Darmspiegelungen reduzieren das Krebsrisiko

Fabian Peters

Krebsforschung: Darmspiegelungen senken das Krebsrisiko deutlich

05.01.2011

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben im Rahmen einer umfassenden Studie untersucht, wie sich Darmspiegelungen auf das Krebsrisiko in den verschiedenen Darmabschnitten auswirken. Bereits seit langen gilt als wissenschaftlich belegt, dass endoskopische Darmspiegelungen mit gleichzeitiger Entfernung der Polypen das Krebsrisiko im linken Teil des Darms erheblich reduzieren. Für die übrigen Darmabschnitte liefern die Forscher der Arbeitsgruppe des DKFZ um Hermann Brenner nun erstmals wissenschaftlich fundierte Ergebnisse. Brenner und Kollegen haben herausgefunden, dass Darmspiegelungen nicht nur das Krebsrisiko im linken Dickdarmabschnitt wie erwartet erheblich reduzieren (um 84 Prozent), sondern auch im rechten Teil des Dickdarms zu einer Verringerung des Krebsrisikos um über 50 Prozent führen.

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Insgesamt haben ihre Untersuchungen eine Reduzierung des Darmkrebsrisikos um 77 Prozent ergeben, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Annals of Internal Medicine“. So bieten Darmspiegelung generell einen sehr guten Schutz vor Darmkrebs, wenn auch keine hundertprozentige Sicherheit möglich ist, betonte Hermann Brenner. Dass auch im rechten Abschnitt des Dickdarms eine Reduzierung des Krebsrisikos von 56 Prozent erreicht wird, ist dabei nach Aussage der DKFZ-Wissenschaftler besonders erfreulich.

Reduzierung des Krebsrisikos um 77 Prozent
Die Forscher des DKFZ haben im Rahmen ihrer Studie 1.688 Darmkrebspatienten nach zurückliegenden Darmspiegelungen und deren ärztlichen Befunden in den zehn Jahren vor Diagnosestellung befragt. Zur Kontrolle wurden die gleichen Informationen auch von 1.932 gesunden Personen abgefragt. Anhand der erfassten Daten errechneten die Epidemiologen des DKFZ, die Auswirkung einer vorangegangenen Darmspiegelung, bei der gegebenenfalls entdeckte Krebsvorstufen entfernt wurden, auf das Krebsrisiko im gesamten Darmbereich. Wobei sie die genannte Verringerung des Gesamtrisikos für bösartigen Dickdarmkrebs um 77 Prozent feststellten. Die Forscher berechneten jedoch auch separat die Risikoreduktion für die verschiedenen anatomischen Abschnitte des Darms, mit dem oben dargestellten Ergebnis.

Darmspiegelungen bieten gute Möglichkeiten zum Schutz vor Krebs
Ihre Studien unterstreichen nach Ansicht der Arbeitsgruppe des DKFZ das erhebliche Potenzial der Darmspiegelung für die Verhütung von Darmkrebs. Brenner empfiehlt: „Ärzte sollten ihre Patienten aber darüber aufklären, dass die endoskopische Untersuchung des Darms einen sehr guten Schutz vor Darmkrebs gewährleistet – jedoch keine hundertprozentige Sicherheit“ suggerieren. Die Abweichungen gegenüber anderen internationalen Studien, welche lediglich eine eindeutige Reduzierung des Krebsrisikos im linken „absteigenden“ Dickdarmabschnitt feststellen konnten, erklärten sich die Forscher des DKFZ damit, „dass in Deutschland viel Wert auf die Qualitätssicherung der Untersuchungen gelegt wird und daher auch die schwieriger zu entdeckenden Krebsvorstufen erkannt werden“. Die unterschiedlich ausgeprägte Risikoreduktion in den verschiedenen Darmabschnitten führen Brenner und Kollegen darauf zurück, dass Krebsvorstufen im rechten Darmabschnitt leichter übersehen werden können, weil sie häufiger flach und unauffällig seien. Auch könne der rechte Teil des Dickdarms nicht in allen Fällen vollständig eingesehen werden, während linke Dickdarm gut zu überschauen sei und die Darmkrebsvorstufen hier meist als prominente Polypen auftreten. Darüber hinaus vermuten die Forscher des DKFZ auch Unterschiede im biologischen Verhalten der Tumorzellen in den verschiedenen Darmabschnitten. (fp)

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Bild: Dieter Schütz / pixelio.de