistiftstuhl auftreten, mit ihrem Arzt über die Möglichkeit einer Vorsorgeuntersuchung sprechen.

Suche nach Darmpolypen

„Der Patient sollte die Vorbereitung gewissenhaft durchführen, damit der Darm möglichst sauber ist“, erklärt Prof. Wolff Schmiegel, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Da der Arzt nur so die Darmoberfläche gut sehen kann, putzt der Patient vor der Koloskopie den Darm mit abführenden Mitteln frei. In der Regel wird der Patient vor der Darmspiegelung in einen Dämmerschlaf versetzt. Mit einem Endoskop sucht der Mediziner Dick- und Mastdarm ab, beispielsweise nach Polypen. Wenn diese pilzförmigen, zunächst gutartigen Wucherungen der Schleimhaut im Darm größer werden, steigt die Gefahr, dass eine Fehlbildung entsteht, Krebszellen wuchern und zu einem bösartigen Tumor werden. Es kann bis zu zehn Jahre dauern, bis ein Darmpolyp zum kolorektalen Karzinom entartet.

Sehr gute Heilungschancen
Diese lange Zeit bedeutet eine große Chance, denn bei denen die zur Vorsorge gehen, kann ein Polyp noch als harmlose Wucherung entdeckt werden. „Jeder Polyp wird bei der Darmspiegelung entfernt und zur histologischen Untersuchung eingeschickt“, so Professor Christian Trautwein von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Wenn Krebszellen im Polypen gefunden werden, die entarteten Zellen aber noch nicht tiefer in die Darmwand eingedrungen sind, stehen die Heilungschancen sehr gut. Dies gilt oft auch, wenn die Darmwand schon stärker angegriffen ist. Der Tumor, ein Teil des Darms sowie Lymphknoten werden dann von einem Chirurgen entfernt. Mitunter ist – abhängig vom Stadium der Erkrankung – eine Chemotherapie nötig.

Ein Tag in der Nähe der Toilette
Allerdings müsste es in vielen Fällen erst gar nicht so weit kommen, wenn mehr eine Darmspiegelung machen lassen würden. „Ich vermute, dass viele glauben, die Koloskopie sei unangenehm“, meint Schmiegel. „Doch der Patient merkt nichts, und auch das Abführen die Tage vorher ist verbessert worden.“ Daher steht die Frage im Raum, ob es nicht einen Tag in der Nähe einer Toilette wert ist, wenn dies davor bewahren könnte, an Darmkrebs zu erkranken? Die schmerzfreie Koloskopie selbst dauert lediglich 15 bis 30 Minuten. (ad)

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>Bildnachweis: Dieter Schütz / pixelio.de