Debatte um Impfungen nach Masern-Ausbruch

Heilpraxisnet

Masern-Ausbruch bedingt angeheizte Diskussionen um Schutzimpfungen

06.02.2015

In den USA haben sich seit Beginn des Jahres 102 Menschen aus 14 Staaten mit Masern infiziert, wobei die meisten dieser Fälle in Verbindung mit einem Vergnügungspark in Kalifornien gebracht wurden, so die Mitteilung der Centers for Disease Control and Prevention (US-Gesundheitsbehörde). Bereits im vergangenen Jahr verzeichneten die Vereinigten Staaten eine Rekordzahl von Masernerkrankungen (644 Fälle), nachdem die Krankheit eigentlich als ausgerottet galt. Als Ursache wird der rückläufig Impfschutz in der Bevölkerung angeführt.

Eigentlich galten die Masern in den USA seit dem Jahr 2000 als offiziell eliminiert. In den vergangene Jahren hatten die Vereinigten Staaten jedoch einen drastisch Anstieg der Infektionen zu verzeichnen. Infolgedessen ist eine heftige Diskussion zwischen Impfgegner und -befürworten entbrannt, wobei die sachliche Ebene in der angeheizten Debatte nur noch eingeschränkt zum Tragen kommt. Fest steht, dass immer wieder Masernviren in die USA gelangen werden, selbst wenn das Land als „Masern frei“ gilt. Denn in anderen Ländern sind Masern durchaus noch relativ weit verbreitet und Reisende können hier leicht zum Überträger der Viren werden. Daher scheint es kaum verwunderlich, dass die Ausbrüche in den USA der vergangenen Jahre vornehmlich an Orten mit hoher Dichte internationaler Reisender auftraten.

Entscheidungsfreiheit bei Schutzimpfungen
Wären sämtliche US-Bürger geimpft, bestünde auch bei Einschleppung von Masern-Viren aus dem Ausland kein Risiko einer Ausbreitung der Erreger. Doch nicht zuletzt weil die Masern seit mehr als zehn Jahren in den USA als ausgerottet gelten, haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Eltern gegen eine entsprechende Schutzimpfung ihrer Kinder entschieden. Die Möglichkeit über die Impfung frei zu entscheiden, wird dabei oftmals auch mit den Grundsätzen der Verfassung begründet. Freiheit – also nicht zuletzt Entscheidungsfreiheit – ist für die meisten Amerikaner ein elementares Gut. Die Zweifel an den Schutzimpfungen sind dabei in den vergangenen Jahren wesentlich durch die Medienauftritte der Impfgegnerin, Schauspielerin und Buchautorin Jenny McCarthy geschürt worden, berichtet das Nachrichtenmagazin „Stern“. Mit der Geschichte ihres Sohnes Evan, der sich nach seiner Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln vom fröhlichen Kleinkind quasi über Nacht zum Autisten gewandelt haben soll, konnte McCarthy viele US-Bürger von den Nachteilen der Schutzimpfungen überzeugen.

Gefälschte Studie
Die Aussagen von Jenny McCarthy weisen dabei in die gleiche Richtung, wie eine Studie des Forschers Andrew Wakefield., die in dem angesehen britischen Fachmagazin „The Lancet“ 1998 erschien, berichtet der „Stern“. Impfgegner weltweit würden sich auf diese Studie berufen, bei der ein vermeintlicher Zusammenhang zwischen der Immunisierung und Autismus festgestellt wurde. Doch sei Wakefield bereits kurze Zeit später als Betrüger enttarnt worden. Die Stichprobe habe lediglich zwölf Kinder umfasst und die Ergebnisse seien gefälscht worden. Viele der angeblich an Autismus erkrankten Kinder, waren kerngesund, so die Mitteilung des Nachrichtenmagazins. Wakefield musste die Studie zurückziehen und verlor seine Zulassung. Spätere Untersuchungen konnten nie einen Hinweis auf eine Verbindung von Autismus und Impfung finden, so der „Stern“ weiter.

Schutzimpfung die wichtigste Strategie?
Die CDC verweisen in ihrer Mitteilung zu dem aktuellen Masern-Ausbruch darauf, dass Impfungen die wichtigste Strategie seien, um die Masern zu verhindern. „Zwei Dosen des Masern-Komponente-Impfstoffs (MMR-Impfstoff) sind in mehr als 99 Prozent der Fälle wirksam bei der Prävention von Masern“, berichtet die US-Gesundheitsbehörde. Allerdings zeigen sich Politiker wie der Republikaner Paul Ryan, der 2016 US-Präsident werden möchte und von Beruf Arzt ist, dem „Stern“ zufolge anderer Meinung. „Kinder nicht impfen zu lassen, ist für mich ein Akt der Freiheit. Ich habe von vielen tragischen Fällen von fröhlichen und gesunden Kindern gehört, die nach einer Impfung geistig behindert waren“, zitiert der „Stern“ aus einem Interview mit Ryan. Inwieweit letzterer diese Aussage auch belegen kann, bleibt jedoch zweifelhaft. Denn ein derart eindeutiger statischer Zusammenhang zwischen geistigen Behinderungen und Schutzimpfungen, wie ihn Ryan unterstellt, ließ sich bislang in keiner wissenschaftlichen Studie belegen.

Eltern infizierter Kinder melden sich zu Wort
In den vergangenen Tagen haben sich in den US-Medienberichten auch vermehrt Eltern infizierter Kinder zu Wort gemeldet, die auf das Risiko bei Vernachlässigung des Masern-Impfschutzes hinweisen. Denn ist ein Kind zu jung für eine Impfung oder kann aufgrund einer Immunschwäche keine Impfung erfolgen, profitiert es von hohen Impfquoten des Umfeldes. Niedrige Impfquoten bringen umgekehrt ein erhöhtes Risiko mit sich, denn Masern werden über die Luft übertragen und sind hochansteckend. So betont Carl Krawitt in dem Beitrag des Nachrichtenmagazins „Stern“, dass es auch um seine Freiheit gehe. Seine Familie lebt in Kalifornien, wo derzeit die meisten Masern-Infektionen zu verzeichnen sind.

Manche Kinder können nicht geimpft werden
Da sein sechsjähriger Sohn nach viereinhalb Jahren Kampf gegen Leukämie und unzähligen Chemotherapien zwar geheilt sei, aber aufgrund des geschwächten Immunsystems derzeit nicht geimpft werden könne, werde der Schulbesuch für ihn zu einem lebensbedrohlichen Risiko, so Krawitt. Bei den vielen an Masern erkrankten Kindern in seinem Umfeld, könnte sich der kleine Rhett leicht selbst infizieren. „Wenn andere entscheiden, ihr Kind nicht impfen zu lassen und dieses Kind bekommt Masern und stirbt, dann ist das ihre Entscheidung, ihr Problem und ihre Schuld. Aber wenn ein solches Kind meinen Sohn ansteckt und mein Kind stirbt, dann haben diese Leute ihn getötet“, zitiert der „Stern“ den Familienvater. Eine Aussage die auch verdeutlicht, wie angeheizt derzeit die Stimmung ist.

Fehlendes Vertrauen in die Sicherheit der Impfungen
Ein maßgebliches Problem bei den Schutzimpfungen scheint insgesamt das fehlende Vertrauen in deren Sicherheit. So berichtet der „Stern“ von einer Umfrage, derzufolge lediglich 53 Prozent aller Amerikaner Impfungen für sicher halten. Aus diesem Grund versuchen die Gesundheitsbehörden derzeit verstärkt Überzeugungsarbeit zu leisten und auch die prominente US-Politikerin Hillary Clinton hat sich bei Twitter zu dem Thema geäußert. „Die Wissenschaft ist eindeutig. Die Erde ist rund. Der Himmel ist blau und Impfungen wirken. Schützt unsere Kinder“, so Clinton. Die CDC weisen zudem darauf hin, das bei Auftreten von Masern-Symptomen zeitnah ein Arzt aufgesucht werden sollte, nicht zuletzt um das Infektionsrisiko für andere zu minimieren. In der Regel beginne die Erkrankung „mit Fieber, Husten, laufender Nase und roten Augen.“ Nach wenigen Tagen zeige sich ein roter Hautausschlag, der zunächst im Gesicht auftrete und sich anschließend auf den Rest des Körpers ausweite. (fp)

Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de