Das Internet als Gesundheitsratgeber

Sebastian

Jeder zweite Bundesbürger informiert sich regelmäßig über das Themenspektrum Gesundheit

29.08.2011

Jeder zweite Bundesbürger benutzt mittlerweile das Internet regelmäßig oder unregelmäßig zur Recherche in Sachen Gesundheit. Vor fünf Jahren waren es noch 50 Prozent der Internetuser.

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Das Internet hat sich seit Bestehen zu einer regelrechten Fundgrube in Sachen Wissensbeschaffung entwickelt. Ein Spitzenbereich nimmt dabei das Themenfeld Gesundheit ein. Immer mehr Deutsche suchen mittels einer Suchmaschine wie Google oder Bing nach Ratgebern und Gesundheitsseiten. Nach Angaben des Branchenverbands „Bitkom“ haben im vergangenen Jahr fast 28 Millionen Bundesbürger sich mittels Internet über Erkrankungen, Symptome, gesunde Ernährung oder Naturheilkunde informiert. Das sind gut 60 Prozent aller Deutschen, die über einen Internetanschluss verfügen. Nach Angaben des Verbandes wurden die vorgelegten Zahlen durch die europäischen Statistikbehörde „Eurostat“ vorgelegt und ermittelt. Im Jahre 2006, also vor genau fünf Jahren, informierten sich noch 50 Prozent der User über das Thema Gesundheit. Demnach ist ein Anstieg von gut 10 Prozent zu verzeichnen.

Mehr Bundesbürger mit eigenem Internetanschluss
In Deutschland haben nach Messungen der „Forschungsgruppe Wahlen“ ungefähr 74 Prozent der Erwachsenen einen eigenen Onlineanschluss. Gut 80 Prozent der deutschen Jugendlichen nutzen das Internet regelmäßig. Die Erhebung der Kennzahlen ist allerdings nicht ganz einheitlich und genau bestimmbar, da immer mehr internetfähige Smartphones im Umlauf sind, die bei dieser Auswertung nicht erfasst wurden. Im Jahre 2005 war es nur gut die Hälfte der Deutschen. Jeder zweite Bundesbürger zwischen 16 und 74 Jahren nutzt das Web zur Beschaffung relevanter Gesundheitsthemen. Im Jahre 2006 waren es 34 Prozent der Bundesbürger. Für das Jahr 2005 wurden hierzu noch keine genauen Kennzahlen erhoben.

Deutschland an Spitzenposition
Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland in Sachen Gesundheitsrecherche eine Spitzenposition ein. Höhere Quoten erreichten nur die Länder Luxemburg (58 Prozent), Finnland (57 Prozent), Dänemark (52 Prozent) und die Niederlande mit 50 Prozent. Im Durchschnitt sucht jeder dritte Bürger in der Europäischen Union (EU) zwischen 16 und 74 Lebensjahren nach Gesundheits-Tipps oder speziellen Themen.

Online Verkauf von Arzneimitteln
Auch die Vermarktung von Arzneimitteln im Internet spielt eine immer stärkere Rolle. Laut der repräsentativen Umfrage des Verbandes „Bitkom“ hat bereits jeder sechste Bundesbürger mit einem Internetanschluss ein Medikament online bestellt. In absoluten Zahlen kauften rund neun Millionen Deutsche ab 14 Jahre schon einmal ein Arzneimittel in einer Online-Apotheke oder sonstigem Versandhandel.

Das Internet sollte keinesfalls den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker ersetzen. Doch das Web kann dazu dienen, beispielsweise allgemeingültige Hausmittel bei leichten Beschwerden zu vermitteln. "Das Internet ist eine schier unendliche Informationsquelle zum Thema Gesundheit", sagt auch Bitkom-Vizepräsident Heinz Paul Bonn. Denn es bietet beispielsweise „alte Hausrezepte gegen Erkältungen, Tipps für eine gesunde Ernährung oder die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs bei schwereren Krankheiten – einen Arztbesuch ersetzt es hingegen nicht." Letztes schafft z.B. eine gute Vernetzung und Wissensaustausch für Betroffene, die unter seltenen Erkrankungen leiden. Doch auch Vorsicht ist angeraten: „Wer ohne das nötige Hintergrundwissen etliche Forenbeiträge liest, kann sich schnell in vermeintliche Krankheiten hineinsteigern.“, warnt Gritli Bertram, Sozialpädagogin aus Hannover. Angststörungen können sich somit manifestieren. Auch für diese Internet-Nutzer existiert mittlerweile ein Fachbegriff: „Cyberchonder“. (sb)