Demenz: Elektrische Stimulationen des Gehirns können das Gedächtnis retten

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen die Auswirkungen der elektrischen Stimulation auf das Gedächtnis
Im gehobenen Alter leiden Menschen häufig unter einem zunehmenden Verlust der Erinnerungen. Dieser Zustand kann auch durch Kopfverletzungen hervorgerufen oder durch bestimmte Erkrankungen verstärkt werden. Forscher fanden jetzt heraus, dass eine elektrische Stimulation des Gehirns zu einem wiederherstellenden Effekt auf das Gedächtnis führen kann.

Die Wissenschaftler der University of Pennsylvania stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass elektrische Stimulation des menschlichen Gehirns das Gedächtnis positiv beeinflussen und einen wiederherstellenden Effekt haben kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Current Biology“.

Die elektrische Stimulation des Gehirns kann zu einer Verbesserung des Gedächtnisses führen. Forscher hoffen, dass solch eine Anwendung beispielsweise zu einer Verringerung der Symptome von Alzheimer und Demenz führen könnte. (Bild: goa novi/fotolia.com)

Kann die Hirnstimulation auch Anzeichen von Demenz reduzieren?
Die aktuelle Studie stellte bisher eines der umfangreichsten Projekte dar, das die tiefe Hirnstimulation bei Anzeichen von Demenz und Verlust des Gedächtnisses untersucht, der sich beispielsweise aus Kopfverletzungen und anderen traumatischen Hirnverletzungen ergeben kann. Solche Verletzungen sind besonders häufig bei Soldaten, welche aus Kriegsgebieten zurückkehren, erläutern die Experten.

Probanden litten unter Epilepsie
Die Studie wurde an einer Testgruppe von Individuen mit Epilepsie durchgeführt. Diese Erkrankung beeinflusst das Gehirn. Die Untersuchung involvierte eine Reihe von Gedächtnistests, bei denen die Teilnehmer Stimulation der Hirnareale erhielten, welche mit der Speichercodierung verknüpft sind, erklären die Wissenschaftler.

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Stimulation des Gehirns im richtigen Zustand verbessert das Gedächtnis
Nachdem die Forscher die Gehirne der Probanden sowohl in hoch- als auch in niederfunktionellen Zuständen stimuliert hatten, verbesserte sich das Gedächtnis bei der Stimulation im niederfunktionellen Zustand. Die Ergebnisse der Tests verschlechterten sich, wenn die Stimulation in einem bereits hoch-funktionellen Zustand auftrat, fügen die Autoren der University of Pennsylvania in einer Pressemitteilung hinzu.

Ist das Timing der Stimulation der Schlüssel zum Erfolg?
Frühere Studien über die tiefe Hirnstimulation zeigten bisher gemischte Ergebnisse. Einige Experten kamen zu dem Schluss, dass die elektrische Stimulation des Gehirns das Gedächtnis schärft. Andere Mediziner waren der Meinung, dass solch eine Stimulation nur das Gehirn beschädigt. Die aktuelle Studie ermöglicht kommt nun zu dem Ergebnis, dass das Timing der Stimulation der Schlüssel sein könnte.

Weitere Untersuchungen sind notwendig
Zwar seien weitere Forschungen notwendig, doch langfristige könnten die neu gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen, eine Behandlung mit Gehirnimplantaten zu entwickeln, welche elektrische Impulse an das Gehirn senden. Die Hoffnung unter vielen Neurowissenschaftlern ist, dass solche Anwendungen helfen könnten, Symptome von Alzheimer, Demenz oder anderen Hirnverletzungen zu behandeln, sagen die Wissenschaftler.

Ergebnisse der Studie geben Grund zur Hoffnung
Gezielte elektrische Impulse können potenziell dazu beitragen, dass sich die Gedächtnisleistung von Betroffenen verbessert, wenn sie korrekt angewendet werden, erläutern die Forscher. Bisher gebe es noch keine Heilung für traumatische Hirnverletzungen, doch die Ergebnisse der aktuellen Studie seien Grund zur Hoffnung, fügen die Autoren hinzu. (as)