Dem milde Winter folgt die Mückenplage

Fabian Peters

Verbreitung exotischer Mückenarten durch milde Temperaturen begünstigt

20.02.2014

Der ungewöhnlich milde, bereits für beendet erklärte Winter hat zur Folge, dass im kommenden Jahr mit einer regelrechten Mückenplage zu rechnen ist, erläuterte Professor Sven Klimpel von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Auch die vermehrte Ausbreitung von exotischen Mückenarten, wie beispielsweise der Asiatische Buschmücke oder der Asiatischen Tigermücke, werde durch einen derart milde Winter begünstigt.

Die exotischen Mückenarten können sich laut Aussage des Experten angesichts der allgemeinen Klimaänderungen und dem Schwinden ausgeprägter Jahreszeiten immer weiter nach Norden ausbreiten. Ein milder Winter komme ihnen dabei sehr entgegen, betonte der Senckenberg-Forscher. Allerdings profitieren auch die heimischen Mücken von dem milden Wetter. So erwarten die Fachleute für das kommende Jahr eine regelrechte Mückenplage. Sobald die Temperaturen für einige Tage deutlich über zehn Grad Celsius erreichen, beginnt die Entwicklung in den überwinterten Mückeneiern, erläuterte Professor Klimpel. Anschließend schlüpfen die Larven, welche im Wasser leben und heranwachsen. Zwar wurden bisher laut Angaben des Fachmanns noch keine Larven gefunden, aber sollten die Temperaturen weiterhin so mild bleiben, „dann könnte es auch schnell zu einem lokalen, verstärkten Auftreten von Mücken kommen.“

Exotische Mückenarten begünstigen Ausbreitung von Infektionskrankheiten
Durch die zunehmende Verbreitung exotischer Mückenarten steigt auch das Risiko einer Ausbreitung hierzulande bisher nicht vorkommender Erkrankungen, wie beispielsweise des West-Nil-Fiebers oder des Dengue-Fiebers. Die Mücken seien ideale Überträger derartiger Viren, erläuterte Professor Klimpel. Ihnen wird hier eine sogenannte Vektorkompetenz zugeschrieben. Nachdem die Mücken das Blut infizierter Menschen oder Tiere aufgenommen haben, können sie beim nächsten Stich die Erreger mit ihrem Speichel in die Wunde abgeben. Daher wird die wachsenden Verbreitung der exotischen Mückenarten von den Experten mit Sorge betrachtet. Beispielsweise wurden eigenständige Populationen der Asiatische Buschmücke, die auch hier überwintern, mittlerweile in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Die Asiatische Tigermücke wurde bereits mehrfach in Süddeutschland entdeckt, doch handelte es sich dabei laut Aussage von Professor Klimpel bisher nicht um eigenständige Populationen. Beide Mückenarten werden sich jedoch künftig „in Europa ausbreiten und immer weiter nach Norden wandern“, betonte der Klimpel gegenüber der „dpa“.

Stechmücken-Monitoring zur Risikoabschätzung
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung berichtet, dass Stechmücken „weltweit als die wichtigsten Überträger Vektor-assoziierter Infektionserreger“ gelten. In Deutschland seien schätzungsweise „rund 49 verschiedene Stechmückenarten heimisch.“ Zumindest einige von ihnen seien potenzielle Überträger bisher in Deutschland nicht vorkommender Erkrankungen. Hier werde „zunehmend die Möglichkeit der Übertragung von Arboviren, wie zum Beispiel Westnil-, Tahyna- oder Sindbis-Virus, aber auch die Übertragung bestimmter Würmer (Dirofilarien) diskutiert und erforscht“, schreibt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Um die Risiken besser einschätzen zu können, erfolge ein sogenanntes Stechmücken-Monitoring, das die Verbreitung der Mückenarten in einer „Mückenkarte für Deutschland“ erfasst. An dem gemeinschaftlichen Projekt sind neben Professor Dr. Sven Klimpel, unter anderem Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg (BNI), dem Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut (SDEI) und der KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) beteiligt. Das Monitoring ermöglicht es Veränderungen in der einheimischen Stechmückenfauna zu erfassen und frühzeitig zu erkennen. Durch begleitende Laborversuche werde zudem geklärt, „inwieweit heimische Arten überhaupt in der Lage sind, bestimmte Krankheitserreger unter den gegebenen Bedingungen zu übertragen (Vektorkompetenz)“, berichtet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. (fp)

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Bild: Frank Hollenbach / pixelio.de