Das schwache Herz betrifft vor allem Ältere

Alfred Domke

Das schwache Herz betrifft vor allem Ältere

09.11.2013

Nicht immer ist Atemnot harmlos. Sie kann vielmehr oft ein Anzeichen für ein schwaches Herz sein. Vor allem Ältere sind von dieser Schwäche, der Herzinsuffizienz betroffen.

Atemnot im Ruhezustand ein Warnsignal
Leichte Atemnot nach schwerer körperlicher Arbeit oder beim Sport sind grundsätzlich nichts ungewöhnliches. Das Herz, der größte menschliche Muskel, ist dann mit einer verstärkten Pumpleistung beschäftigt. Doch wenn man auch im ruhenden Zustand weniger Luft bekommt oder das Herz anfängt zu rasen, kann dies auf eine Herzinsuffizienz hinweisen. Eine Herzschwäche entsteht in den meisten Fällen nach einem Herzinfarkt, aufgrund eines Herzfehlers oder aber einer Gefäßverengung. Auch langjähriger Bluthochdruck oder eine Herzmuskelentzündung begünstigen dauerhafte Schädigungen des Herzens.

Herzschwäche wird meist nicht ernst genommen
Bundesweit wird die Zahl der Betroffenen auf zwei bis drei Millionen geschätzt. Laut der Deutschen Herzstiftung werden in Deutschland fast 400.000 Menschen jährlich wegen dieser gefährlichen Herzerkrankung in ein Krankenhaus eingewiesen. Etwa 50.000 Patienten sterben an den Folgen. Die Zahl sei deshalb so hoch, weil die Herzschwäche meist nicht ernst genommen wird, so der Kardiologe Michael Böhm, Uniklinik des Saarlandes und Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Er warnt: „Patienten nehmen die Symptome wie Atemnot, Leistungsschwäche, Wassereinlagerungen an den Gelenken nicht wahr oder schieben es auf das Alter.“

Krankheit frühzeitig erkennen
Auch Hausärzte würden den Symptomen teils zu wenig Aufmerksamkeit widmen. Böhm erklärt dazu: „Anfangs rufen nur große Anstrengungen Beschwerden hervor, später auch kleine.“ Und daher sei es besonders wichtig, frühzeitig auf die Krankheit aufmerksam zu werden, da sonst die Pumpkraft des Herzens weiter abnehme. Ärzte können eine Herzschwäche mithilfe einer Ultraschalluntersuchung oder eines Elektrokardiogramms (EKG) feststellen. „Es gibt aber noch eine Art der Herzschwäche, die weniger leicht festzustellen ist. Sie tritt auf, wenn das Herz nicht mehr so elastisch ist. Beim Pumpen muss sich das Herz für einen Moment zusammenziehen und erschlaffen. Wenn das Herz zu steif ist, kann das Blut in der Erschlaffungsphase nicht genug Blut aufnehmen. Diese Art von Herzschwäche kann man aber feststellen, indem man Hormone im Blut misst“, so Dr. Reinhard Jochheim, Facharzt für Innere Medizin an der Klinik Blankenstein im nordrhein-westfälischen Hattingen.

Ältere verstärkt betroffen
Hierzulande leiden von den 45- bis 55-Jährigen weniger als ein Prozent an Herzinsuffizienz. Von den 65- bis 75-Jährigen sind bereits zwei bis fünf Prozent und von den über 80-Jährigen fast zehn Prozent betroffen. Dennoch handele es sich um keine rein typische Alterserscheinung. Auch der Herzspezialist Böhm verweist darauf, dass die Herzschwäche vielmehr durch weitere Krankheiten ausgelöst werde, allen voran dem Bluthochdruck. „Eine chronische Druckbelastung des Herzens kann zu einer Verdickung des Herzmuskels führen“, so Böhm. Außerdem könne er an Elastizität und somit an Pumpkraft verlieren.

Sport ist eine der besten Arzneien
„Natürlich braucht es eine Behandlung der Grundkrankheiten wie dem Bluthochdruck“, so Böhm. Manchmal sind auch chirurgische Eingriffe oder andere Maßnahmen nötig, doch eine der besten Arzneien sei der Sport. Denn grundsätzlich gilt bei Herzschwäche: Bewegung kann helfen. Auch Böhm meint, Betroffene sollten sich bewegen, eben weil ihr Herz geschwächt ist. Das Herz lerne mit Hilfe dosierten Trainings, ökonomisch zu arbeiten und dem Körper so wieder mehr Blut zur Verfügung zu stellen. Ein Intervalltraining sei dabei hilfreich, beispielsweise auf einem Fahrrad-Ergometer. Nordic Walking, Wandern oder Ski-Langlauf sind weitere geeignete Sportarten. „Betroffene sollten mit ihrem Kardiologen überlegen, wie sie mit Training ihren Körper stärken können“, so Böhm.

Betreuungsprogramme werden entwickelt
Wer an einer Herzmuskelschwäche leidet, muss seine Krankheit in jedem Fall genau beobachten. So kann beispielsweise eine Gewichtszunahme von zwei Kilo über Nacht auf eine gefährliche Wasseransammlung im Körper hindeuten und ein Arzt muss eingeschaltet werden. Derzeit werden auch medizinische Betreuungsprogramme entwickelt, um häufige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Dies geschehe unter anderem per Telemedizin, wobei die Patienten ihre medizinischen Werte zu Hause erfassen und die Daten an den Arzt schicken. Böhm erklärt: „Wie wertvoll diese Konzepte sind, müssen allerdings erst wissenschaftliche Studien zeigen.“

Herzwochen im November
Die Vorbeugung sei aber nach wie vor die beste Methode. „Die Risikofaktoren für Herzkrankheiten sind nach wie vor Rauchen, falsche Ernährung und Bewegungsmangel“, so Böhm. Diese Probleme in den Griff zu bekommen ist auch Anliegen der Deutschen Herzstiftung. Zu deren Herzwochen finden vom ersten bis zum dreißigsten November mehr als 1.000 hochwertige Vorträge und Seminare zum Thema Herzschwäche statt. (ad)

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