Demenz: Bessere Versorgung der Patienten gefordert

Fabian Peters

Welt-Alzheimer-Tag: Versorgung von Demenzkranken ausbaufähig

22.09.2011

Im Rahmen des gestrigen Welt-Alzheimer-Tages widmete die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) dem Thema Demenz und Alzheimer einen ausführlichen Vortrag, in dem sie auch auf die Schwierigkeiten bei der Pflege der Demenzkranken und die bedrohliche Zunahme der neurodegenerativen Erkrankung aufmerksam machte.

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Wie die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages am 21. September erklärte, stellen die Folgen von Alzheimer und Demenz für das Umfeld der Betroffenen eine besondere Herausforderung dar. „Demenzkranke sind Gefangene ihrer eigenen Wirklichkeit“ und „umso mehr brauchen sie unsere Zuwendung, unsere Wärme und unsere Aufmerksamkeit“, betonte die Bundesfamilienministerin.

1,2 Millionen Demenzpatienten in Deutschland
Derzeit leben den Angaben der Ministerin zufolge über 1,2 Millionen Menschen mit einer Demenz-Erkrankung in Deutschland, wobei zwei Drittel der Betroffenen unter der verbreitetsten Demenzform Alzheimer leiden. Dem Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zufolge wird sich die Anzahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 voraussichtlich verdoppeln, sollten keine bahnbrechenden Fortschritte bei der Vorbeugung und Behandlung der neurodegenerativen Erkrankung erzielt werden. Weltweit steigt die Zahl der Demenzpatienten bis zum Jahr 2050 nach Einschätzung des Berlin-Instituts auf 115 Millionen. Die abzusehende massive Zunahme der Demenz-Erkrankungen ist dabei nicht nur für die Pflegeeinrichtungen eine zunehmende Belastungen, sondern stellt auch hohe Ansprüche an die Angehörige und das Umfeld der Betroffenen.

Wie die Bundesfamilienministerin erklärte, ist „der Kampf gegen die Isolation Demenzkranker gelebte Nächstenliebe und er muss täglich, stündlich und minütig neu gewonnen werden.“ Schröder erläuterte, dass Demenz jeden Angehörigen viel „Kraft, Zeit und Geld“ koste. Hier ist nach Ansicht der Ministerin auch die Gesellschaft insgesamt gefordert, denn „jeder von uns kann Demenzkranken ein Stück Freude am Augenblick schenken, sei es im direkten Umgang oder durch die Entlastung von Angehörigen.“ Demnach müsse das Motto gegen die Einsamkeit und die Ängste Demenzkranker „Schau hin und frage, was Du tun kannst“ lauten, damit für die Betroffenen „aus einer einsamen Zeit eine Handvoll schöner Momente wird!“

Maßnahmen zur Verbesserung der Pflege von Demenzpatienten
Als wichtige Schritte, die von staatlicher Seite aus bereits im Kampf gegen Demenz und Alzheimer eingeleitet wurden, nannte Kristina Schröder die Unterstützung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft durch das Bundesfamilienministerium und die Förderung von Angeboten, welche eine Verbesserungen des Umgangs mit der Krankheit und ihren Folgen zum Ziel haben. Außerdem sei zur Entlastung der pflegenden Angehörigen die Familienpflegezeit erarbeitet worden. Darüber hinaus können Betroffene und Angehörige sich auf dem Internetportal des Bundesfamilienministeriums informieren und erhalten hier Hilfestellungen zum Umgang mit der neurodegenerativen Erkrankung. Als weiteren Erfolg nannte die Bundesfamilienministerin die deutliche Verbesserung der Strukturen für Freiwilligenarbeit und Ehrenamt. Da die Zivildienstleistenden mit dem Wegfall der Wehrpflicht nicht mehr für Pflegedienste zur Verfügung stehen, war ein Ausbau der Freiwilligenarbeit jedoch ohnehin dringend erforderlich.

Einen deutlichen Fortschritt sieht die Bundesfamilienministerin auch in dem Ausbau des Angebots von Mehrgenerationenhäusern seit Juli 2009. Das vom Bundesfamilienministerium geförderte und von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft begleitete Projekt „Demenz in Mehrgenerationenhäusern“ ermögliche den Demenzpatienten und ihren Angehörigen weiterhin die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, erläuterte die Ministerin die Vorteile dieser speziellen Wohnform. Außerdem werden an zwanzig Mehrgenerationenhäusern derzeit mit Hilfe des Vereins „Mehr Zeit für Kinder e.V.“ Spielzimmer eingerichtet, in denen junge und alte Bewohner nicht nur lernen sollen einander zu verstehen, sondern zudem spielend ihren Geist trainieren und dabei gemeinsam Spaß haben. Auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) sind an dem Projekt beteiligt, erklärte Schröder. Insgesamt bedarf es jedoch eines deutlichen gesteigerten Ausbaus entsprechender Initiativen und Projekte, um der wachsenden Zahl von Demenzpatienten Rechnung zu tragen. (fp)