Forschung: Single-Gen 5-HTA1 soll einsam machen

Heilpraxisnet

Forscher haben das angebliche Single-Gen 5-HTA1 entdeckt. Es soll für die Einsamkeit vieler Menschen verantwortlich sein.

28.11.2014

Sind Alleinstehende an ihrer Einsamkeit nicht schuld? Sind es spezielle Gene, die einige Menschen zum Alleinleben verdammen? Diesen Fragen ist ein chinesisches Forschungsteam an der Universität Peking nachgegangen. Sie haben nach eigenen Angaben „ein Gen gefunden, dass für Beziehungspech verantwortlich sein kann“. An einer groß angelegten Studie nahmen 600 junge Frauen und Männer teil.

Grundlage ihrer Studie sind 600 Haarproben von Studenten, die genetisch untersucht wurden. Demnach ist anscheinend das Gen 5-HTA1 für das Single-Dasein verantwortlich. Den Forschern zufolge hat das Gen Auswirkungen auf das Glückshormon Serotonin. Dabei fördert eine Variante des Gens (C-Variante) die Hormonbildung, eine andere Variante (G-Variante) hemmt jedoch die Produktion.

Einfluss der Gene auf Beziehungsverhalten bekannt
Bereits in früheren Studien konnte belegt werden, dass Gene relevanten Einfluss auf die Anzahl der Sexualpartner und die Dauer einer Beziehung haben. Außerdem gilt es als erwiesen, dass sich Menschen mit niedrigem Serotoninspiegel in Beziehungen unwohler fühlen als Menschen mit hohem Serotoninspiegel.

In der nun vorliegenden Studie kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass 60 Prozent der Probanden mit der G-Variante des Gens Single, während es bei Probanden mit der C-Variante lediglich 50 Prozent waren. Das sei statistisch relevant, wie die Forscher im Fachmagazin Scientific Reports berichten. Demnach erhöht sich bei Probanden mit dem Gen 5-HTA1 das Risiko des Singledaseins um 20 Prozent gegenüber Probanden mit der C-Variante des Gens.

Charakter beeinflusst Beziehungsstatus
Darüber hinaus kommt die Studie zu dem Ergebnis, das Probanden mit der G-Variante des Gens häufiger zu Neurosen, Depressionen und Borderline neigen. „Da Pessimismus und Neurotizismus schädlich für Bildung, Qualität und Stabilität von Beziehungen sind, kann sich diese Verbindung negativ auf das Liebesleben auswirken“, schreiben die Studienautoren.

„Allerdings sollte man vorsichtig mit der Interpretation der vorliegenden Ergebnisse" sein." Denn die Kontrollgruppe sei "auf Studenten beschränkt, die relativ frei von familiären, sozialen und ökonomischen Zwängen sind und deshalb relativ frei darüber entscheiden können, ob sie eine Beziehung eingehen oder nicht". Inwieweit hier alleine das Gen "einen Einfluss auf die Beziehungsbildung hat ist unklar und muss deshalb in weiteren Studien erforscht werden". Dennoch ist klar, dass "das Gen den Beziehungsstatus beeinflusst". Allerdings haben wir trotz Einfluss der Gene eine Wahl in Sachen Beziehungsbildung. Und auch deutsche Forscher winken ab: "Die Studie ist kaum gesichert und auch nur mit Studenten umgesetzt", heißt es. "Wer Beziehungsprobleme hat, kann diese am Besten im Rahmen einer Psychotherapie begegnen", so Gritli Bertram von Winicott-Institut in Hannover. (sb)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de